Grüezi

Grüezi

Aktion statt Manipulation

Von: Thomas Feuz

Nichts spricht gegen Gottesdienste, Evangelisationen oder aktuelle Vorträge. Eine individualistische, zunehmend vereinsamende Gesellschaft braucht Kirchen und Gemeinden, die auf ihre Angebote, auf das Angebot von Jesus Christus aufmerksam machen. Und damit Alternativen aufzeigen. Aber ist das genug - und effizient genug?

Es spricht alles dafür, hinzuschauen, effektive Bedürfnisse zu erkennen und die eigenen Aktionen danach auszurichten. Hand aufs Herz: Tun wir uns nicht schwer damit? Sind wir nicht oft gefangen in Terminen und Programmen, in starren Verpflichtungen und einem Kräfte zehrenden Aktivismus? In Traditionen, die wir als gut erachten, da sie auch früher nicht hinterfragt worden sind? Und: Erreichen wir unser Zielpublikum? Haben wir überhaupt ein Zielpublikum definiert? Drehen wir uns bei vielen geliebten und schönen Aktivitäten nicht letztlich im Kreis um uns selbst, statt dass unser Glaube Kreise zieht?

In der «Vision Chur» haben sich Freikirchen und christliche Organisationen zusammengeschlossen. Sie reden von der Liebe Gottes und leben sie auch konkret. Wenn Christen ihre Arbeitskraft, Zeit und Begabungen in den Dienst von Mitmenschen stellen, geben sie damit bewusst Liebe weiter: gelebte Liebe in Aktion. Ein ermutigender Anfang wurde letztes Jahr gemacht. Die Reaktionen waren «brutal positiv», fasst der Koordinator Andreas «Boppi» Boppart die Erfahrungen kernig zusammen. Mehr dazu im Artikel «Gratishilfe gibt dem Glauben Hand und Fuss».

Szenenwechsel. Wir befinden uns im idyllisch gelegenen Spiez. In der Gemeinschaft «Life changing ministry» rund um Gabriel Dominik Müller spielen sich bedenkliche Vorkommnisse ab. Betroffene sprechen von totalitären Tendenzen, von finanzieller und sexueller Ausbeutung. Was mit der Sehnsucht nach einer «reinen», Christus-zentrierten Gemeinde begonnen hat, endete für viele Mitglieder in einer totalitären Gesinnungsdiktatur. «Spektrum» hat recherchiert. Das Ergebnis stimmt nachdenklich, macht traurig. Und unweigerlich taucht die Frage auf, wann die Grenze vom gesunden Gemeindeleben zum ungesunden, sektenhaften Verhalten überschritten wird. Siehe den Artikel «Er predigte Reinheit und missbrauchte Ehefrauen».

Doch die Hoffnung stirbt zuletzt. Es ist die Hoffnung, dass Christ sein mitten im ganz «normalen» Leben, in einem bewussten täglichen Miteinander sichtbar wird. Vorwärts heisst die Devise, nicht Rückzug! Ein Rückzug ins vermeintliche Guru-Paradies ist nicht Programm. «In der Welt, aber nicht von der Welt» sind und bleiben Christen gefordert. In der letzten Zeit werden viele «Christusse» aufstehen (Matthäus 24,24). Wir sollten kritisch hinschauen. Aber wir dürfen es darob nicht verpassen, unseren Mitmenschen die tätige Liebe vorzuleben. «Chur» zeigt einen Weg auf, wie das möglich ist. Vor «Aposteln» und Entwicklungen wie jenen in Spiez hingegen kann nur gewarnt werden.

Biblisch

Biblisch

Ein Lieblingsbibelvers

Von: Claudia Kündig

«Der Herr, unser Gott, sei uns freundlich und fördere das Werk unsrer Hände bei uns. Ja, das Werk unsrer Hände wollest du fördern!» (Psalm 90,17)

«Ich habe mir vor vielen Jahren eine coole Bibel gekauft, in welcher der Text in der Mitte steht und rundherum viel Platz ist für Anmerkungen. Da ich gerne meine Gedanken zum Text nicht in Worte, sondern in Bildern und Skizzen festhalte, ist mit der Zeit meine ganz persönliche Bilderskizzen-Bibel entstanden. So habe ich auch neben diesem Vers einen Staubsauger, einen Kochlöffel und eine Hand voll Pinsel und Farbbüchsen hingezeichnet und den Vers dick unterstrichen. In all meinen Tätigkeiten als Hausfrau, Mutter oder wenn ich am Zeichnen bin, möchte ich mir bewusst machen, dass es Gott ist, der mir ermöglicht, zu arbeiten und zu wirken. Ich bin froh, dass ich alles mit Jesus anpacken darf, und er es ist, der mich fördert und ermutigt.»

