Grüezi

Grüezi

Frau Blochers Zivilcourage

Von: Andrea Vonlanthen

Er ist der gleichermassen umjubelte wie umstrittene Stratege der grössten Partei des Landes. Christoph Blocher sieht seine Mission für eine freie und unabhängige Schweiz noch längst nicht erfüllt. Sie hält ihm herzhaft den Rücken frei und kümmert sich um praktische Fragen des Alltags. Silvia Blocher hat aber auch ihre eigene Mission entdeckt: das Engagement für eine gesunde Erziehung und eine gesunde Bildung unserer Kinder. Ihre Hauptsorgen sind die Zerstörung der Familie, die Verstaatlichung der Erziehung und eine Schulbildung «nach sozialistischen Maximen». Ihre Sorge gilt aber auch einer Gesellschaft, die Gott nicht mehr kennt. Offen spricht sie in unserm Interview darüber (Artikel «Die biblischen Geschichten sind alle interessant»).

Natürlich hat Silvia Blocher gut reden. Materielle Sorgen sind ihr fremd. An der Seite eines interessanten Mannes erlebt sie ein erfülltes Dasein. Mit vier Kindern und sieben Enkeln führt sie ein glückliches Familienleben. Sie könnte auf all die gesellschaftlichen Miseren pfeifen, so wie es Tausende von andern Zeitgenossen auch tun. Doch sie nimmt ihre Verantwortung als Staatsbürgerin und Pädagogin wahr. Sie benennt die Missstände deutsch und deutlich. Ein Beispiel von Zivilcourage. Die gesellschaftliche Entwicklung ist bedenklich. Die traditionelle Familie wird Schritt für Schritt demontiert. Die Erziehung wird mehr und mehr in staatliche Obhut gelegt. Die Schule wird pausenlos reformiert und innoviert, obwohl sich die realen Probleme nur vergrössern. Fromme Lehrer gelten als manipulative Gefahr. Biblische Unterweisung gilt als unhaltbare Beeinflussung. Der «Fortschritt» einer Gesellschaft, die sich von Gott und dem biblischen Menschenbild losgesagt hat.

In dieser unheilvollen Situation brauchen wir mutige Stimmen wie die von Silvia Blocher. Wir brauchen deutliche politische Signale wie die laufende Familien-Initiative. Sie fordert gleiche Steuerabzüge für Eltern, die ihre Kinder selber betreuen. Wir brauchen neue kirchliche Anstrengungen für die biblische Unterweisung der Kinder. Die evangelische Kirchgemeinde Frauenfeld macht es mit ihrem Projekt «Schatzkiste» exemplarisch vor (Artikel «Kinder sollen zu Hause glauben lernen»). Oder eine Anregung von Silvia Blocher: Christliche Familien sollten ihre Häuser vermehrt öffnen und andere Eltern ein positives Familienleben und eine konsequente Erziehung erleben lassen.

Da wäre auch an einen andern Kinderfreund zu erinnern. Die Eltern in Judäa bringen ihre kleinen Kinder zu Jesus. Die Jünger protestieren gegen diese Anmassung. Doch Jesus weist sie zurecht: «Lasset die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht, denn solchen gehört das Reich Gottes.» (Lukas 18,16) Wer Kinder wirklich ernst nimmt, bringt sie zu Jesus. Heute erst recht. Er will sie segnen und beschenken mit seiner Liebe. Eine Liebe, die das Leben prägt. Gefragt ist keine ideologische Kuschelpädagogik. Kinder brauchen eine christliche Liebespädagogik. Diese Reform wäre dringlich.

