Donnerstag • 27. Februar
Versöhnung: Interdisziplinärer Kongress in Bern
11. Februar 2020

Mit Versöhnung gegen Gewalt

Kongress in Bern: Nachdenken und reden über Prozesse der Versöhnung. Foto: Vera Rüttimann
Kongress in Bern: Nachdenken und reden über Prozesse der Versöhnung. Foto: Vera Rüttimann
Ein interdisziplinärer Kongress thematisierte Chancen und Grenzen von Versöhnungsprozessen - auch in der Kirche.

Bern (idea) - In der Aula der Uni Bern versammelten sich an drei Tagen Menschen mit ihren verschiedenen Erfahrungen und Wissenshintergründen aus Theologie, Politik, Psychologie und Religionswissenschaften und beschäftigten sich mit dem Thema Versöhnung. Tom Sommer, Mitorganisator der Konferenz, sagte: "Das Thema Versöhnung spielt bei allen eine Rolle, egal welcher Religionsgemeinschaft sie angehören."

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Theologie der Versöhnung

Am Freitag referierte Christine Schliesser. Die deutsche Theologin beschäftigt sich seit Jahren mit der Frage, wie die Rolle der Kirche in Versöhnungsprozessen aussieht. Gerade in Ländern, wo Menschenrechtsverletzungen passiert sind. In ihrem Vortrag, dem über 500 Besucherinnen und Besucher lauschten, plädierte die Dozentin für das Modell der "öffentlichen Theologie". Diese sei interdisziplinär und nehme kritisch-konstruktiv aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen in ihre theologische Reflexion mit auf. Die Uni-Professorin plädierte weiter für eine Theologie der Versöhnung, "die den Versuch widerspiegelt, massiver Gewalterfahrung theologisch zu begegnen". Ein Akt, den die jüdische, deutsch-amerikanische Theoretikerin Hanna Ahrend einmal als Wunder bezeichnet habe.

Walter Dürr, Direktor des Studienzentrums für Glaube und Gesellschaft der Universität Freiburg, leitete den Workshop zum Thema "Versöhnung zwischen den Kirchen - was ist nötig?" Es gehe jetzt bei allem noch Trennenden darum, als Kirche zukunftsfähig zu werden. Dürr plädierte für mehr Demut und Neugierde untereinander: "Die Geistesgabe des anderen soll zum Geschenk und zur Ergänzung für meinen Mangel werden." Vor allem aber müsse die Selbstsäkularisierung, die sich die Kirche zufüge, überwunden werden. Kirchen und Gemeinschaften sollten sich auf ihren Ursprung und Auftrag besinnen.

Freikirchen in Vergebung einbeziehen

Pfarrer Dürr formulierte einen weiteren Schritt innerkirchlicher Versöhnung: "Es wäre schön, wenn sich die Reformierten, Katholiken und Freikirchen gegenseitig um Vergebung bitten würden", sagte er und verwies darauf, dass dieser Akt unlängst in Österreich vollzogen wurde. Er schloss seinen Workshop mit der Aufforderung: "Es muss mehr Wege zur Versöhnung geben, damit die Kirchen der Welt wieder mehr dienen können." 
(Autorin: Vera Rüttimann, kath.ch)