- ANZEIGE -
E-Paper Abo Anmelden

Ressorts

icon-logo

Frei-/Kirchen

China: Kreuz in Kirche nicht höher als die Parteifahne

22.11.2021

Das Referat beleuchtete die schwierige Lage der bedrohten christlichen Gemeinde in China und lud ein, für diese zu beten. Bild: zvg
Das Referat beleuchtete die schwierige Lage der bedrohten christlichen Gemeinde in China und lud ein, für diese zu beten. Bild: zvg

Frauenfeld (Ref TG/ck) – China ist ein Land mit vielen Facetten. Es gebe kaum einen Tag, an dem in der internationalen Presse nicht über das bevölkerungsreichste Land geschrieben werde, sagte Stephanie, die von der Kommission für bedrängte und verfolgte Christinnen und Christen der Evangelischen Landeskirche Thurgau unter Pfarrer Lukas Weinhold am 12. November eingeladen wurde. Zu ihrem persönlichen Schutz gibt sie nur ihren Vornamen bekannt und möchte nicht fotografiert werden. Denn Stephanie hat mehrere Jahre beruflich in China verbracht und in dieser Zeit die immer strengere Zensur und Überwachung durch die Kommunistische Partei mitverfolgt. Als Mitglied der evangelisch-methodistischen Kirche hat sie in China Kontakt zur Christengemeinschaft gesucht und gefunden. „Ich durfte Hauskirchen besuchen, doch jeweils nur einmal, da diese Unterkirchen nicht erlaubt sind“, sagte Stephanie, die ihre Erfahrungen für Open Doors weitergibt. Diese Organisation steht ganz im Dienst der verfolgten Christinnen und Christen weltweit und erstellt jedes Jahr einen Weltverfolgungsindex. Darauf ist China auf Rang 17 aufgeführt, mit einem Ausmass der Verfolgung von 74, was sehr schwer bedeutet.

Christengemeinschaft wächst

Stephanie war auch dort, als das Coronavirus vor zwei Jahren seinen weltumspannenden Anfang nahm. „Shanghai, eine rund um die Uhr belebte Stadt, wurde von heute auf morgen zu einer Geisterstadt“, sagte die Absolventin einer Betriebswirtschaftslehre. Damals verliess sie das „Reich der Mitte“ Hals über Kopf. Bei ihrem Aufenthalt vor genau einem Jahr hingegen schien das „Leben wie immer“. Stephanie sagte dazu: „China setzt auf eigene, pragmatische Lösungen.“ Diese eigenen Lösungen machen sich seit 2018 auch bei der Religion markant bemerkbar. Seit jenem Jahr gelten die neuen Religionsgesetze, die nur eine registrierte Kirche zulassen. In diesen Gottesdiensten müssen die Pastoren erst eine Viertelstunde die Werte der Kommunistischen Partei hervorheben, bevor sie predigen dürfen. Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren ist der Besuch einer Kirche untersagt. In den registrierten Kirchen darf das Kreuz nicht höher als die Parteiflagge hängen. Dennoch wächst die Zahl der Christinnen und Christen und wird mit 96 Millionen angeben. „Im Vergleich dazu gibt es ‹nur 83 Millionen Parteimitglieder“, ergänzte Stephanie.

Kraft des Gebets nutzen

Dass trotz des enormen Drucks und der Ausgrenzung durch die Regierung die christliche Gemeinde wächst, lässt sich mit der Stärke des Glaubens und dem gemeinsamen Gebet erklären. „Die Kraft des Gebets ist der Schlüssel“, hielt Stephanie fest und zeigte Szenen aus einem Film, der die schwierige Ausübung des Glaubens thematisierte. Nach dem Vortrag formulierten die rund 30 Gäste ebenfalls Gebete: für Kinder und Jugendliche, für Inhaftierte, für die Kirchen, aber auch für die Regierung in China. Mit gemeinsamen Gebeten sowie Taizé-Liedern wurde der Abend abgeschlossen.
evang-tg.ch ¦ opendoors.ch

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

IDEA liefert Ihnen aktuelle Informationen und Meinungen aus der christlichen Welt. Mit einer Spende unterstützen Sie unsere Redakteure und unabhängigen Journalismus. Vielen Dank. 

Jetzt spenden.