Grüezi
Wie viel «C» darfs sein?
Professor Klaus Schwab ist ein tiefgründiger und verdienter Mann. Auch mit 71 möchte der Gründer und Präsident des Davoser Weltwirtschaftsforums (WEF) die Welt zum Positiven hin verändern. Für das 40. WEF wählte er deshalb das Motto «Umdenken nach der Krise». Vor den Medien bekräftigte er es: «Wir müssen unsere Werte überdenken.» Hoffnungsvoll, dass die Wertediskussion auch in Davos angekommen ist. Seinen Beitrag dazu leistete auch der Schweizerische Evangelische Kirchenbund (SEK) mit seinem «Open Forum» und einem Arbeitspapier zur Finanz- und Wirtschaftskrise. Die Kirche soll in diesen Krisenzeiten Stellung beziehen. Doch sie sollte die andere Krise nicht übersehen: die Glaubens- und Sinnkrise. Problemlösung für die globale Wirtschaft ist das eine, Erlösung für den einzelnen Menschen das andere. Eine Kirche, die nur das politische Podium sucht, vernachlässigt die Bedürfnisse ihrer Klienten. Eine Kirche, die so viel von «menschengerechten sozialethischen Grundsätzen» und so wenig von biblischen Angeboten und Geboten spricht, verliert letztlich ihr christliches Profil.
Wie die Kirche soll eine politische Partei mitten im Leben stehen. Auch sie braucht dazu einen klaren Kompass. Das gilt besonders für eine Partei mit dem «C» im Namen. Wie viel «C» verträgt die CVP? Parteipräsident Christophe Darbellay gibt sich in unserm Interview selbstkritisch: «Wir haben sicher Fehler gemacht, indem wir zu wenig zum «C» gestanden sind.» (siehe Titelstory) Die CVP wolle sich verstärkt als christliche Wertepartei positionieren. Noch in diesem Jahr werde die Frage nach der christlichen Politik im Alltag intensiv diskutiert. Das «C» als Fundament und als Leitlinie: In einer Zeit der grossen Verunsicherung und des kleinen Vertrauens die einzige untrügliche Chance. Von einer CVP erwartet niemand, dass sie zum Missionswerk wird. Von einer «christlichen» Partei aber darf ein doppeltes Bekenntnis erwartet werden: das Bekenntnis zu biblisch-christlichen Werten und das Bekenntnis zum Stifter dieser Werte. Ohne klares Gottesbekenntnis bleibt jedes «C» nur eine blutleere politische Formel.
Auf der Homepage des Riehener CVP-Sektionspräsidenten Daniel Albietz findet sich eine bemerkenswerte Aussage: «Gott spielt in meinem Leben keine Rolle. Er ist der Regisseur.» Ein Anspruch dieser Art kann für eine christliche Partei nicht gelten. Als politische Bewegung kann und soll sie sich aber für christliche Werte entscheiden. Der einzelne Politiker hingegen darf sich der Frage nicht entziehen: Wem vertraue ich die Regie über mein Leben an? Wer Gott ins Zentrum stellt, wird seinen Glauben nicht an der Tür zum Bundeshaus deponieren. Wenn ein Christophe Darbellay Gott als persönlichen Regisseur wählt, wird das markante Auswirkungen haben. Auch auf seine Partei. Gott verspricht all seinen Akteuren Kraft, Freude und vor allem Weisheit. Weniger sollte man von einem christlichen Profil nicht erwarten.
Biblisch
Ein Lieblingsbibelvers
«Denn die Augen des Herrn durchstreifen die ganze Erde, um sich mächtig zu erzeigen an denen, die von ganzem Herzen ihm ergeben sind.» (2.Chronik 16,9)
«Ich erinnere mich an die Zeiten, als es uns geschäftlich schlecht ging. Als Inhaber denkt man dann häufig darüber nach, wie man all die Fixkosten bestreiten kann, wenn die Umsätze nicht den Zielvorstellungen entsprechen. Es tauchen Zweifel auf, ob gewisse Entscheidungen richtig waren. Verzweifelt schaut man auf den herannahenden Zinstermin, der das finanzielle Ende sein könnte. In solch einer angespannten Situation stand ich vor dem Faxgerät, als es sich plötzlich zu rühren begann. Der Absender war mir unbekannt, und es war nicht viel zu lesen auf dem Papier ausser dem obigen Vers, der mich seither täglich begleitet.»
