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Als Familienfrau am richtigen Platz
11. Mai 2019

Mutter aus Leidenschaft

Marianne Battaglia. Foto: Mirjam Fisch-Köhler
Marianne Battaglia. Foto: Mirjam Fisch-Köhler
Marianne und Jean-Paul Battaglia aus Wagerswil sind Eltern von acht inzwischen erwachsenen Kindern. Heute arbeitet Marianne als Lebensberaterin und findet, sie habe durch die Familienzeit nichts verpasst.

(idea) - "Ich war ein Einzelkind und wusste schon früh, dass ich meinen Kindern Geschwister schenken will", sagt Marianne Battaglia (63). Sie hat christliche Eltern. Doch als Jugendliche wandte sie sich vom Glauben an Gott ab. Mit 18 - während ihrer Ausbildung zur Krankenschwester - zog sie zu ihrem Freund, einem Bäcker-Konditor. 1977 wurde Marianne schwanger; die beiden heirateten. Allerdings erlitt sie eine Fehlgeburt. Inzwischen arbeitete sie als Intensivpflege-Fachfrau. Mit Blick auf die Familiengründung kauften sie im Thurgau ein Abbruchhaus mit Umschwung. Jean-Paul renovierte es zusammen mit seinem Schwager, einem Maurer. Ein Jahr lang lebte das Paar im Wohnwagen, bevor es 1983 einziehen konnte und sie Eltern wurden.

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Hinwendung zu Gott

In ihrem ersten Jahr als Mutter fand Marianne zu ihrer Gottesbeziehung von früher zurück. Sie stand mitten in einem Wald, als ihr die Grösse Gottes deutlich wurde, und sie begann mit Gott zu reden, ihn anzubeten. Ihre Hinwendung zu Gott als Kind war nicht umsonst gewesen. Sie war sich in diesem Moment wieder neu sicher: "Ich bin Gottes Kind." Auch Jean-Paul, ihr Mann, wurde von Gott berührt. In einem Traum begegnete ihm Jesus Christus, dem er sich im Glauben zuwandte.

Innere Heilung

Das dritte Kind löste bei Marianne den Wunsch aus, ihren Nachwuchs selber zu betreuen. Zuvor hatte sie noch in Teilzeit gearbeitet. Mit ihrem Mann konnte sie die Arbeitszeit so abstimmen, dass die Kinder nur für knapp zwei Stunden von einer Nachbarin gehütet werden mussten. In Marianne lief ein innerer Prozess ab. Nach der Geburt des vierten Sohnes wurde ihr bewusst, dass sie Mühe hatte mit ihrer Weiblichkeit und der Beziehung zur Mutter. In der Seelsorge setzte sie sich damit auseinander, konnte sie Hindernisse abgelegen. Dankbar wurde ihr bewusst, dass Muttersein eine Berufung ist, der sie sich von Herzen widmen darf. Die Aufforderung von Jesus "Machet zu Jüngern!" beinhaltet diese Aufgabe und Marianne lebte sie mit Freude und dem Gefühl, am richtigen Platz zu sein.

Gottes Versorgung

Das Paar überlegte sich die weitere Familienplanung. Dabei hatte Jean-Paul den Eindruck, das Gebot "Seid fruchtbar und mehret euch" gelte durchaus noch immer. Die Battaglias wurden also noch Eltern von vier Töchtern. Dabei vertrauten sie darauf, von Gott versorgt zu werden. Das grosse Haus mit Selbstversorger-Garten bot genug Platz für alle, dazu hielten sie sich Hühner. "Gott liess uns nicht im Stich", betont Marianne. Kleider und Schuhe bekamen sie oft so reichlich geschenkt, dass die Kinder sogar auswählen konnten. "Gute Bücher und Kassetten mit biblischen Geschichten waren uns wichtig, das kauften wir." Eine finanzkräftige Familie liess ihnen ab dem sechsten Kind über lange Zeit jeden Monat einen Betrag zukommen, sodass alle Kinder ein Instrument lernen konnten. Ferien verbrachten sie vor allem zu Hause, die Kinder in Lagern, und einmal durften sie an einer Reka-Ferienwoche für kinderreiche Familien teilnehmen.

"Ich bin dankbar, ich habe nichts verpasst!"

Auch in der Kirche, die sie besuchten, waren alle gut eingebunden. Battaglias fühlen sich durch ihre Familie reich beschenkt, auch wenn nicht alles glatt lief. Gesundheit und Schule brachten manche Herausforderung für den heute 20- bis 36-jährigen Nachwuchs. Trotzdem haben bis auf die Jüngsten alle eine Berufsausbildung oder ein Studium abgeschlossen. Die Eltern finden: "Es gibt kein Rezept"; die Frage nach der Kinderzahl müsse jedes Paar selber mit Gott zusammen beantworten. Marianne hat sich inzwischen zur individualpsychologischen Beraterin ausbilden lassen. "Mutter bleibe ich aber ein Leben lang", lacht sie. "Jetzt, wo die Kinder erwachsen sind, hat Gott mir noch eine neue Berufung geschenkt. Ich bin dankbar, ich habe nichts verpasst." (Autorin: Mirjam Fisch-Köhler)

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