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Gedankenstrich
06. Dezember 2018

Zwängli manchmal notwendig

Vor vielen Jahren war ein Knabe unterwegs zur Schule. Auf dem Weg erlebte er wieder Frust. "Schau, der 'Zwängli' kommt!" Das musste er sich des Öftern anhören, wenn er Menschen auf der Strasse begegnete. Das machte ihn traurig. Er war sich sicher, kein "Zwängli" zu sein. Später wurde ihm bewusst, dass er die Leute falsch verstanden hatte. Der Bube hiess nämlich mit Vornamen Huldrych. Sie redeten nicht vom Zwängli, sondern vom Zwingli.

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Huldrych Zwingli - vor ein paar Monaten durfte ich im Film "Zwinglis Erbe" in die Rolle des einflussreichen Konrad Hofmann schlüpfen. Dieser Hofmann war einer, der den Zwingli nach Zürich holte, aber dies bald bereute. Der Mann aus Wildhaus hatte extreme Ansichten und wollte die Kirche erneuern. Das führte dazu, dass Hofmann sich gegen den "Zwängli" stellte.

Mich hat die Person von Zwingli ganz neu beeindruckt. Ja, manchmal war er wirklich so etwas wie ein "Zwängli"! Vermutlich musste er das sein, um überhaupt etwas bewegen zu können. Imponiert hat mir vor allem, dass er es wagte, auf Schweizerdeutsch, anstatt auf Latein zu predigen. Das führte dazu, dass die Menschen plötzlich verstehen konnten, um was es eigentlich ging. Zwingli wollte, dass sich Gottes Wort verbreitete. Er war der Erste, der die ganze Bibel in die deutsche Sprache übersetzte - noch vor Luther. Doch Zwingli wollte vielleicht zu viel erzwingen. Er fiel auf dem Schlachtfeld. "Wer das Schwert nimmt ..."

Aus dem eingangs erwähnten Buben wurde später ein Pfarreileiter, der es verstand, den Menschen in verständlicher Sprache das Evangelium lieb zu machen.

Thomas Prelicz ist Pastor der Baptistengemeinde Bülach.

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