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Leadership
22. Oktober 2018

Umbrüche

Die Digitalisierung hat die Arbeitswelt stark verändert. Muss das noch beschleunigt werden, damit die Schweiz in ihrer Wettbewerbskraft nicht zurückfällt?

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Der Bundesrat hat am 21. September 2018 ein neues Nationales Forschungsprogramm zum Thema "Digitale Transformation" ins Leben gerufen. Fundiertes Wissen über die Chancen und Risiken der Digitalisierung für Gesellschaft und Wirtschaft soll erarbeitet werden. Im Zentrum stehen die Forschungsschwerpunkte "Bildung, Lernen und digitaler Wandel", "Ethik, Vertrauenswürdigkeit und Governance" sowie "Digitale Wirtschaft und Arbeitsmarkt". Offensichtlich ist das Ganze komplex!

Gemäss einer aktuellen Studie der Beratungsfirma McKinsey wird durch die Digitalisierung die Nachfrage nach Jobs mit einfachen kognitiven oder körperlichen Anforderungen um etwa 20 Prozent sinken. Soziale, emotionale und technologische Kompetenzen dagegen werden künftig um 20 bis 50 Prozent gefragter sein. Je nach Branche werden viele Arbeitsstellen wegfallen, insgesamt bis 2030 eine Million Jobs. Das ist sehr viel!

Als Psychologe zweifle ich daran, dass man alle Mitarbeiter durch Umschulung und Weiterbildung in die Lage versetzen kann, einen neuen Job mit erhöhten Anforderungen erfolgreich auszuführen. Die notwendigen psychischen Voraussetzungen für die neu geforderten Kompetenzen lassen sich nämlich nicht einfach aus dem Hut zaubern. Man kann jeden Menschen fördern und weiterbringen. Das Potenzial dieser Förderung ist aber bei den einen früher ausgeschöpft als bei anderen.

Muss jede Tätigkeit, die sich aus technischer Sicht automatisieren lässt, in Zukunft von einer Maschine statt von einem Menschen erledigt werden? Ich gehe davon aus, dass unter Berücksichtigung aller anfallenden Kosten (Hardware, Software, Ausbildung der Mitarbeiter und nicht zu vergessen die IT-Sicherheit) Digitalisierung sich nicht in allen Fällen lohnt. Es wird in den kommenden Jahren darum gehen, zwischen Digitalisierungs-Euphorie und Digitalisierungs-Phobie auf einer strategischen und auf einer operativen Ebene nach sinnvollen Lösungen zu suchen. Neben rein betriebswirtschaftlichen Kriterien sollten nicht nur christliche Unternehmer die Frage berücksichtigen, wo in Zukunft Menschen mit stärker begrenzten Fähigkeiten einen guten Job finden werden. 

Dieter Bösser ist Leiter des Bereiches Beruf bei der VBG (www.vbg.net).

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