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Gedenkgottesdienst in Würzburg: Vertrauen wurde erschüttert

27.06.2021

Der katholische Würzburger Bischof Franz Jung beim Gedenkgottesdienst im katholischen Kiliansdom in Würzburg. Screenshot: YouTube/ Bistum Würzburg
Der katholische Würzburger Bischof Franz Jung beim Gedenkgottesdienst im katholischen Kiliansdom in Würzburg. Screenshot: YouTube/ Bistum Würzburg

Würzburg (IDEA) – Mit einem Gedenkgottesdienst im katholischen Kiliansdom in Würzburg ist am 27. Juni der Opfer eines tödlichen Messerangriffs gedacht worden. Am Tag zuvor hatte ein 24-jähriger Somalier in der Würzburger Innenstadt drei Frauen getötet und sieben weitere Menschen teils schwer verletzt.

Neben Familien und Angehörigen der Opfer nahmen auch Rettungskräfte und Notfallseelsorger sowie Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU), Innenminister Joachim Herrmann (CSU), Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) und Würzburgs Oberbürgermeister Christian Schuchardt (CDU) teil.

Bischof Jung: Hilflosigkeit zeigt unsere Endlichkeit

Angesichts der Bluttat stehe eine ganze Stadt „unter Schock“, sagte der katholische Würzburger Bischof, Franz Jung. Niemand soll in dieser Not allein gelassen werden. Die Tat hinterlasse Angst und habe neu ins Bewusstsein gerufen „wie brüchig scheinbare Normalität“ sei. Sie habe das Vertrauen in andere Menschen, in eine stabile Ordnung, in menschliches Zusammenleben erschüttert, aber auch „unser Vertrauen in Gott“. In Gefühle wie Zorn, Empörung und der Wunsch nach Vergeltung mische sich nun auch das der Ohnmacht. Diese Hilflosigkeit zeige „unsere Endlichkeit“. Jung ermutigte dazu, auf Gott zu vertrauen.

Die evangelische Regionalbischöfin des Kirchenkreises Ansbach-Würzburg, Gisela Bornowski (Ansbach), verwies auf die „unmenschliche Last“, die Betroffene und Angehörige“ jetzt zu tragen hätten. Doch auch Menschen mit Migrationshintergrund seien entsetzt und nun „voller Angst vor etwaigen Anfeindungen“.

Muslimischer Geistlicher: Für ein friedliches Miteinander

Für den Sprecher der Würzburger Moscheegemeinden, Ahmet Bastürk, übersteigt die Gewalttat sein „Vorstellungsvermögen und seine Empathie“. Als Würzburger sei er fassungslos, als Familienvater werde ihm übel, als Muslim werde er wütend und als Mensch sei er traurig. Doch gebrochene Herzen könnten heilen. Es liege nun „an uns Würzburgern“ auf die Menschen zuzugehen, sie zu begleiten und ihnen Mitgefühl zu geben. „Wir als friedliche Religionsgemeinschaft werden uns weiterhin dafür stark machen“, so Bastürk.

Wie alle Redner des Gedenkgottesdienstes dankte auch er den Menschen, die sich mit Stühlen, Besen und Fäusten einem „psychopatischen Mann“ in den Weg stellten somit Leben gerettet hätten.

Josef Schuster: Überbringe das Mitgefühl jüdischer Bürger

Auch der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster (Würzburg), überbrachte den Betroffenen und Angehörigen der Todesopfer „das Mitgefühl der jüdischen Bürger“. Zwar sei es als Vertreter der jüdischen Gemeinde unüblich, in einem christlichen Gotteshaus zu sprechen, „aber es gibt Situation, wo es nicht um Prinzipien geht“. Es gehe darum, um göttlichen Beistand zu bitten. Letztlich sei für Christen, Muslime und Juden der „Herr im Himmel“ für alle drei monotheistischen Religionen „ein und derselbe“.

Hintergründe der Tat noch unklar

Am 26. Juni hat der Somalier in der Würzburger Innenstadt mit einem Messer drei Frauen in einem „Woolworth“-Kaufhaus getötet. Weitere Menschen attackierte er in einer gegenüberliegenden Bank und auf der Straße. Bei der Mehrzahl der Opfer handelt es sich um Frauen. Der Angreifer sitzt in Untersuchungshaft. Er kam 2015 nach Deutschland und steht unter subsidiären Schutz, da in seinem Heimatland Krieg herrscht. Er hält sich somit legal im Land auf.

Das Motiv für den Amoklauf ist noch unklar. Augenzeugen berichteten, er habe während der Tat „Allahu Akbar“ („Gott ist groß“) gerufen. Innenminister Herrmann schließt einen islamistischen Hintergrund nicht aus. Bei der Durchsuchung der Unterkunft des Mannes in einem Würzburger Obdachlosenheim fand die Polizei Dokumente mit Hassbotschaften, die noch ausgewertet werden. Der Polizei war der Mann bereits vor der Tat als psychisch auffällig bekannt.

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