Biblisch

Biblisch

Ein Lieblingsbibelwort

Von: Demetri Betts

«Urteilt nicht über andere, damit Gott euch nicht verurteilt. Denn so wie ihr jetzt andere verurteilt, werdet auch ihr verurteilt werden.» (Matthäus 7,1?2)

«Es passiert so oft, dass wir über andere urteilen und sie an unserem Glauben, unseren Ansichten und unseren Vorstellungen messen. Dabei ist das nicht korrekt. Wir sollten diese Zeit besser nutzen, um an uns selbst zu arbeiten. Als ich Jesus kennenlernte, bin ich zu Beginn die ganze Zeit auf dem ?Richterstuhl? gesessen. Und es war harte Arbeit. Denn dieser Stuhl war schwach und musste selbst repariert werden. Bitte Gott heute, dass er dein Herz öffnet und dass du diejenigen segnest, die du normalerweise verurteilst! Sei heute Gottes gutes Beispiel von Vergebung und Liebe. Hör auf, mit dem Finger auf andere zu zeigen, sondern deute mit deinem Finger zum Himmel. Lobe Gott heute, denn er ist es würdig, gelobt zu werden.»

Demetri Betts, Sänger und Evangelist aus D-Bretten, ist demnächst mit Ehefrau und Autorin Damaris Kofmehl auf Schweizer Tournee.

Wörtlich

Wörtlich

 

«Warum eigentlich werden bei Bewerbungen auf Professorenstellen über 45-Jährige ausgeschieden? Schwingerkönige können von mir aus zwanzig sein, aber Philosophenkönige! Die Erfahrung des dritten Lebensabschnittes kann die fehlende Schnelligkeit und Energie der nachkommenden Generation kompensieren. Neue Besen kehren gut, alte wissen, wo der Dreck liegt.»

Peter Gross, emeritierter Professor für Soziologie an der Universität St. Gallen, im «St. Galler Tagblatt».

Äxgüsi

Äxgüsi

Stolzer Walliser

Von: Christoph Gysel

«Stolz, Walliser zu sein!» Vielleicht haben Sie den Kleber auch schon gesehen. Zum Beispiel an der Heckscheibe eines Autos mit Walliser Kennzeichen: «Stolz, Walliser zu sein!» Sie haben vielleicht gedacht: Darauf kann man doch wirklich nicht stolz sein! Diese Walliser, diese eigensinnigen Bergler aus dem Fendantland. Korrupt, verfilzt, stur. Diese Leute nach dem Schlag des Hanfbauern Bernhard Rappaz, der selbst die Justiz an der Nase herumführt.

«Stolz, Walliser zu sein!» Eigentlich unverständlich. Und doch. Ich bin es auch. Stolz darauf, Walliser zu sein. Zwar kein waschechter. Nur ein zugewanderter. Trotzdem fühle ich mich als Walliser. In diesen Bergen bin ich zu Hause. Mit den Menschen hier mitsamt ihren Eigenarten bin ich verbunden. Ich nehme meine Landsleute in Schutz, wenn oben genannte Vorurteile in den Raum gestellt werden. Ich liebe das Wallis, mitsamt den nicht immer einfachen Bewohnern. Zugegeben, ich bin immer noch pünktlich. Andere Werte wie Ausdauer, Bodenständigkeit und Verlässlichkeit habe ich aber übernommen. Dass ich sogar Besitzer einer Milchkuh auf der Triftalp bin, die mir schon 50 Kilo Alpkäse beschert hat, zeigt, dass ich doch wirklich ein Walliser bin...

«Stolz, Walliser zu sein!» Das bin ich. Noch mehr allerdings bin ich glücklich, ein Gotteskind zu sein. Ich wünschte mir, dass wir Christen auch so ein Selbstverständnis entwickeln würden wie die Walliser. Dankbar, mit aufrechtem Gang, voll Freude: Ich bin ein Gotteskind! Jesus sei Dank! Ich bin ein Gotteskind. Grossartig! Und wir halten zusammen. Stehen füreinander ein. Nicht bloss wie die Walliser. Aber wie Gotteskinder...

Christoph Gysel ist Pastor und Tourismus-Fachmann in Saas Grund.

Synergie

Synergie

Worte haben wirklich Macht

Von: Marc Beck

Sicher haben Sie auch schon gute Predigten und Inputs über das Thema gehört, dass ausgesprochene Worte eine gewisse Wirkung zeigen. Gott hat die Welt geschaffen, indem er einfach sprach: «Es werde...» Abgeleitet davon wissen wir ja genau, dass unsere Zunge zu Vielem fähig ist. Zum Guten wie auch zum weniger Guten.