Claudia Kündig ist freischaffende Illustratorin für Computergrafiken und Bühnenbilder, Leiterin einer Mal- und Kreativschule und wohnt in Bichelsee TG.

Wörtlich

Wörtlich

 

«Kein Tag gleicht dem anderen, aber alle beginnen frühmorgens um sechs Uhr. Dann sind meine Batterien frisch geladen. Ich springe unter die Dusche. Dann folgt das Wichtigste des Tages: Ich gehe online, stelle die Verbindung her, finde das Zwiegespräch mit ihm: Gott.»

Ernst Heller, als erster katholischer Zirkus-, Markthändler- und Schaustellerseelsorger auch «Clown Gottes» genannt, in «Das Magazin», der Samstagbeilage des «Tages-Anzeigers» und anderer Blätter.

Äxgüsi

Äxgüsi

Zug der Zukunft

Von: Dorothea Gebauer

«Wir können uns Pessimismus nicht mehr leisten», sagt er lächelnd in die Kamera. Dabei mimt Hubert Lepka nicht etwa den tumben Zweckoptimisten, sondern belegt mit seinem Handeln konsequent, dass er hofft. «Jetzt kommt es wie nie auf jeden Einzelnen an», doppelt er nach. Während der «Ars electronica» hat er in Linz mit Physikern und einem Künstlernetzwerk den «Zug der Zukunft» vorgestellt. Er trägt den Namen «Baby jet» (nicht etwa «easy jet».) Letzteres absorbiert jede Menge Kerosin, «Baby jet» dagegen ist ein Magnetzug, in dem sich in einem Vakuumtunnel in kurzer Zeit ganz Europa mit Überschallgeschwindigkeit erreichen lässt.

Warum fasziniert mich diese Meldung? Hier gehen Kunst und Naturwissenschaft zusammen und entwickeln Lösungen. Man versucht, eine lethargische Öffentlichkeit zu begeistern. Man packt sie an ihrer Würde und an ihrer Selbstverantwortung. Sind auch unsere christlichen Gemeinden «future labs», also «Werkstätten der Zukunft»?

Ich unterhalte mich darüber während des Mittagessens mit einem Studenten des Theologischen Seminars St. Chrischona. Umringt sind wir von den Gründern und Pionieren der Pilgermission. Ihre Porträts hängen an der Wand. «Chrischona war immer in der Mitte, wir sind so mittig geworden», jammern wir und gönnen uns bei Schnitzel und Pommes etwas Kulturkritik. Beim Kaffee angekommen, beschliessen wir, dass wir als Einzelne einen Beitrag leisten wollen. Wir können uns Pessimismus nicht leisten. Und wer weiss: Vielleicht lassen sich unter der nächsten Generation von Chrischona-Absolventen Erfinder finden. Ihre Gemeinden sollen Werkstätten der Zukunft sein, ihre Züge umweltfreundlich in die Zukunft fahren.

Dorothea Gebauer ist Leiterin Kommunikation und Medien der Pilgermission St. Chrischona in Bettingen BS.

Synergie

Synergie

Nach dem Tunnel ist manches anders

Von: Mario Brühlmann

Richtige Unternehmer sehen nicht nur, was vor Augen ist. Sie blicken weit in die Zukunft. Sie denken in Möglichkeiten. Sie malen sich aus, was auf einer grünen Wiese entstehen könnte. Oder wohin sich Menschen entwickeln könnten. Sie betrachten Probleme als Herausforderungen und suchen stets nach Lösungen, nach Weiterentwicklung des Bestehenden, nach Veränderung. Dazu gehört ein gewisses Mass an Risikobereitschaft genauso wie die kindliche Lust am Entdecken und Entwickeln. Das ist ein teilweise lernbares Erfolgsrezept.

Die Resultate dieser Erfolgsgeschichten werden schnell publik. Sie bewirken bei vielen Bewunderung und manchmal auch Neid. Die Bewunderer freuen sich an den Vorteilen dieser Entwicklung, geniessen diese und versuchen vielleicht, diese nachzuahmen oder Ähnliches zu realisieren. Einige schaffen es sogar. Das ist gut so. Die Neider suchen krampfhaft nach Elementen in den Erfolgsgeschichten, die sie kritisieren können. Damit wollen sie meist nichts anderes, als von ihrem eigenen Unvermögen ablenken. Das ist für alle schädlich.