Hanspeter Horsch ist kantonal approbierter Heilpraktiker und Inhaber der Drogerie Horsch in Heiden.
Wörtlich
«Für mich liegt der Schlüssel zu einem erfolgreichen Familienleben darin, zu begreifen, dass es eben nicht um einen selbst geht. Es geht nicht um die persönliche Befriedigung, es geht um die Befriedigung, sich einer Sache verpflichtet zu haben, die grösser ist als man selbst. Aus der Perspektive eines Egoisten ist die Ehe, das Kinderkriegen natürlich ein Desaster.»
Alain de Botton, in London lebender Schweizer Philosoph und Autor, im
«Magazin» des «Tages-Anzeigers».
Äxgüsi
Ehe ist Arbeit
Im kommenden Sommer feiern meine Frau und ich zehn Jahre Ehe. Wir fahren deshalb ins Land unserer Flitterwochen: Griechenland. Die Ehe ist für mich ein grosses Privileg. Ich bin froh, dass Gott zur Überzeugung kam: «Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei, ich will ihm eine Hilfe schaffen als sein Gegenüber.» Regelmässig bin ich dankbar für die grosse Hilfe in «meinem Gegenüber». Und immer wieder kann ich den Schmerz ein Stück weit nachempfinden, den Menschen erleiden, wenn ein solches Gegenüber fehlt, sich davon machte oder (zu früh) starb.
Wer denkt, jetzt idealisiere ich aber schon ein bisschen, den kann ich beruhigen. Auch in unserer Ehe gibt es Kritik, Konflikte und Knatsch. Auch in unserer Wohnung wird es manchmal laut und manchmal zu leise. Etwas ist uns aber seit unserem Ehevorbereitungskurs nicht nur in guter Erinnerung geblieben, sondern auch zur guten Gewohnheit geworden: Wir arbeiten an unserer Ehe. Ich gebe zu, unsere Ehe ist immer eine Baustelle. Aber das ist gut so. Denn wir sind überzeugt: Eine Ehe, an der nicht gearbeitet wird, stirbt über kurz oder lang. Deshalb gibt es bei uns einen institutionalisierten Eheabend, ein angefangenes Ehebuch auf dem Nachttisch, und es ist uns nicht peinlich, zu bekennen, dass wir Eheseelsorge in Anspruch nehmen. Es gibt viele weitere gute Möglichkeiten, von romantischen DVDs bis hin zum Solbadbesuch mit anschliessendem Candlelight-Dinner.
Fahrlässig ist eigentlich nur, nichts für die Ehe zu tun. Damit gefährdet man nicht nur die Paarbeziehung, sondern auch die Gottesbeziehung und sein geistliches Leben. Jedenfalls haben wir das in einem Ehebuch gelesen, und der Satz leuchtet uns ein: «Ehe ist die beste ?Heiligung? des persönlichen Lebens.»
Marc Jost ist Pfarrer im Evangelischen Gemeinschaftswerk (EGW) in Thun und Berner Grossrat.
Synergie
Was wir von Udo Jürgens lernen
«Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an»: Wer erinnert sich nicht an diesen Evergreen von Udo Jürgens? Als junger Mann hatte ich einst ein müdes Lächeln dafür übrig. Jetzt habe ich selbst das Pensionsalter erreicht. Da schiessen einem viele Gedanken durch den Kopf. Wenn wir Udo heute mit 76 Jahren noch gelenkig, freudig und voll Hingabe auf der Bühne erleben, dann sehen wir einen Mann, der nicht zu altern scheint. Was ist wohl sein Geheimnis? Ich glaube, dass er sehr diszipliniert viel für seine Fitness tut und vor allem seine Berufung mit Haut und Haar auslebt. Man stelle sich vor, dieser Sänger und Entertainer hätte eines Nachts noch eine persönliche Begegnung mit Jesus Christus. Er würde mit seiner Power und seiner Ausstrahlung wohl mit einem neuen «Praise for God» Abertausende von Menschen für Jesus begeistern! Wir lesen dazu in der Bibel, dass bei Gott kein Ding unmöglich ist.
