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Kritischer Blick
07. Juli 2016

Mauerhofer: "Habe Angst vor immer mehr Anpassung"

Armin Mauerhofer:
Armin Mauerhofer: "Gemeindebau ist das A und O." Foto: idea/Christof Bauernfeind
Armin Mauerhofer prägte über Jahrzehnte als Pastor, Gemeindegründer und Theologe den freikirchlichen Gemeindebau in der Schweiz. Ende Mai wurde er an der STH Basel emeritiert. Im idea-Interview äussert er sich zu Themen und Trends.

Armin Mauerhofer, Sie waren 30 Jahre an der STH Dozent. 42 Jahre Pastor im Bund FEG. Was war Ihr besonderes Anliegen in dieser Zeit?
Mein grösstes Anliegen war und ist die christozentrische Verkündigung des göttlichen Wortes. Als Pastor in Langenthal entdeckte ich, wie durch diese Art der Verkündigung die Gemeinde erfreulich wachsen durfte. Es geht bei dieser Verkündigungsart darum, aufzuzeigen, dass das Wort Gottes nur mit der Hilfe von Jesus Christus erfahrbar und lebbar ist. Jesus steht im Zentrum und nicht die Moral nach dem Motto: "Du bist gefordert. Jetzt streng dich an. Das fordert Jesus von dir." Das eben gerade nicht. Auf diese Weise wird die Botschaft der Bibel zur Überforderung.

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Was ist denn der konkrete Unterschied zwischen dem "Jesus fordert" und "Jesus wirkt"?
Der Unterschied ist der: Wenn Jesus etwas von mir fordert, dann muss ich aus eigener Kraft versuchen, dieses zu erfüllen, was ja meistens nicht gelingt. Beim christozentrischen Ansatz geht es darum, zu zeigen, dass der in mir wohnende Christus mir hilft, das, was das Wort Gottes von mir fordert, auch zu erfüllen. Er gibt mir die Kraft und Befähigung dazu. Jesus hat es so formuliert: "Ohne mich könnt ihr nichts tun."

Irgendetwas ist von meiner Seite ja trotzdem gefragt, oder?
Von meiner Seite braucht es die Erkenntnis, dass Jesus mein Leben leben will. Dies führt zur Hingabe an ihn und zur Bereitschaft, ihm zu gehorchen.

Sie sind dann als erster FETA-Absolvent (heute STH) nach Bern gekommen, um dort zu doktorieren. Wie war das?
Ich doktorierte in Bern über die Entstehung der Freikirchen in der Schweiz. Mein damaliger Doktorvater, Professor Andreas Lindt, hat sich deshalb für die Thematik interessiert, weil die erste Freikirche in der deutschsprachigen Schweiz in Bern gegründet wurde. Es war wie ein Wunder, dass auch der damalige Rektor der theologischen Fakultät meinem Vorhaben gegenüber positiv eingestellt war.

In seiner Laudatio an der STH hat Professor Grosse über Sie gesagt, Sie zeigten Mut, Standhaftigkeit und trotzdem Offenheit gegenüber Andersdenkenden. Wie haben Sie die Auseinandersetzungen erlebt?
Es sind in der Theologie zwei Systeme, die aufeinanderprallen. Hier die ganz klare bibeltreue Haltung, dort die historisch-kritische Methode. Ich hatte im Studium in Bern den Eindruck, dass man sehr oft aneinander vorbeiredete. Ich habe von der Bibel her argumentiert und die Dozenten haben von der historisch-kritischen Methode herkommend die Bibel und damit das, was ich sagte, in Frage gestellt. Ich war nicht bereit, diese Methode zu akzeptieren und stand demzufolge ausserhalb des vorgegebenen Denkrahmens.

So kam es sicherlich zu Auseinandersetzungen?
Ja, ich habe von einer ganz anderen Grundlage her gedacht. Mich hat vor allem bedrückt, dass die Bibel, also das Wort Gottes, zum Schweigen gebracht wurde und Menschen sich an Stelle des Redens Gottes in Szene setzten. Jesus als Gottessohn und seine Auferstehung wurden in Frage gestellt oder sogar geleugnet. Das Erlösungswerk Jesu war damit vom Tisch. Die Möglichkeit, durch das Erlösungswerk Jesu in den Himmel zu kommen, war nicht mehr gegeben. Ich habe vielen Dozenten in persönlichen Gesprächen erklärt, warum ich nicht verstehe, dass sie die biblischen Texte derart in Frage stellen.

Ist diese Auseinandersetzung in Ihrer Beobachtung heute nicht mehr vorhanden?
Ich habe Angst, dass die Evangelikalen statt die Auseinandersetzung die Anpassung suchen. Man sucht die Anpassung etwa in den Fragen des Frauenpastorats, der Homosexualität, des vorehelichen Geschlechtsverkehrs, der Scheidung und Wiederheirat. Die Bibel vertritt in all diesen Bereichen klare Standpunkte. Die Evangelikalen passen sich aber immer mehr an. Wenn ich zum Beispiel im Bereich des Frauenpastorats nach wie vor die Auseinandersetzung suche, werde ich verachtet. Man gibt mir zu verstehen, dass ich ein "Ewig-Gestriger" sei.

Sie sagen selbst, es geht eigentlich um die Christozentrik. Wie stark betreffen diese Fragen - ihrer Meinung nach - die Mitte des Evangeliums?
Es geht hier generell um die Frage, wie verbindlich die Aussagen der Bibel sind. In den Augen vieler gibt es sogenannte Randfragen, in denen die Bibel zeitgebundene Aussagen macht. Es bricht bei dieser Art, die Bibel zu betrachten, doch die Frage auf: Welches sind nun zeitgebundene Aussagen und welche haben überzeitliche Bedeutung? Wenn es in der Bibel zeitgebundene Aussagen und Vorstellungen gibt, warum sollten dann die Aussagen, die das Erlösungswerk Jesu betreffen, nicht auch zeitgebunden sein? Wer sagt mir, wo die Grenze zwischen zeitgebundenen und überzeitlichen Aussagen ist?

Interview: Christof Bauernfeind

Lesen Sie das ausführliche Interview im ideaSpektrum Nr. 27/2016.

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