Es gibt noch eine andere Seite dieser Erfolgsgeschichten. Diese bleibt meist verborgen. Niemand spricht darüber. Es sind die Zeiten der dunklen Tunnels. Die meisten erfolgreichen Unternehmer haben solche erlebt. Sie wissen, was es heisst, wenn ein Plan nicht funktioniert. Wenn das Geld ausgeht. Wenn wichtige Beziehungen abbrechen. Wenn man sogar von den Freunden verlassen wird. Wenn schwere Krankheiten wuchern. Wenn der Boden unter den Füssen zu wanken beginnt. In solchen Momenten sind auch die erfolgreichsten (und gläubigen) Unternehmer mit der Frage konfrontiert: «Wo ist Gott?» Eben haben sie noch zeugnishaft von ihm berichtet. Nun sehen sie ihn nicht mehr. Zweifel steigen auf. Ein Tunnel ist dann am dunkelsten, wenn die Gegenwart Gottes fehlt oder zu fehlen scheint. Dann wird klar, was es heisst, auf sich selbst gestellt zu sein. Was es heisst, von Menschen abhängig zu sein, die enttäuschen.

Mehrere mir bekannte Erfolgs-Unternehmer haben solche Tunnels durchschritten. Und alle kommen zur gleichen Erkenntnis: Nach dem Tunnel ist nicht vor dem Tunnel. Die Zeit im Tunnel hat sie verändert. Sie haben gewonnen. An Tiefe. An Belastbarkeit. An Grossmut. An Geduld. An Nächstenliebe. An Menschenkenntnis und Gotteserkenntnis. Ihr Glaube an Gott wurde zwar geprüft, aber er ging nicht verloren. Im Gegenteil. Er wurde tiefer, differenzierter. Die Tunnel-Geschichten der Erfolgs-Unternehmer wären es wert, publik zu werden. Sie würden die Bewunderer stärken und die Neider zum Schweigen bringen.

Mario Brühlmann, dipl. Betriebsökonom FH/Executive MBA, ist Gründer von Swiss Create, dem Nonprofit-Bereich der Swiss Consulting Group SCG AG, Orpund. www.swisscg.ch

Podium

Podium

Das Beten hilft

Von: Andeas Brönnimann

In der Schweiz wird immer noch sehr viel gebetet. Landauf, landab wird mir wiederholt mitgeteilt, dass in Gebetskreisen und Gebetsstunden für unser Land und die Regierung gebetet werde. Diese Gebete werden von Gott ganz sicher erhört und haben entsprechend Auswirkungen auf Land und Leute.

In der Bevölkerung spürt man, dass die christlichen Werte in der letzten Zeit wieder etwas aktueller werden und an Bedeutung gewinnen. Sicher hat dies auch einen Zusammenhang mit der gerade durchlebten weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise. Erfahrungsgemäss sucht der Mensch in Krisenzeiten vermehrt die Nähe Gottes. Es ist erstaunlich, wie die Schweiz als Finanzplatz mit ihren vielen und weltweit tätigen Banken die Finanzkrise gut überstanden hat. Mit dem stabilen und starken Schweizer Franken kann man sogar sagen, dass die Schweiz gestärkt aus der Krise herausgekommen ist. Der Schweizer Franken gehört weltweit zu den begehrtesten und sichersten Währungen. Diese Entwicklung ist sicher nicht einfach Zufall oder den guten Leistungen unserer Banken zuzuschreiben. Im Gegenteil, unsere Banken haben leichtgläubig und erfolgsgewohnt auch viele Fehler gemacht. Hier hat bestimmt Gott eingegriffen. Er ist auf die vielen Gebete der Menschen eingegangen.

Wir dürfen dankbar sein, dass Gott unser kleines Land in dieser stürmischen Welt immer noch dermassen segnet. Gedankenlos und ohne Ernsthaftigkeit wird oftmals gesagt «Da hilft nur noch beten». Viele Menschen, die das sagen, wissen gar nicht, wie recht sie eigentlich haben! Das Gebet ist das beste Rezept in diesen turbulenten Zeiten. An Gottes Segen ist stets alles gelegen. Halten wir uns zu Gott, so wird er sich weiterhin zu uns halten.

Andreas Brönnimann ist Nationalrat der EDU und Unternehmer. Er wohnt in Belp BE.

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Kirche & Konfessionen
10.03.10

«Der Name «Pilgermission? ist mehr denn je aktuell»

Direktor Markus Müller zum 170-Jahr-Jubiläum der Pilgermission St. Chrischona

Portrait von Markus Müller

Genau in die Welt schauen: Direktor Markus Müller neben einem Stich der historischen Kirche auf St. Chrischona.

