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Menschenrechte

Gegenüber muslimischen Führern für Rechte der Christen eintreten

16.11.2021

Der Vorsitzende der Internationalen Informationsstelle für Religionsfreiheit in Deutschland, Pfarrer Paul Murdoch. Foto: IDEA/ Wolfgang Köbke
Der Vorsitzende der Internationalen Informationsstelle für Religionsfreiheit in Deutschland, Pfarrer Paul Murdoch. Foto: IDEA/ Wolfgang Köbke

Schwäbisch Gmünd (IDEA) – Die Christen sollten auf internationaler Ebene auch mit muslimischen Führern verhandeln. So können die Interessen der Christen in islamischen Staaten am besten vertreten werden. Dafür plädierte der Generalsekretär der Weltweiten Evangelischen Allianz, Prof. Thomas Schirrmacher (Bonn), auf dem siebten ökumenischen Kongress „Christenverfolgung heute“ in Schwäbisch Gmünd. Er wird veranstaltet vom Christlichen Gästezentrum Schönblick (Schwäbisch Gmünd) und der Evangelischen Nachrichtenagentur IDEA (Wetzlar) in Zusammenarbeit mit rund 40 evangelischen, katholischen und freikirchlichen Hilfswerken sowie Menschenrechtsorganisationen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Schirrmacher zufolge gibt es immer wieder Kritik an der Lobby-Arbeit der Allianz. Der Vorwurf laute häufig, man solle mehr beten und sich weniger in die Politik einmischen. Der Generalsekretär verteidigte die Mitwirkung der Allianz in internationalen Gremien. „Wenn wir da nicht sitzen, spricht niemand für unsere Leute. Da hat nur Zugang, wer ein politisches Gewicht hat.“ Man sei es den verfolgten Geschwistern schuldig, für sie einzutreten.

Algerien: Die Zahl der Christen wächst

Der Vorsitzende der Internationalen Informationsstelle für Religionsfreiheit in Deutschland, Pfarrer Paul Murdoch (Ofterdingen bei Reutlingen), berichtete, dass die Zahl der Christen in Algerien steigt: „Was für ein Segen, dass Gott diese Ernte in unserer Zeit gegeben hat.“ Man könne dort von bis zu 200.000 Nachfolgern Jesu ausgehen. Die Behörden beobachteten diese Entwicklung mit Sorge und versuchten, die Registrierung neuer Kirchen hinauszuzögern. Immerhin könnten Kirchen für ehemalige Muslime registriert und betrieben werden.

Momentan seien immer noch 16 Kirchen geschlossen, weil deren Genehmigung verweigert werde. Außerdem sei in der neuen Verfassung der Passus zum Schutz der Gewissensfreiheit für alle Algerier gestrichen worden. Das wecke die Befürchtung, dass die Regierung diese Änderung zur weiteren Unterdrückung religiöser Minderheiten nutzen könnte. Dennoch wachse die Kirche weiter. Vor allem unter den Berbern, den Ureinwohnern Nordafrikas, wendeten sich Menschen zunehmend dem christlichen Glauben zu. Die Berber kehrten damit zu ihren Wurzeln als Volksgruppe zurück. Denn vor Beginn der islamischen Expansion im 7. Jahrhundert sei Nordafrika christlich gewesen.

Die „Communio Messianica“, eine Gemeinschaft von Christen mit muslimischem Hintergrund, in deren Vorstand Murdoch mitwirkt, sei mit Blick auf das starke Wachstum der Gemeinde Jesu in Algerien voller Hoffnung. Die Mitglieder glaubten, dass es ähnliche Chancen für die Gemeinde Jesu in anderen islamischen Ländern gebe.

Pakistan: Christen leben in ständiger Bedrohung

Der Missionsinspektor der Evangelischen Karmelmission (Schorndorf bei Stuttgart), Stefano Fehr, rief zum Gebet für die Christen in Pakistan auf. Dort komme es immer wieder zu Überfällen durch Muslime, die von islamischen Gelehrten aufgestachelt würden. In Pakistan sei es für einen Muslim lebensgefährlich, zum Christentum überzutreten, auch wenn das Strafgesetzbuch keinen Artikel zum „Abfall von Religion“ enthalte. Muslime, die diesen Schritt gingen, könnten jedoch stets wegen „Blasphemie“ angeklagt werden.

Außerdem fordere die Scharia, die für viele Pakistanis über weltlichen Gesetzen stehe, für männliche Konvertiten die Todesstrafe. Er wisse von mehreren Familien, so Fehr, die sich schon seit Jahren auf der Flucht befänden, weil sie zu Jesus gehörten. Auch die Zahl der Anklagen aufgrund des geltenden Blasphemiegesetzes steige seit Jahren an. 2020 sei mit 200 Fällen der bisherige Höchststand erreicht worden. Seit 1990 seien mindestens 77 Menschen aufgrund derartiger Anklagen getötet worden.

Mit christlichen Sendungen Muslime erreichen

Der Direktor des christlichen Medienhauses Al Hayat (arabisch für „das Leben“) Ministries, Abu Ali (Deckname), sprach über die Methoden, mit denen er und seine Mitarbeiter Muslimen das Evangelium vermittelten. Dies geschehe durch Radio- und Fernsehsendungen in arabischer Sprache. Darin würden die Täuschungen des Islams aufgedeckt, indem man Fehler im Koran oder in den Lebensbeschreibungen Mohammeds analysiere. Damit habe man sehr gute Erfahrungen gemacht.

Der TV-Sender sei 2003 gegründet worden. Bereits im ersten Jahr hätten 80.000 Muslime Briefe geschickt, in denen viele ihre Bekehrung zu Jesus geschildert hätten. Andere erklärten demnach, dass sie Dinge über Mohammed erfahren hätten, von denen ihnen nie jemand erzählt habe. Seiner Erfahrung nach schließen sich die Konvertiten unterschiedlichsten Kirchen an, so Ali. Dabei hätten etwa in Ägypten viele von ihnen Sympathien für die orthodoxe Kirche. „Ehemalige Muslime sind strenge Regeln gewöhnt, und vielen sind die evangelikalen Gemeinden zu frei in ihrer Glaubenspraxis.“ Deshalb schätzten sie die Regeln und Rituale der orthodoxen Christen. Die Zahl der Konversionen vom Islam zum Christentum sei in den letzten fünf Jahren „astronomisch“ gestiegen.

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