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Gedankenstrich
29. November 2018

Sinnvolle Wartezeiten

In drei Tagen ist es so weit. Das erste Türlein wird geöffnet. Er hat überlebt, dieser alte Brauch. In vielen Kinderzimmern, die längst von Bildschirmen und Elektronikspielsachen erobert sind, hängt er jetzt wieder. Der Adventskalender mit 24 Türlein! Er soll die Wartezeit bis Weihnachten verkürzen. Die Sujets darauf haben sich zwar etwas verändert. Statt Ochs und Esel nun Elch und Rentier, statt Hirten und ­Schafe Science-Fiction-Motive und Dinosaurier.

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Warten - ein unangenehmer Zustand. Nicht nur für Kinder. Oder warten Sie gerne? In unserer hektischen Zeit hat das Warten ohnehin seine Daseinsberechtigung verloren. Abgelöst von: alles - sofort - zu jeder Zeit - an jedem Ort. Alles auf Knopfdruck abrufbar, verfügbar, machbar, planbar, kalkulierbar. Das Warten können und wollen wir uns nicht mehr leisten. Zeiteinsparung, Beschleunigung, immer mehr in immer kürzerer Zeit - darauf zielt alles hin. Wehe, wer nicht mithalten kann! Wehe aber auch, wenn die Seele hinterherhinkt und krank wird!

"Glaube, der warten kann", hiess das Predigtthema neulich im Gottesdienst. Es ging um die Geschichte von Abraham. Sein Leben war ein Leben im Warte-Zustand! Gott mutet auch uns Wartezeiten zu. Er verspricht keine Null-Komma-plötzlich-Lösungen. Warten heisst vertrauen.

Danke, Gott, dass du uns in unseren Wartezeiten immer wieder ein Glaubens-Türchen öffnest, damit wir die Hoffnung nicht verlieren. Ich wünsche Ihnen eine hoffnungsvolle Adventszeit! Und dann (nicht vorher!): "Als die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn" (Galater 4,4). Das Warten lohnt sich!

Marianne Vonlanthen war Lehrerin und Katechetin und schreibt Kolumnen.

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