«Die Lebendigkeit einer Chrischona-Gemeinde misst sich an der Leidenschaft für Gott, für die Menschen und für die Zukunft dieser Welt.» Dies erklärt Direktor Markus Müller im Gespräch zum 170. Geburtstag seines Werkes. Gleichzeitig legt er dar, warum der Name «Pilgermission St. Chrischona» noch immer aktuell sei.

Von: Andrea Vonlanthen

«Spektrum»: Pilgermission St. Chrischona - warum hängen Sie weiter an diesem Namen?

Markus Müller: «Pilgermission» meint, im Himmel verwurzelt und darum auf Erden frei zu sein. Das ist elementare Voraussetzung dazu, Gott in dieser Welt wirkungsvoll zu dienen. Das dienende Element gehört zum Erbgut der Pilgermission. Darum ist der Name mehr denn je aktuell.

«Wir blicken zurück nach vorne»: So heisst Ihr Jubiläums-Motto. Ein Halt zwischen dankbarem Rückblick und sorgenvollem Ausblick also?

Ein Halt mit hoffnungsvollem Ausblick! Meine These ist, etwas zugespitzt, dass wir 49 Prozent der Energie in die Vergangenheit und 51 Prozent in die Zukunft investieren sollten. Es gibt keine Zukunft ohne Vergangenheit und deren Kenntnis.

Sie sprechen in Ihrer Zeitschrift «Chrischona-Panorama» von einer dramatischen finanziellen Situation. Sorgen beim Geld - und wie stehts beim Geist?

Es bleibt unsere tägliche Herausforderung, im rechten Geist das Richtige zu tun. Die angespannte finanzielle Situation ist uns ein Ansporn, die geistlichen Herausforderungen anzunehmen und in allen persönlichen und sozialen Belangen entsprechend zu leben.

Wie stellen Sie die Pilgermission einem NZZ-Redaktor vor?

Die Pilgermission ist ein idealer Ort, um zu lernen, wie man mit den Herausforderungen der Zukunft konstruktiv, nachhaltig und langfristig umgehen kann. Kernbestandteil ist die Ausbildung. Die Ausbildungsmittel sind das gemeinsame Leben, Glauben, Denken und Beten.

Die Chrischona-Leitung beschäftigt sich momentan mit dem Gemeindebild. Was zeichnet eine lebendige Chrischona-Gemeinde aus?

Lebendigkeit messe ich an der Leidenschaft für Gott, für die Menschen und für die Zukunft dieser Welt. Lebendigkeit wird immer dann deutlich, wenn die Menschen wissen, wofür sie sich einsetzen, wenn sie die Grenzen ihres Tuns sehen können und wenn sie trotz Widerwärtigem Hoffnung bewahren.

Was unterscheidet eine Chrischona-Gemeinde von einer Pfingstgemeinde?

Das ist nicht meine primäre Frage. Die Geschichte von Chrischona zeigt, dass wir nicht aus der Abgrenzung leben, sondern aus der Reichgottes-Perspektive. Wir leben im Wissen, dass wir zum Bau des Reiches Gottes beitragen sollen. Doch wir sind nicht die einzigen, die Reich Gottes bauen. Darum sind Unterschiede und Ergänzungen sogar vorteilhaft.

Auch das Selbstverständnis eines hauptamtlichen Leiters steht auf Ihrer Tagesordnung. Wie sollte ein Chrischona-Pastor seinen Auftrag und seinen Dienst verstehen?

Dieses Selbstverständnis richtet sich in erster Linie daran aus, dass er ein Diener Gottes ist, dass er eine spezifische Beauftragung und eine spezielle Begabung hat. Aus meiner Sicht muss der Chrischona-Pastor sein Tätigkeitsfeld immer wieder an diesen drei Kriterien orientieren. Leitinstanz ist beispielsweise 1. Petrus 2,9 oder Epheser 4,
11-16.

Wird es bei Chrischona bald wesentlich mehr predigende Frauen geben?

Hier gelten für mich die gleichen Kriterien: die dienende Haltung, die Beauftragung und die Begabung. Wir setzen auf das Miteinander von Mann und Frau und die Ergänzungsbereitschaft. Es wird sich weisen, ob sich angesichts dieser Fragen mehr Frauen gewinnen lassen, Gott in unterschiedlicher Weise und Form zu dienen. Die unterschiedliche Dienstbeauftragung von Mann und Frau sehe ich gerade nicht in Verkündigung oder Predigt.

