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Marsch des Lebens für Israel
21. April 2017

Lebensmärsche statt Todesmärsche

Der „Marsch des Lebens“ 2016 in Tübingen. In diesem Jahr auch an drei Schweizer Orten. Foto: zvg
Der „Marsch des Lebens“ 2016 in Tübingen. In diesem Jahr auch an drei Schweizer Orten. Foto: zvg
An drei Orten in der Schweiz gedenken Christen und Juden gemeinsam der leidvollen Geschichte und setzen ein Zeichen gegen Antisemitismus. 

Als die Nationalsozialisten am Ende des Zweiten Weltkriegs merkten, dass die alliierten Truppen immer näher rückten, evakuierten sie nach und nach ihre Konzentrationslager. Die entkräfteten Insassen – darunter zahlreiche Juden – wurden zu Fuss ins Landesinnere geschickt. Durch die unmenschlichen Bedingungen bei diesen „Todesmärschen“ sollten noch einmal so viele Gefangene wie möglich umkommen.

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Der freikirchliche Pastor Jobst Bittner aus Tübingen begann im Jahr 2007 gemeinsam mit Nachkommen deutscher Wehrmachts-, Polizei- und SS-Angehöriger, Versöhnungsmärsche im Gedenken an diese furchtbaren Ereignisse zu organisieren. Bisher haben diese „Märsche des Lebens“ bereits in 14 Nationen und über 300 Städten stattgefunden. Das israelische Parlament „Knesset“ hat die Initiative für ihr besonderes Engagement für Holocaustüberlebende ausgezeichnet.

Stadt der Zionistenkongresse

Auch in der Schweiz werden in diesem Jahr drei „Märsche des Lebens für Israel“ in St.Gallen (22.4.), Davos (23.4.) und Basel (30.4.) stattfinden. Christoph Meister von den Israelwerken (IWS) organisiert den Marsch in Basel. Nachdem im letzten Jahr zu einem ähnlichen Anlass in Riehen BS überraschenderweise 250 Personen kamen, hofft er diesmal auf mindestens 500 Teilnehmer im Zentrum von Basel. Die Stadt am Rheinknie hat mit ihrer Vergangenheit als Schauplatz der „Zionistenkongresse“ (der erste fand 1897 im Basler Stadtcasino statt) eine besondere Bedeutung für das jüdische Volk. „Für die Basler Bevölkerung hat das leider nur noch wenig Bedeutung, sie haben es vergessen oder schämen sich sogar dafür“, sagt Christoph Meister. Umso wichtiger sei es, dass Christen und Juden 120 Jahre später ein gemeinsames Zeichen setzten – für ­Israel und gegen den modernen Antisemitismus, der vielerorts am Aufkeimen ist. In Basel wird neben SVP-Nationalrat ­Sebastian Frehner und dem Kirchenratspräsidenten Lukas Kundert auch der Rabbiner der jüdischen Gemeinde sprechen. Zudem wird ein Holocaust-Überlebender zu Wort kommen. Nur vom Kanton konnte zum Bedauern Meisters kein offizieller Vertreter zur Teilnahme bewegt werden.

Der Marsch unter dem Motto „Erinnern, Bekennen, Handeln“ startet am 30. April um 14.30 Uhr auf dem Theaterplatz. Weitere Stationen bilden das Rathaus, der Münsterplatz und der Rheinsprung. Hier wurden im Mittelalter Juden aus der Stadt geworfen und 1349 sogar auf einer Insel verbrannt. (chb)

www.marschdeslebens.org

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