Grüezi
Aktion statt Manipulation
Nichts spricht gegen Gottesdienste, Evangelisationen oder aktuelle Vorträge. Eine individualistische, zunehmend vereinsamende Gesellschaft braucht Kirchen und Gemeinden, die auf ihre Angebote, auf das Angebot von Jesus Christus aufmerksam machen. Und damit Alternativen aufzeigen. Aber ist das genug - und effizient genug?
Es spricht alles dafür, hinzuschauen, effektive Bedürfnisse zu erkennen und die eigenen Aktionen danach auszurichten. Hand aufs Herz: Tun wir uns nicht schwer damit? Sind wir nicht oft gefangen in Terminen und Programmen, in starren Verpflichtungen und einem Kräfte zehrenden Aktivismus? In Traditionen, die wir als gut erachten, da sie auch früher nicht hinterfragt worden sind? Und: Erreichen wir unser Zielpublikum? Haben wir überhaupt ein Zielpublikum definiert? Drehen wir uns bei vielen geliebten und schönen Aktivitäten nicht letztlich im Kreis um uns selbst, statt dass unser Glaube Kreise zieht?
In der «Vision Chur» haben sich Freikirchen und christliche Organisationen zusammengeschlossen. Sie reden von der Liebe Gottes und leben sie auch konkret. Wenn Christen ihre Arbeitskraft, Zeit und Begabungen in den Dienst von Mitmenschen stellen, geben sie damit bewusst Liebe weiter: gelebte Liebe in Aktion. Ein ermutigender Anfang wurde letztes Jahr gemacht. Die Reaktionen waren «brutal positiv», fasst der Koordinator Andreas «Boppi» Boppart die Erfahrungen kernig zusammen. Mehr dazu im Artikel «Gratishilfe gibt dem Glauben Hand und Fuss».
Szenenwechsel. Wir befinden uns im idyllisch gelegenen Spiez. In der Gemeinschaft «Life changing ministry» rund um Gabriel Dominik Müller spielen sich bedenkliche Vorkommnisse ab. Betroffene sprechen von totalitären Tendenzen, von finanzieller und sexueller Ausbeutung. Was mit der Sehnsucht nach einer «reinen», Christus-zentrierten Gemeinde begonnen hat, endete für viele Mitglieder in einer totalitären Gesinnungsdiktatur. «Spektrum» hat recherchiert. Das Ergebnis stimmt nachdenklich, macht traurig. Und unweigerlich taucht die Frage auf, wann die Grenze vom gesunden Gemeindeleben zum ungesunden, sektenhaften Verhalten überschritten wird. Siehe den Artikel «Er predigte Reinheit und missbrauchte Ehefrauen».
Doch die Hoffnung stirbt zuletzt. Es ist die Hoffnung, dass Christ sein mitten im ganz «normalen» Leben, in einem bewussten täglichen Miteinander sichtbar wird. Vorwärts heisst die Devise, nicht Rückzug! Ein Rückzug ins vermeintliche Guru-Paradies ist nicht Programm. «In der Welt, aber nicht von der Welt» sind und bleiben Christen gefordert. In der letzten Zeit werden viele «Christusse» aufstehen (Matthäus 24,24). Wir sollten kritisch hinschauen. Aber wir dürfen es darob nicht verpassen, unseren Mitmenschen die tätige Liebe vorzuleben. «Chur» zeigt einen Weg auf, wie das möglich ist. Vor «Aposteln» und Entwicklungen wie jenen in Spiez hingegen kann nur gewarnt werden.
Biblisch
Ein Lieblingsbibelvers
«Der Herr, unser Gott, sei uns freundlich und fördere das Werk unsrer Hände bei uns. Ja, das Werk unsrer Hände wollest du fördern!» (Psalm 90,17)
«Ich habe mir vor vielen Jahren eine coole Bibel gekauft, in welcher der Text in der Mitte steht und rundherum viel Platz ist für Anmerkungen. Da ich gerne meine Gedanken zum Text nicht in Worte, sondern in Bildern und Skizzen festhalte, ist mit der Zeit meine ganz persönliche Bilderskizzen-Bibel entstanden. So habe ich auch neben diesem Vers einen Staubsauger, einen Kochlöffel und eine Hand voll Pinsel und Farbbüchsen hingezeichnet und den Vers dick unterstrichen. In all meinen Tätigkeiten als Hausfrau, Mutter oder wenn ich am Zeichnen bin, möchte ich mir bewusst machen, dass es Gott ist, der mir ermöglicht, zu arbeiten und zu wirken. Ich bin froh, dass ich alles mit Jesus anpacken darf, und er es ist, der mich fördert und ermutigt.»
