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Kolumne

Die Qual der Wahl

24.01.2023

Daniel Rehfeld
Daniel Rehfeld

Seit Beginn des Jahres füllt sich mein Briefkasten vermehrt mit Werbung, obwohl ich einen „Stopp Werbung“-Kleber angebracht habe. Der Grund dafür ist simpel. Politische Inhalte gelten nicht als Werbung, sondern als Information. Und dazu gehören auch die vielen Postkarten, Prospekte und Zeitungen, die mir derzeit in den verschiedensten Farben ins Haus flattern. Die Botschaften sind simpel und gewinnend. Ein Politiker fragt, wie Zürich künftig regiert werden soll, und gibt gleich selber die Antwort: „Positiv – ohne weitere Verbote.“ Eine weitere Gruppe verspricht mir, für mich, die Zukunft und die Menschen Partei zu ergreifen. Dann wird mir eine „sichere Zukunft in Freiheit“ versprochen, bezahlbarer Wohnraum angestrebt, die Biodiversität gefördert und eine Gesellschaft von Solidarität und Verantwortung gefordert. Auch die christlichen Werte und die Stärkung der Familie stehen auf der Agenda – im Wahlcouvert stecken sie allerdings erst im hinteren Teil. Ein Schelm, wer Böses denkt. Aber lassen wir das.

Das Superwahljahr wirft seine Schatten voraus. Bevor im Herbst die eidgenössischen Räte neu bestellt werden, stehen in verschiedenen Regionen die kantonalen Wahlen an. Das letzte Mal – vor vier Jahren – haben 4645 Personen auf 511 Listen kandidiert, um einen Platz im National- oder Ständerat zu ergattern. Während wir uns in der Jugendzeit jeweils einen Spass daraus gemacht haben, die mehr oder weniger kreativen Porträts mit Schnäuzen, ungewöhnlichen Frisuren oder witzigen Accessoires zu verzieren, weiss ich längst den Wert freier Wahlen zu schätzen. Man muss nicht weit gehen, um die Vorteile unserer direkten Demokratie zu entdecken, um die uns viele beneiden. Das Privileg, eine freie Wahl zu treffen und die Gesellschaft aktiv mitgestalten zu können, ist wahrscheinlich einmalig in der Welt. Wie ernst der Staat diesen Vorgang nimmt, zeigte sich gerade heute, als ich brieflich darauf hingewiesen wurde, dass mir möglicherweise falsche Wahlzettel geschickt wurden. Die Anleitung, wo und wie ich mich melden sollte, wurde direkt mitgeliefert. Entgegen aller Politikverdrossenheit, die ja auch unter Christen grassieren soll, appelliere ich an unsere Chance und Bürgerpflicht, dieses Jahr an die Urne zu gehen. Als Christen haben wir die Verantwortung, „der Stadt Bestes zu suchen“. Nehmen wir sie ernst. Die leicht abgeänderte Benediktinerregel kann uns dabei helfen. „Bete und wähle.“ 

Daniel Rehfeld, Chefredaktor

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