Udo Jürgens zeigt auf, was auch für christliche Führungskräfte nach 65 noch möglich ist, vorausgesetzt, wir leben unsere Berufung weiter! Auch wir brauchen Fitnesstraining, brauchen unsere Zeiten beim Vater, brauchen die Gemeinschaft. Unser Geist soll ja immer wieder genährt werden, so dass wir wach und mit neuer Freude weiterlaufen und Erfüllung finden in den Aufgaben, die Gott uns gibt. Früher setzte man sich mit 65 im Altersheim auf die Bank und war wenige Jahre später nicht mehr da. Plötzlich waren Menschen aus dem Rhythmus und damit aus dem Leben, zählten irgendwie die Tage, bis es soweit war. Udo tickt anders. Wir können von ihm lernen, dass nicht das Alter entscheidend ist, sondern unsere innere Sicht, unsere Ausrichtung, unsere Berufung.
Kürzlich begegnete mir ein Unternehmer, der mit 60 als Gemeinderat in die Politik einstieg und heute mit 70 ein wahrer Jungbrunnen ist. Wie bei Udo hat man auch bei ihm den Eindruck, der Mann werde nie alt. Er geht auf in seiner Bestimmung und ist so positiv ansteckend, dass man gerne auch etwas von ihm für sich selbst hätte. Ein Freund ist mittlerweile 78 und predigt noch, was das Zeug hält. In diesem Alter noch Tausende von Menschen mit dem Wort Gottes zu ermutigen, ihnen Hoffnung zu geben in Zeiten der Krise ? das begeistert mich! Er läuft mit Hingabe in seiner Berufung und erhält täglich Kraft von oben. Solche Männer ermutigen mich, in der Bestimmung weiterzulaufen, die mir gegeben ist.
Vor zwei Wochen hat Pfarrer Hansjürg Stückelberger mit seinen 80 Jahren im «Spektrum» ein bemerkenswertes Interview gegeben. Er bringt immer noch christliche Werte in unsere Gesellschaft. Das ist auch unsere Aufgabe! Gefragt ist unser Einstehen für die Schöpfungsordnung Gottes, für Ehe und Familie und damit gegen den Geburtenrückgang. Oder möchten wir, dass die Kinder unserer Enkel dereinst zusehen müssen, wie auf demokratischem Weg die Scharia unsere bestehende Bundesverfassung verdrängt? Wenn der Glaube stirbt, stirbt auch das Volk. Dem wollen wir ohne Angst vor persönlichen Verlusten entgegenwirken!
2. Chronik 20,20 macht uns Mut: «Wir vertrauen auf Gott und werden bestehen!»
Hanspeter Suess ist Gründer und Inhaber des Versandhauses Angela Bruderer AG Winterthur.
Podium
Gott führt
Es ist mir sehr wichtig, dass sich bekennende Christen in unserer Gesellschaft, in der Politik und in der Wirtschaft auf allen Ebenen einmischen, speziell aber dort, wo es um die Übernahme von Verantwortung, um das Fällen von Entscheidungen geht. Nicht in der Meinung, wir Christen seien bessere Menschen, aber in der Überzeugung, dass wir bessere Voraussetzungen haben, um weniger Fehler zu machen. Dies ganz einfach darum, weil Gott mit uns ist, weil er uns führt und wir durch den Glauben Weisheit von ihm erlangen können. Persönlich jedenfalls rechne ich absolut und ohne Einschränkung damit, dass er mich in allen Dingen führt. Wie erfahre ich denn seinen Willen?
Gottes Führung kommt aus der Beziehung zu ihm. Er verspricht, diejenigen zu führen, die sich in ihrem Leben auf ihn verlassen. Wenn wir wissen wollen, was Gott mit uns vorhat, was er zur bevorstehenden Situation meint, müssen wir ihn danach fragen. Darum bespreche ich alles mit Gott. Er führt uns, wenn wir bereit sind, seinen Willen zu tun. Gott verpufft seine Pläne, seine Ideen nicht an Menschen, die nicht wollen. Gott will zuerst erkennen, dass wir gehorsam sind. Dann beginnt er uns seine Pläne, seine Überlegungen zu enthüllen, zu zeigen, schmackhaft zu machen. Sein Handeln orientiert sich an unserem Glauben.
Es hängt also nicht von Gott ab, ob ich ihn verstehe, ob ich seine Absichten erkenne, ob ich seine Kraft in meinen Herausforderungen erlebe. Nein, es hängt von meinem Signal an ihn ab, dass er erkennen kann, ob ich es ernst meine, ob ich will, dass er mich instruiert. Gott erfahren hat wenig mit Gefühl zu tun, aber viel mit Gehorsam und Vertrauen. Glaube ist nicht Leistung, sondern Vertrauen.