Frauenfrage, Ehescheidung und Wiederheirat, Homosexualität: Welches Ihrer Arbeitspapiere gibt in der Praxis am meisten zu beissen?

Ich möchte weniger von Arbeitspapieren als von Arbeitshilfen reden. Ich halte alle diese drei Themen für elementar wichtig. Ich beobachte, dass derzeit in unserer Gesellschaft fundamentale Angriffe auf Ehe, Familie und Sexualität stattfinden. Darum sind Christen in der westlichen Welt enorm herausgefordert, sich mit diesen Fragen konstruktiv entlang der Schöpfungsordnung Gottes auseinanderzusetzen.

Chrischona bewegt sich am kommenden 14. März an einem grossen Sponsorenlauf. Wohin bewegt sich das Werk missionarisch?

Es ist seit 170 Jahren unser Anliegen, Menschen für das Evangelium zu gewinnen und ihnen zu helfen, in der Jesus-Beziehung zu wachsen. Dazu brauchen wir eine aufmerksame Wahrnehmung der Zeit, das Erkennen der Bedürftigkeit des Menschen und Klarheit darüber, was das Evangelium wirklich ist. Nur wenn wir uns an diesen drei Punkten orientieren, können wir unserem Auftrag, eine missionarische Bewegung zu sein, treu bleiben.

Chrischona bewegt sich in unterschiedlichen Ländern und Kulturen. Was hält das Werk zusammen?

Gott hat uns als Werk im Jahr 2007 zwei Texte aus Jesaja 61,1-3 und 1. Petrus 2,9 speziell anvertraut. Er zeigt uns damit, wie er sich unsere Zukunft vorstellt. Kernmerkmal unserer Arbeit ist es, dass Gefangene frei werden, Traurige getröstet werden, Menschen in eine königlich-priesterliche Beauftragung finden. Dass diese Verkündigung eine umfassende öffentliche Bedeutung hat, ist selbstverständlich. Dieses Anliegen schmiedet uns zusammen.

«Hand anlegen» sollten wir, meinte Chrischona-Gründer Christian Friedrich Spittler vor 170 Jahren. Was würde Spittler heute sagen?

Schaut genau in die Welt! Erkennt, was Menschen brauchen! Seid euch im Klaren, welche Bedeutung das Evangelium hat, und gebt euer Leben vertrauensvoll dem Gott hin, dem die Welt gehört!

Gesetzt den Fall, die Bundespräsidentin wollte an Ihrem Jubiläum die Festrede halten. Welches Thema gäben Sie ihr?

Wie könnten Christen dazu beitragen, dass politische Verantwortungsträger eine wirkungsvolle Politik betreiben?

Warum ist Chrischona auch im Jahr 2040 für die Schweiz unersetzlich?

Weil die Schweiz auch 2040 gut und solide ausgebildete Menschen braucht, die Gott verfügbar sind und die Kompetenz haben, den Herausforderungen unserer Gesellschaft glaubwürdig zu begegnen.

Zur Person

Markus Müller, 55, verheiratet, vier Kinder. Studium der Heilpädagogik, Erziehungswissenschaft und Anthropologie. Promovierte in Behindertenpädagogik. 10 Jahre beim CVJM München, 3 Jahre Dozent an der Höheren Fachschule für Sozialpädagogik in Zizers, ab 1999 Dozent am TSC mit Hauptauftrag «Aufbau und Leitung des Fachbereiches Diakonie», seit 2001 Direktor der Pilgermission.

Vor 170 Jahren auf St. Chrischona gegründet

Die Pilgermission St. Chrischona wurde am 8. März 1840 in der Kirche St. Chrischona bei Basel gegründet. Zu diesem Verband gehören heute das Theologische Seminar (TSC), die Gemeindeverbände in der Schweiz (99 Gemeinden), Deutschland (69), Frankreich (19), Luxemburg (1), Südafrika (5) und Namibia (2), die Literaturarbeit (Brunnen-Verlag mit Bibelpanorama-Buchhandlungen), das Diakonissen-Mutterhaus St. Chrischona und die Arbeitsgemeinschaft für das messianische Zeugnis an Israel (Amzi). Am Theologischen Seminar St. Chrischona (TSC) wurden seit 1840 etwa 6000 junge Männer und Frauen ausgebildet. Chrischona-Absolventen sind in über 50 Ländern im Gemeindedienst und in der Mission aktiv. Derzeit werden am TSC 126 Studenten (64 Männer und 62 Frauen) von 12 hauptamtlichen Dozenten und ebenso vielen nebenamtlichen Lehrpersonen unterrichtet.

Dieser Artikel erschien in Heft 2010-10