In letzter Zeit ist mir aufgefallen, welche Langzeitwirkung unser Reden zu Hause am Esstisch haben kann. In einigen Gesprächen rund um die Nachfolgeregelung ist deutlich geworden, dass sich die nächste Generation oft vor der Verantwortung und den damit zusammenhängenden Problemen scheut. Das Geschäft ginge ja gut, und die Leidenschaft für den Beruf wäre auch da, aber die Jungen wollen einfach nicht so recht. Wie kommt das? Direkt angesprochen, wird die Ursache langsam klar. Zu Hause am Esstisch haben die Kinder viele negative Aussagen über Kunden und Mitarbeiter gehört. «Wenn nur dieser Mitarbeiter X endlich gehen würde...», «Die Kunden zahlen aber auch nie pünktlich, und wir sitzen jetzt in der Klemme...». Diese und andere Aussagen liegen uns oft nahe.

Worte haben Macht - zum Aufbauen und zum Zerstören. Wundern wir uns wirklich, wenn die nächste Generation sich nicht für verantwortungsvolle Aufgaben begeistern lässt? Die Langzeitwirkung unserer Familiengespräche ist mir neu bewusst geworden. Vermehrt benutze ich darum den Heimweg zum «Deponieren» meines Frusts, damit ich zu Hause positiv von einem erfüllten Tag erzählen kann. Schwierigkeiten gehören da selbstverständlich auch dazu. Diese sollen jedoch von Hoffnung und Vertrauen auf das Eingreifen meines grossen «Chefs» im Himmel zeugen. Mit diesem «Gewürz» schmeckt das Essen erst noch besser. Langzeitwirkung garantiert!

Marc Beck ist Unternehmensberater bei vita perspektiv ag in Biel (www.vitaperspektiv.ch).

Podium

Podium

Schon wieder?

Von: Brigitte Häberli

Unsere Bundesrätinnen und Bundesräte werden von der Bundesversammlung zu Beginn der Legislatur und somit nach den eidgenössischen Wahlen jeweils für vier Jahre gewählt. In den letzten Jahren sind vorzeitige Rücktritte von Mitgliedern der Landesregierung häufiger geworden. Wo liegen die Gründe? Sind es die sehr intensive Arbeitsbelastung, der grosse Erwartungsdruck, die mangelnde Kollegialität? Sind es persönliche Enttäuschungen?

Tatsache ist, dass Bundesratsersatzwahlen die Fraktionen und das Parlament sehr stark beanspruchen. Wichtige Sachgeschäfte müssen deshalb verschoben werden. In den Medien werden wochenlang zahlreiche mögliche Kandidatinnen und Kandidaten vorgestellt, wird über Zu- und Absagen ausführlich berichtet. Manchmal hat man auch den Eindruck, dass Bundesratswahlen als Bühne für mediale Aufmerksamkeit missbraucht werden. Es ist aber in erster Linie wichtig, dass die am besten geeigneten Personen in die Landesregierung gewählt werden und eine möglichst grosse Kontinuität und Stabilität erreicht werden kann. Ich bin deshalb der Ansicht, dass Bundesrätinnen und Bundesräte nicht ohne absolut zwingende Gründe, zum Beispiel eine schwere Krankheit, frühzeitig zurücktreten sollten und sich für eine vierjährige Amtsdauer verpflichten müssten. Taktische oder parteipolitische Überlegungen sollten nicht mehr zu Rücktritten während einer laufenden Legislatur führen können.

Die gewählten Bundesrätinnen und Bundesräte legen jeweils einen Eid auf unsere Verfassung ab. Sie beginnt mit den Worten «Im Namen Gottes des Allmächtigen». Ein ganz zentraler Satz, der leider oft in Vergessenheit gerät. Dieser Eid sollte wieder vermehrt im Zentrum stehen. Das täte allen gut.

Brigitte Häberli ist Nationalrätin und stellvertretende Fraktionspräsidentin der CVP in Bern. Sie wohnt in Bichelsee TG.

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