Dienstag • 24. November
Bildungssymposium der ICBS
16. November 2020

Schule zwischen Beziehung und Digitalisierung

Roger Spindler im Gespräch mit David Schneider (Präsident ICB). Bild: zvg
Roger Spindler im Gespräch mit David Schneider (Präsident ICB). Bild: zvg
Am Bildungssymposium machten sich Lehpersonen christlicher Schulen Gedanken, was aus den Coronaumständen für positive Lehren für die Zukunft der Schulen gezogen werden können.

(ICBS/idea/mz) - Am 13. und 14. November ging das traditionelle Bildungssymposium der Initiative für Christliche Bildung und des Verbands instruire.ch über die Bühne. Anstatt dass sich 250 Lehrpersonen und Schulverantwortliche aus der ganzen Schweiz in Bern zusammengefunden haben, wurde die Veranstaltung am Freitag in einem deutschen und französischen Livestream in rund 20 Schulhäuser des Landes gesendet. Gestärkt aus den Erfahrungen der ersten Coronawelle mit geschlossenen Schulhäusern haben sich die Verantwortlichen auch an diese Herausforderung gewagt.

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Vier Referenten haben ihre Gedanken über das Thema "Mission Zukunft – Die Chancen für die christliche Bildung" mit dem Publikum geteilt. Über eine App konnten alle Teilnehmenden während und nach den Inputs ihre Fragen an die Referenten stellen.

Vier Aspekte beim Weg in die Zukunft

Roger Spindler (Leiter Höhere Berufsbildung und Weiterbildung an der Schule für Gestaltung Bern und Biel) sprach über notwendige Weichenstellungen in der Schule nach Corona und wie Lernen in Zukunft aussehen könnte. Nachdem Schulen und Familien im Frühjahr durch den Lockdown ins kalte Wasser des "distance learning" geworfen wurden, stelle sich nun die Frage, ob man wieder auf die alten Pfade zurückkehren oder mutig in die Zukunft gehe. Vier Aspekte seien beim Weg in die Zukunft wichtig:
- Beziehungsarbeit sei auch in veränderten Lernsettings wichtig und sie mache die Arbeit der Lehrpersonen unverzichtbar.
- Schulen müssten Lernräume gestalten und eine hybride Schule, welche die Stärken von digitalen und analogen Räumen kenne, neu denken.
- Wissen könne nicht nur auf digitalen Wegen vermittelt werden. Das nur digital erworbene Wissen entziehe sich dem Begreifen.
- Rituale bringen eine Gemeinschaft ohne Kommunikation hervor, während heute eine Kommunikation ohne Gemeinschaft vorherrscht.

Bildung, die Weisheit kultiviert

Oliver Dürr (Theologe und Historiker und aktuell Doktorassistent an der Theologischen Fakultät in Fribourg) betonte, dass christliche Bildung eine konkrete Anwendung von Theologie sei. In den Schulen und Gemeinden sei man herausgefordert, für Kinder und Jugendliche Vorbilder zu sein und ein geistliches Klima zu schaffen, in dem Glauben erlebt werden könne. Um fehlgeleitetes Begehren (= Sünde) zu verhindern, brauche es Bildung, die Weisheit kultiviere. Das bedeute Kultivierung der Vorstellungskraft und der Plausibilitäten, Pädagogik des Herzens und der Tugend und Kultivierung der kritischen Reflexion und Urteilsfähigkeit.

Projektbezogen lernen

Im Anschluss daran präsentierte Damian Gsponer (Pädagoge, Lerntherapeut und Schulleiter) auf ganz praktische Weise, wie die Schule der Zukunft auch aussehen könnte. Nachdem die Schule im 100-Seelen Bergdorf Bratsch im Kanton Wallis vor etwa fünf Jahren geschlossen wurde, habe er genau dort die gd-Schule gegründet. In aller Kürze gesagt laute das Programm der Schule: "Wir bauen unser Dorf." Die Schüler arbeiteten laut Gsponer hauptsächlich an Projekten, die entweder ihren eigenen Ideen und Bedürfnissen entsprungen seien und/oder der Dorfentwicklung dienten. Schulstoff im althergebrachten Sinn holten sich die Schüler projektbezogen. Dennoch betont Damian Gsponer, dass sie nach Lehrplan 21 arbeiteten und keine Abstriche bei der Erfüllung der Kompetenzziele machen müssten.

Generation Z

Abschliessend stellte Luc Zbinden (Dekan an einem Lausanner Gymnasium, unterrichtet französische und englische Literatur) die Generation Z näher vor. Es seien dies die Kinder, die seit 1998 geboren sind. Er charakterisiert sie als globalisiert, beeinflusst, auf der Suche nach Einzigartigkeit, Erfahrungen sowie sozialer Gerechtigkeit. Als Schule könne man die Generation Z am besten ins Boot holen, indem man ihnen Verantwortung und Autonomie übertrage, neue Technologien verwende, in kürzeren Sequenzen unterrichte, sie mehr im Team arbeiten lasse und ihnen regelmässig Feedback gäbe.

Am Samstagvormittag trafen sich die Lehrpersonen und Schulleitenden in Workshops, die über Microsoft Teams abgehalten wurden. In zwei Runden à je rund zhn Workshops fanden alle ein Thema, bei welchem sie etwas einbringen und von anderen profitieren konnten.