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Menschenrechte

Geistig behinderter Christ in Pakistan freigelassen

09.06.2022

Das Leben einer Person sei „immer in Gefahr“, wenn sie in Pakistan der Blasphemie beschuldigt werde. Foto: pixabay.com
Das Leben einer Person sei „immer in Gefahr“, wenn sie in Pakistan der Blasphemie beschuldigt werde. Foto: pixabay.com

Lahore (IDEA) – In der pakistanischen Provinz Punjab ist ein Christ drei Jahre nach seiner Verhaftung auf Kaution freigelassen worden. Das berichtet die Internetplattform Christian Post. Es handelt sich um Stephen Mughal Masih. Er wurde am 11. März 2019 in der Umgebung der Stadt Sialkot im Nordosten der Provinz Punjab wegen des Vorwurfs der Blasphemie (Gotteslästerung) festgenommen.

Der Verhaftung war eine Anzeige nach einem langjährigen Streit zwischen zwei muslimischen Nachbarn und der Familie des Christen vorausgegangen. Einer der Muslime drang am 11. März in deren Haus ein und schlug den geistig behinderten Mann.

Der Nachbar warf ihm vor, den islamischen Propheten Mohammed beleidigt zu haben. Der zweite muslimische Nachbar stachelte Gewaltbereite an, den Beschuldigten und seine Familie zu attackieren. Die Polizei konnte einen Lynchmord verhindern. Masihs Mutter erlitt bei dem Angriff einen Arm- und einen Beinbruch. Sie und elf weitere Christen mussten untertauchen. Später wurde das Haus niedergebrannt.

Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) und die Evangelische Nachrichtenagentur IDEA benannten Masih als „Gefangenen des Monats“ im Juni 2021 und riefen dazu auf, sich für ihn einzusetzen.

ADF International: Alle Anklagepunkte fallen lassen

Die Menschenrechtsorganisation ADF International (Allianz zur Verteidigung der Freiheit) begrüßte die Freilassung. Die Direktorin der ADF-Asienvertretung, Tehmina Arora (Neu-Delhi/Indien), forderte darüber hinaus das zuständige Gericht in Sialkot auf, Masih von allen Anklagepunkten freizusprechen.

Der katholische Geistliche Mario Rodrigues (Karatschi) sagte dem katholischen Nachrichtendienst Fides, er sei um die Sicherheit von Masih besorgt. Das Leben einer Person sei „immer in Gefahr“, wenn sie in Pakistan der Blasphemie beschuldigt werde.

Es geht um persönliche Rache

Der Vorstandsvorsitzende des Hilfswerks Voice for Justice (Stimme der Gerechtigkeit), Joseph Janssen (Oxford), erklärte: „Dieser Fall ist ein klares Beispiel für den Missbrauch des Blasphemiegesetzes für persönliche Rache.“ Er rief dazu auf, alle Beteiligten an den Übergriffen vor Gericht zu stellen und zu bestrafen.

Nach Angaben von Christian Post werden die im pakistanischen Strafgesetzbuch verankerten Blasphemiegesetze häufig für persönliche Rache missbraucht. In Pakistan seien Dutzende Menschen deshalb inhaftiert. Das Gesetz werde auch von islamistischen Extremisten missbraucht, um religiöse Minderheiten anzugreifen. Von den über 222 Millionen Einwohnern Pakistans sind 95 Prozent Muslime, zwei Prozent Christen und zwei Prozent Hindus.

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