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Karin Keller-Sutter
27. Juli 2018

„Wir Menschen sind nicht allmächtig“

Ständeratspräsidentin Karin Keller-Sutter mit Hund
Ständeratspräsidentin Karin Keller-Sutter mit Hund "Picasso". Foto: privat
1. August Gott gehört in unsere Verfassung, weil wir damit anerkennen, dass wir nicht allmächtig sind. Das meint Ständeratspräsidentin Karin Keller-Sutter wenige Tage vor dem Bundesfeiertag. Wir sollten uns aber vermehrt bewusst werden, welches unsere Wurzeln sind. Dies und vieles andere sagte die St. Galler Politikerin in einem Interview mit dem Wochenmagazin ideaSpektrum.

Ist eine Nationalhymne, die Gott preist und zum Gebet aufruft, noch zeitgemäss?

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Ja, warum nicht? Das ist für mich Ausdruck von Demut und Dankbarkeit.

Müsste der Schweizerpsalm wie im Tessin zum Lehrplan unserer Schulen gehören?

Nein, aus meiner Sicht ist das kein Pflichtstoff. Ich habe die Nationalhymne auch nicht in der Schule gelernt. Es ist auch Aufgabe der Eltern, ihren Kindern die Hymne zu erklären.

Warum sind Sie stolz auf die Schweiz?

Weil unsere Vorfahren aus unserem Land etwas gemacht haben. Ich war kürzlich in New Glarus, Wisconsin, und habe dort die Nachfahren von Schweizern getroffen, die wegen Armut die Schweiz verlassen haben. Das ist uns heute kaum mehr bewusst. Was wir sind und haben, wurde von unseren Eltern und Grosseltern erarbeitet.

Was heisst Heimat für Sie?

Das ist der Ort, wo ich mich geborgen fühle. Wenn ich von meinen Reisen zurückkehre und der Zug im Bahnhof Wil einfährt, dann atme ich durch. Dann denke ich, jetzt bist du zu Hause. Es ist diese Vertrautheit, die einem Sicherheit gibt. Auch der Säntis, den ich von zu Hause aus sehe, gibt mir dieses Gefühl von Heimat.

Woran zeigt sich, ob jemand die Schweiz, unsere Heimat, wirklich liebt?

Das ist schwierig zu sagen. Ich kann nur für mich sprechen. Ich setze mich nach bestem Wissen und Gewissen stets für die Interessen unseres Landes ein. Das Interesse der Schweiz steht in meiner politischen Arbeit über allem.

Schweizerpsalm und Präambel in der Verfassung stehen sich sehr nahe. Was bedeutet Ihnen der Gottes-Anruf in unserer Verfassung?

Er verdeutlicht unsere Endlichkeit und ruft uns in Erinnerung, dass wir nicht die Macht haben, alles zu kontrollieren. Wir anerkennen damit die Grenzen unseres Handelns.

Warum sollte Gott in unserer Verfassung weiterhin seinen Platz haben?

Weil wir damit anerkennen, dass wir nicht allmächtig sind und dass alles, was wir sind und haben, uns nur auf Zeit geschenkt ist. Unsere Macht ist beschränkt und zeitlich begrenzt.

Der verstorbene Obdachlosenpfarrer Ernst Sieber sagte einmal, nicht umsonst schmücke ein Kreuz und keine Blutwurst unser Wappen. Warum passt dieses Wappen gut zur Schweiz?

Weil wir wie andere europäische Staaten christlich geprägt sind.

Auf Ihrer Homepage rühmen Sie das Erfolgsmodell Schweiz. Inwiefern haben wir dieses Modell auch unseren christlichen Wurzeln zu verdanken?

Es gibt auch Länder, in denen andere Religionen dominieren, die erfolgreich sind. Das Erfolgsmodell Schweiz ist eine Mischung von Leistung, Engagement, Intelligenz und auch Glück.

(Interview: Andrea Vonlanthen, ideaSpektrum 30-31/19)

Dies ist eine gekürzte Fassung. Im ausführlichen Gespräch geht es unter anderem auch noch um diese Fragen:

Was bedeutet Ihnen der Glaube an Gott im Alltag?

Wo sehen Sie heute die Chancen unserer Kirchen in einer stark säkularisierten Schweiz?

Warum sind Sie selber noch Kirchenmitglied?

Inwiefern soll sich die Kirche politisch einmischen?

Wie oft besuchen Sie gemeinsam den Gottesdienst?

Welches sind für Sie die grössten politischen Herausforderungen unseres Landes?

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