Freitag • 18. Januar
Zum Gedenken an Kurt Spiess
09. Januar 2019

„Jetzt kann er sehen, was er glaubte“

Kurt Spiess (1937-2018). Foto: Rolf Frey
Kurt Spiess (1937-2018). Foto: Rolf Frey
Am 4. Januar nahm eine grosse Gemeinde in der Stami St. Gallen Abschied von Kurt Spiess. Der ehemalige SEA-Präsident ist am 25. Dezember im Alter von 81 Jahren verstorben.

St.Gallen (idea) - Der 1937 geborene Kurt Spiess spürte schon als kleiner Junge den Ruf, einmal Pastor zu werden. Nach seinem ersten Beruf als Stickereifachmann und einer theologischen Ausbildung wirkte er als Pastor in den Freien Evangelischen Gemeinden in Steffisburg, St. Gallen und Winterthur. Über die FEG hinaus bekannt wurde Spiess als Präsident der Credo-91-Projekte zur 900-Jahr-Feier der Eidgenossenschaft, als Leiter des Migros-Bibelprojekts (2001) oder als Präsident der Schweizerischen Evangelischen Allianz (2001 bis 2004). Lange leitete er zudem die Konferenz für Evangelisation im Zentrum Ländli in Oberägeri.

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2007 veröffentlichte Kurt Spiess eine Autobiografie unter dem Titel "Wunder dauern manchmal länger ...". 2009, nach dem Tod seiner ersten Frau Esther im Jahr 2008, heiratete er Monika Zysset.

Seit einigen Jahren litt Kurt Spiess unter einer Krebserkrankung, über die er mehrmals auch öffentlich sprach. In einer dieser Krankheitszeiten folgte er einem plötzlichen Impuls und begann zu malen. Im Januar 2016 stellte er unter anderem acht Werke zum "Unser Vater" aus.
 

Pionier und Brückenbauer

Ich schaue mit grosser Dankbarkeit auf das Leben von Kurt Spiess zurück. Meinen ersten tiefgreifenden Kontakt mit Kurt hatte ich während meiner Zeit als Student an der HSG in St. Gallen. Er war damals Pastor der dortigen Freien Evangelischen Gemeinde. Zusammen mit dem Leiter der Stadtmission, Walter Gschwandner, trafen wir uns ­jeden Mittwochnachmittag, um auf den Knien im Gebet für die Schweiz einzustehen.

In dieser Zeit lernte ich Kurt als Beter mit einem grossen missionarischen Herzen kennen. Wir diskutierten auch offen über heisse Themen wie den Stellenwert der Geistesgaben im persönlichen Leben und Dienst. Seit dieser Zeit war Kurt für mich der Inbegriff eines progressiven Menschen, der aufrichtig nach Wegen suchte, um Gott und den Menschen wirkungsvoller dienen zu können.

Er war dankbar für seine pietistische Herkunft und hielt ihr bis zum Lebensende die Treue. Gleichzeitig wollte er sich allein an dem ausrichten, was das Wort Gottes sagte und wie er sich vom Heiligen Geist geführt wusste. Das bereitete ihm und seinem freikirchlichen Umfeld dann und wann auch manche Schwierigkeiten. Mutig stand Kurt dafür ein, wenn er etwas gut fand, auch wenn es nicht dem damaligen evangelikalen Mainstream entsprach.

Gott setzte Kurt immer wieder als Brückenbauer und Vernetzer im Leibe Christi ein. Ich habe wenige christliche Leiter kennen gelernt, bei denen ein tiefes missionarisches Anliegen mit einer solchen Demut und mit einem solchen Bewusstsein der eigenen Schwächen und Ergänzungsbedürftigkeit gekoppelt war. Ich danke Kurt für seine Freundschaft, seine Leidenschaft und sein Vorbild. Gott hat ihn wesentlich gebraucht, um den Leib Christi in unserem Land zusammenzubringen. 
Hanspeter Nüesch, Campus für Christus

Visionärer Vernetzer

Kurts Berufung war prägend für St. Gallen und das Miteinander der Christen in der Stadt. Aufgrund von Johannes 17 empfand er Gottes starkes Reden: "Dir kann nicht egal sein, wie es andern Christen in der Stadt geht. Ich will mich für sie interessieren und sie lieben." Über neun Jahre leitete er die örtliche Evangelische Allianz. Gott gebrauchte ihn, um die von Vorurteilen und Abneigungen angespannte Situation unter den verschiedenen Kirchen und Freikirchen in gegenseitiges Vertrauen zu verändern. Ohne seine jahrelange kompetente Führungs- und Versöhnungsarbeit und das Wirken Gottes wäre das heutige einmalige Miteinander der Gemeinden am Ort nicht möglich geworden. Die nachfolgenden drei Präsidenten konnten daran anknüpfen.

Für seine jahrelange Versöhnungs- und Vernetzungsarbeit unter den Christen gehört Kurt Spiess meine Wertschätzung. Es ist sein unvergleichliches Engagement, das in Stadt und Region, aber auch im ganzen Land reiche Früchte trägt. Ihm war das Herz für Christus bei den Leitern wichtiger als ihre Denominationszugehörigkeit oder eine bestimmte Theologie. Sein visionärer Lebensstil, gepaart mit Hingabe und grossem Glauben an Jesus, steckte viele in der Stami, der Allianz und darüber hinaus an.

"Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist!", dieses Zitat von David Ben Gurion leitete ihn. Bis unmittelbar vor seinem Heimgang fragte Kurt bei Besuchen meinerseits immer wieder nach, wie es in dieser oder jener Angelegenheit in der Allianz ginge. Kurt ist einer der wenigen Leiter im Reich Gottes, die einen tiefen Nachklang, ein Vermächtnis in jüngeren Leitern hinterlassen. Ganzheitlich gelebtes, authentisches Christsein war ihm wichtig. Was er von Gott empfing, gab er grosszügig weiter.

Ich werde Kurt als visionären Vernetzer, glaubensvollen Jünger Jesu mit einem grossen Herzen für die Einheit der Christen und für Menschen, die Jesus fernstehen, in Erinnerung behalten. 
Gust Ledergerber, Evang. Allianz St. Gallen

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