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Kolumne

Den Spiess umgedreht

07.05.2024

Vor 15 Jahren wurde in den Medien grossflächig über christliche Lehrer debattiert. Hinter vorgehaltener Hand nannte man sie die „Fischli-Fraktion“. Gemeint waren Christen, die sich eng an der Bibel orientierten, häufig aus Freikirchen stammten und offenbar einen gewissen missionarischen Eifer an den Tag legten. Viele von ihnen wollten sich sozial engagieren und entschieden sich deshalb für einen pädagogischen Beruf. „An der Pädagogischen Hochschule Zürich wimmelt es von Frömmlern und religiösen Fundamentalisten“, titelte eine Gratiszeitung, die es längst nicht mehr gibt. Sie stiess eine Debatte darüber an, ob der Schulunterricht durch die hohe Dichte an christlichen Lehrern nicht religiös unterwandert werde. Aus Mangel an Beweisen und mit der Erkenntnis, dass ein Lehrer grundsätzlich an seiner Leistung und nicht an seiner Wertehaltung gemessen werden sollte, verebbte die Diskussion wieder. In unregelmässigen Abständen flammt aber die Frage auf, wie zurückhaltend eine Lehrperson mit persönlichen Wertehaltungen umgehen sollte. 

Seit zwei Wochen ist die Frage wieder in aller Munde. Allerdings unter veränderten Vorzeichen. Diesmal ist es laut dem Tagi vom 18. April „ein Elternpaar mit einem bekanntermassen starken freikirchlich-konservativen Hintergrund“, das sich um den Sexualkundeunterricht sorgte, den der homosexuelle Lehrer gemäss Lehrplan 21 vermitteln sollte. Sie störten sich offenbar an Inhalt und Gesinnung, die der Lehrer verbreitete. Die Situation in Pfäffikon lief aus dem Ruder, dem Lehrer wurde schlussendlich gekündigt. Die Gründe dafür sind allerdings bis heute ungeklärt, eine entsprechende Aussprache ist geplant. Ungeachtet dessen, was inhaltlich zu dieser Entwicklung führte, ist für die grossen Medienhäuser klar: Dass ein schwuler Lehrer von konservativen Eltern aus dem Amt gemobbt wird, ist untragbar. Die mediale Vorverurteilung generiert Klickzahlen, spielt mit Stereotypen, mobilisiert die Masse. In einem der letzten Medienberichte gibt sich der Lehrer stolz, etwas Grosses angestossen zu haben. Alle grossen Medienhäuser hätten die Geschichte weitergedreht. Für mich ist klar, dass ein Mensch nicht aufgrund seines Weltbildes diskriminiert werden darf. Konsequenterweise darf aber auch niemand dafür vorverurteilt werden, dass er sich für seine Ideale wehrt.

Daniel Rehfeld, Chefredaktor

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