Claudia Kündig ist freischaffende Illustratorin für Computergrafiken und Bühnenbilder, Leiterin einer Mal- und Kreativschule und wohnt in Bichelsee TG.
Wörtlich
«Kein Tag gleicht dem anderen, aber alle beginnen frühmorgens um sechs Uhr. Dann sind meine Batterien frisch geladen. Ich springe unter die Dusche. Dann folgt das Wichtigste des Tages: Ich gehe online, stelle die Verbindung her, finde das Zwiegespräch mit ihm: Gott.»
Ernst Heller, als erster katholischer Zirkus-, Markthändler- und Schaustellerseelsorger auch «Clown Gottes» genannt, in «Das Magazin», der Samstagbeilage des «Tages-Anzeigers» und anderer Blätter.
Äxgüsi
Zug der Zukunft
«Wir können uns Pessimismus nicht mehr leisten», sagt er lächelnd in die Kamera. Dabei mimt Hubert Lepka nicht etwa den tumben Zweckoptimisten, sondern belegt mit seinem Handeln konsequent, dass er hofft. «Jetzt kommt es wie nie auf jeden Einzelnen an», doppelt er nach. Während der «Ars electronica» hat er in Linz mit Physikern und einem Künstlernetzwerk den «Zug der Zukunft» vorgestellt. Er trägt den Namen «Baby jet» (nicht etwa «easy jet».) Letzteres absorbiert jede Menge Kerosin, «Baby jet» dagegen ist ein Magnetzug, in dem sich in einem Vakuumtunnel in kurzer Zeit ganz Europa mit Überschallgeschwindigkeit erreichen lässt.
Warum fasziniert mich diese Meldung? Hier gehen Kunst und Naturwissenschaft zusammen und entwickeln Lösungen. Man versucht, eine lethargische Öffentlichkeit zu begeistern. Man packt sie an ihrer Würde und an ihrer Selbstverantwortung. Sind auch unsere christlichen Gemeinden «future labs», also «Werkstätten der Zukunft»?
Ich unterhalte mich darüber während des Mittagessens mit einem Studenten des Theologischen Seminars St. Chrischona. Umringt sind wir von den Gründern und Pionieren der Pilgermission. Ihre Porträts hängen an der Wand. «Chrischona war immer in der Mitte, wir sind so mittig geworden», jammern wir und gönnen uns bei Schnitzel und Pommes etwas Kulturkritik. Beim Kaffee angekommen, beschliessen wir, dass wir als Einzelne einen Beitrag leisten wollen. Wir können uns Pessimismus nicht leisten. Und wer weiss: Vielleicht lassen sich unter der nächsten Generation von Chrischona-Absolventen Erfinder finden. Ihre Gemeinden sollen Werkstätten der Zukunft sein, ihre Züge umweltfreundlich in die Zukunft fahren.
Dorothea Gebauer ist Leiterin Kommunikation und Medien der Pilgermission St. Chrischona in Bettingen BS.
Synergie
Nach dem Tunnel ist manches anders
Richtige Unternehmer sehen nicht nur, was vor Augen ist. Sie blicken weit in die Zukunft. Sie denken in Möglichkeiten. Sie malen sich aus, was auf einer grünen Wiese entstehen könnte. Oder wohin sich Menschen entwickeln könnten. Sie betrachten Probleme als Herausforderungen und suchen stets nach Lösungen, nach Weiterentwicklung des Bestehenden, nach Veränderung. Dazu gehört ein gewisses Mass an Risikobereitschaft genauso wie die kindliche Lust am Entdecken und Entwickeln. Das ist ein teilweise lernbares Erfolgsrezept.
Die Resultate dieser Erfolgsgeschichten werden schnell publik. Sie bewirken bei vielen Bewunderung und manchmal auch Neid. Die Bewunderer freuen sich an den Vorteilen dieser Entwicklung, geniessen diese und versuchen vielleicht, diese nachzuahmen oder Ähnliches zu realisieren. Einige schaffen es sogar. Das ist gut so. Die Neider suchen krampfhaft nach Elementen in den Erfolgsgeschichten, die sie kritisieren können. Damit wollen sie meist nichts anderes, als von ihrem eigenen Unvermögen ablenken. Das ist für alle schädlich.
