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Ein Glas Wein reicht für hyperaktives Verhalten

10.09.2021

Eine Weinflsche mit Weinglas. Symbolbild: pixabay.com
Eine Weinflsche mit Weinglas. Symbolbild: pixabay.com

Berlin (IDEA) – In Deutschland werden jedes Jahr etwa 10.000 Kinder mit einer Fetalen Alkoholspektrum-Störung (FASD) geboren. „Diese Schätzung der Bundesdrogenbeauftragten ist sehr konservativ. Wir gehen davon aus, dass die Dunkelziffer um einiges höher ist“, erklärte Gela Becker, Leiterin des FASD-Fachzentrums im Evangelischen Verein Sonnenhof (Berlin), zum „Tag des alkoholgeschädigten Kindes“ am 9. September gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur IDEA.

Die Ausprägungen dieser vorgeburtlichen Störung sind unterschiedlich. Sie reichen von Merk- und Lernschwierigkeiten, eingeschränkter Impulskontrolle oder Hyperaktivität bis hin zu Auffälligkeiten im Gesicht oder zu kleinen Köpfen. „Ein Glas Wein pro Woche reicht für ein hyperaktives Verhalten“, warnt die Fachfrau. „Wenn man sicher gehen will, dass man kein Kind mit einer Schädigung auf die Welt bringt, sollte man bereits ab dem Zeitpunkt des Kinderwunsches komplett auf Alkohol verzichten.“ Denn schon in der Frühschwangerschaft erhöhe Alkohol die Abortrate, so die Diplom-Psychologin.

Zum Hintergrund: Der Alkohol gelangt über die Plazenta unmittelbar in den Blutkreislauf des ungeborenen Kindes. Das Kind „trinkt“ mit und ist ebenso alkoholisiert wie die Mutter. Da Alkohol ein Zellteilungsgift ist, wirkt er schädigend auf den sich bildenden Organismus ein. Die Entwicklung der inneren Organe, insbesondere aber des Gehirns und des Nervensystems wird durch den Alkohol irreparabel gestört.

Was entscheidend ist

Leider sei die Behinderung in Deutschland völlig unterdiagnostiziert, so Becker. „Viele dieser Kinder landen gar nicht in der FASD-Diagnostik. Bei ihnen wird zum Beispiel lediglich ADHS gefunden, wenn sie in die Schule kommen und auffällt, dass sie sich zum Beispiel schlechter konzentrieren können als andere.“ Dabei sei es entscheidend zu wissen, dass eine Alkoholschädigung im Mutterleib stattgefunden habe. „Nur dann können wir ganz fallgebunden entsprechend helfen.“

Viele dieser Kinder seien auch selber deutlich suchtgefährdeter. „Sie haben hohe Spannungszustände, aus denen sie durch Kiffen oder ebenfalls Alkoholkonsum versuchen herauszukommen.“ Becker fordert, dass Frauenärzte sehr viel intensiver aufklären müssten. Gemeinsam mit Menschen, die unter FASD leiden, geht sie in Berlin-Spandau an Schulen, wo sie berichten, wie es ist, mit dieser Behinderung zu leben.

Der Evangelische Verein Sonnenhof ist seit 20 Jahren auf die integrative und inklusive Betreuung von Kindern, die durch Alkohol in der Schwangerschaft geschädigt worden sind, spezialisiert. Seit 2007 betreibt er Wohngemeinschaften für junge Erwachsene mit FASD. Am „Tag des alkoholgeschädigten Kindes“ wurde Becker das Bundesverdienstkreuz für ihre Arbeit verliehen.

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