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Kolumne

Feuer und Flamme

31.05.2022

Daniel Rehfeld
Daniel Rehfeld

Am vergangenen Wochenende haben über 12 000 mehrheitlich Jugendliche am Christival teilgenommen – dem wohl grössten evangelischen Jugendtreffen im deutschsprachigen Europa. Mit leiser Wehmut habe ich nach Erfurt geblickt, denn seit 1996 habe ich keinen dieser Jugendkongresse verpasst. Dass ich nun etwas älter bin und es ein bisschen ruhiger angehe, zeigt sich unter anderem darin, dass ich die letzten Tage durch die Weinberge im Wallis gewandert bin, statt mich auf das Happening einzulassen. Und dennoch – ich habe einschneidende Erinnerungen ans Christival. Als 30-köpfige Schweizergruppe sind wir vor 26 Jahren mit einem Surprise-Car auf der kopfsteingepflasterten Autobahn nach Dresden gefahren (sieben Jahre nach der Wende) und durften mit Verspätung ins 30 000 Personen fassende Rudolf-Harbig-Stadion einlaufen. Besonders erinnere ich mich an ein Konzert zur Bergpredigt des Liedermachers Christoph Zehendner, dessen Titelsong meine Frau und ich Jahre später für unsere Hochzeit auswählten: „Folgen, Leben mit Jesus hat Folgen …“ Die Stadt war überschwemmt von jungen Christinnen und Christen, die bestrebt waren, nicht nur ihren Glauben zu feiern, sondern ihre Begeisterung in Form von Hilfe und kreativen Aktionen der örtlichen Bevölkerung zuteilwerden zu lassen. Der Abschlussgottesdienst mit den örtlichen Kirchgemeinden war eine Manifestation – ein Stück Himmel auf Erden. Ähnliche Erfahrungen habe ich auch 2002 in Kassel, 2008 in Bremen und 2016 in Karlsruhe gemacht. Wo die Christivaller auftauchten, liefen die Passanten zusammen – es war ein bisschen wie Pfingsten.

Einigermassen hart bin ich jeweils wieder auf dem Boden der Realität gelandet. Es mag grotesk wirken, dass wir uns ausgerechnet in der Pfingstausgabe mit dem Fachkräftemangel in der Kirche beschäftigen (müssen). Die BeGEISTerung von Pfingsten auf der einen Seite, die spärlich besetzten Studienbänke der theologischen Universitäten auf der anderen Seite. Das klingt nach Widerspruch. Doch die Rahmenbedingungen rund ums erste Pfingstfest waren ähnlich wie heute. Der Erlöser gen Himmel entschwunden, seine Nachfolger im Wartemodus. Und dann das übernatürliche Eingreifen des Heiligen Geistes, der sowohl die Jünger wie auch die Besucher in Staunen versetzte. Und eine Reaktion auslöste. „Wir können’s ja nicht lassen, von dem zu reden, was wir gesehen und gehört haben.“ Oder mit Augustinus gesprochen: „In dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst.“ Darauf hoffe ich. 

Daniel Rehfeld, Chefredaktor

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