Es gibt noch eine andere Seite dieser Erfolgsgeschichten. Diese bleibt meist verborgen. Niemand spricht darüber. Es sind die Zeiten der dunklen Tunnels. Die meisten erfolgreichen Unternehmer haben solche erlebt. Sie wissen, was es heisst, wenn ein Plan nicht funktioniert. Wenn das Geld ausgeht. Wenn wichtige Beziehungen abbrechen. Wenn man sogar von den Freunden verlassen wird. Wenn schwere Krankheiten wuchern. Wenn der Boden unter den Füssen zu wanken beginnt. In solchen Momenten sind auch die erfolgreichsten (und gläubigen) Unternehmer mit der Frage konfrontiert: «Wo ist Gott?» Eben haben sie noch zeugnishaft von ihm berichtet. Nun sehen sie ihn nicht mehr. Zweifel steigen auf. Ein Tunnel ist dann am dunkelsten, wenn die Gegenwart Gottes fehlt oder zu fehlen scheint. Dann wird klar, was es heisst, auf sich selbst gestellt zu sein. Was es heisst, von Menschen abhängig zu sein, die enttäuschen.
Mehrere mir bekannte Erfolgs-Unternehmer haben solche Tunnels durchschritten. Und alle kommen zur gleichen Erkenntnis: Nach dem Tunnel ist nicht vor dem Tunnel. Die Zeit im Tunnel hat sie verändert. Sie haben gewonnen. An Tiefe. An Belastbarkeit. An Grossmut. An Geduld. An Nächstenliebe. An Menschenkenntnis und Gotteserkenntnis. Ihr Glaube an Gott wurde zwar geprüft, aber er ging nicht verloren. Im Gegenteil. Er wurde tiefer, differenzierter. Die Tunnel-Geschichten der Erfolgs-Unternehmer wären es wert, publik zu werden. Sie würden die Bewunderer stärken und die Neider zum Schweigen bringen.
Mario Brühlmann, dipl. Betriebsökonom FH/Executive MBA, ist Gründer von Swiss Create, dem Nonprofit-Bereich der Swiss Consulting Group SCG AG, Orpund. www.swisscg.ch
Podium
Das Beten hilft
In der Schweiz wird immer noch sehr viel gebetet. Landauf, landab wird mir wiederholt mitgeteilt, dass in Gebetskreisen und Gebetsstunden für unser Land und die Regierung gebetet werde. Diese Gebete werden von Gott ganz sicher erhört und haben entsprechend Auswirkungen auf Land und Leute.
In der Bevölkerung spürt man, dass die christlichen Werte in der letzten Zeit wieder etwas aktueller werden und an Bedeutung gewinnen. Sicher hat dies auch einen Zusammenhang mit der gerade durchlebten weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise. Erfahrungsgemäss sucht der Mensch in Krisenzeiten vermehrt die Nähe Gottes. Es ist erstaunlich, wie die Schweiz als Finanzplatz mit ihren vielen und weltweit tätigen Banken die Finanzkrise gut überstanden hat. Mit dem stabilen und starken Schweizer Franken kann man sogar sagen, dass die Schweiz gestärkt aus der Krise herausgekommen ist. Der Schweizer Franken gehört weltweit zu den begehrtesten und sichersten Währungen. Diese Entwicklung ist sicher nicht einfach Zufall oder den guten Leistungen unserer Banken zuzuschreiben. Im Gegenteil, unsere Banken haben leichtgläubig und erfolgsgewohnt auch viele Fehler gemacht. Hier hat bestimmt Gott eingegriffen. Er ist auf die vielen Gebete der Menschen eingegangen.
Wir dürfen dankbar sein, dass Gott unser kleines Land in dieser stürmischen Welt immer noch dermassen segnet. Gedankenlos und ohne Ernsthaftigkeit wird oftmals gesagt «Da hilft nur noch beten». Viele Menschen, die das sagen, wissen gar nicht, wie recht sie eigentlich haben! Das Gebet ist das beste Rezept in diesen turbulenten Zeiten. An Gottes Segen ist stets alles gelegen. Halten wir uns zu Gott, so wird er sich weiterhin zu uns halten.
Andreas Brönnimann ist Nationalrat der EDU und Unternehmer. Er wohnt in Belp BE.
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