Werner Messmer ist Nationalrat der FDP und Präsident des Schweizerischen Baumeister-Verbandes. Er wohnt in Kradolf TG.
Heft 05/2010
Aus dem Inhalt der aktuellen Ausgabe
- Wie viel «C» verträgt die CVP? - Christoph Darbellay über das christliche Fundament seiner Partei
- Willow Creek - Nur geistlich vitale Gemeinden blühen auf
- Haiti - Was geschieht nun mit den Spendegeldern?
- Wirtschaftsforum: Schweigen und beten in den Davosern Kirchen
Titelstory
Politik & Gesellschaft 03.02.10
«Ich bin stolz, dass wir uns zum «C» bekennen»
Die CVP hat Fehler gemacht, indem sie zu wenig zum «C» im Parteinamen gestanden ist. Das stellt Parteipräsident Christophe Darbellay fest. Ein christliches Fundament sei zentral für seine Partei. Aber auch für seinen kleinen Sohn Alex. mehr...
Aktuelles
Politik & Gesellschaft 03.02.10
Auch Schweigen und Beten gehören zum WEF
Erneut stand das Davoser Weltwirtschaftsforum im Zentrum des internationalen Interesses. Was aber... mehr...
Familie & Bildung 03.02.10
Das Abenteuer einer Ehe feiern
«Ich bin begeistert von der «Marriage Week». Sie ist eine Chance für Christen und Kirchgemeinden,... mehr...
Kongresse & Veranstaltungen 03.02.10
Der Geist Gottes ruft zum Aufbruch
Gemeinsam wollten sie auf den Heiligen Geist hören. 60 Verantwortliche aus 36 evangelischen und... mehr...
Mission & Evangelisation 03.02.10
Nach der Katastrophe: Was passiert mit dem Geld?
Tausende Berichte über die Erdbebenkatastrophe in Haiti wurden gedruckt. Millionen von Franken,... mehr...
Medien & Wirtschaft 27.01.10
Umsatz und Mitarbeiterzahl wachsen
Der Solarunternehmer Josef Jenni hat mit seiner Jenni Energietechnik AG in Oberburg bei Burgdorf... mehr...
Kirche & Konfessionen 03.02.10
Klettern in der Kirche
Vom 4. Februar bis zum 7. März lädt die evangelische Kirche Bruggen in St. Gallen zum Klettern ein.... mehr...
Amtsträger & Persönlichkeiten 27.01.10
Monika Riwar übergab Stab an Hans-Martin Kromer
Monika Riwar, langjährige Ausbildungsleiterin beim Bildungszentrum für christliche Begleitung und... mehr...
Theologie & Glaubensleben 20.01.10
Wo die Studenten eine Heimat finden
«Studierende suchen eine Heimat, einen Ort der Gemeinschaft und der Zugehörigkeit. Im Rahmen einer... mehr...
Religionsfreiheit & Menschenrechte 02.02.10
400 Jahre von der Verfolgung zur Versöhnung
Die Vernissage im vollbesetzten Vortragssaal der Zentralbibliothek Zürich machte deutlich: Hier... mehr...
Dossiers
idea Schweiz vertieft bei interessanten Themengebieten die Informationen und bietet über die Dossiers die Möglichkeit, diese Themen gezielt nachzuverfolgen.
Schöpfung vs. Evolution
Seit Jahrzehnten erhitzt sie die Gemüter Tausender Christen, Forscher und Wissenschaftler: die Frage nach dem Ursprung der Welt und des Lebens. Im Dossier Schöpfung versus Evolution sammelt idea Schweiz Artikel und Dokumente zu dieser spannenden Diskussion. mehr...
Finanzkrise
Momentan ist sie in aller Munde: die Finanzkrise. idea Schweiz hält hier für Sie die Gedanken zur Krise in der Wirtschaft fest. mehr...
Nahostkonflikt
Der Nahostkonflikt beschäftigt seit Jahrzehnten die Weltöffentlichkeit. idea Schweiz fasst in diesem Dossier die Artikel zusammen, welche Israel und den Konflikt im Nahen Osten thematisieren. mehr...










