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Editorial
16. Juni 2017

Der Vorschlag des BASPO: Genau hinschauen!

„Gelingt es, die überhitzte Staatsaktion im letzten Moment noch in vernünftige Bahnen zu lenken?“ So fragte ich in unserer Ausgabe vom 29. März. Die Rede ist vom J+S-Ausschluss der Frommen. Und ja, es könnte gelingen. Am Runden Tisch wurde man sich einig. Die BASPO-Kündigungen sind vorläufig aufgehoben. Man suchte nach einer konstruktiven Lösung. Dennoch: Mein „Halleluja!“ klingt zurückhaltend.

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So sieht der Vorschlag aus: Erstens – christliche Jugendverbände erhalten weiterhin J+S-Beiträge, sofern sie sich als Verein organisieren. Zweitens – an der Kündigung der Ausbildungsverträge hält das BASPO fest. Es ist aber bereit für eine Partnerschaftsvereinbarung mit einer nationalen Dachorganisation. Diese Organisation zur Aus- und Weiterbildung von J+S-Leitern muss die Charta der christlichen Kinder- und Jugendarbeit sowie die Charta des Schweizer Sports unterschreiben. Eine Arbeitsgruppe soll nun die Themen konkretisieren.

Wie gut ist dieser Vorschlag? Sind die über 200 lokalen Jugendgruppen bereit, Vereine zu gründen mit allen Pflichten wie Jahresversammlung, Protokoll- und Kassaführung? Jungschileiterinnen und -leiter dürften dies nicht zuoberst in ihrer Agenda haben. Und lässt sich der geforderte Dachverband konstituieren? Sein Aufbau erfordert einen grossen Effort, sein Betrieb kostet. Die servierte Lösung ist noch nicht gegessen. Und vor allem: Während alle aufatmen, gerät Brisantes unter die Räder. Die Urteile von BSV, BASPO und Bundesverwaltungsgericht sind ein Skandal! Dass ein Glaubensverständnis als Grund für den Ausschluss aus dem Sportförderprogramm des Bundes genannt wird, ist diskriminierend. Beim BESJ etwa missfiel dem Bundesverwaltungsgericht, dass im Zentrum der Tätigkeit „das Evangelium von Jesus Christus“ ist. Im gleichen Atemzug wurde betont, man habe keine religiöse Bewertung vorgenommen. Was soll das?

Die Bundesverfassung verpflichtet den Staat zu religiöser Neutralität. Die Religionsfreiheit verbietet es, die Legitimität eines Glaubens zu beurteilen und daran Rechtsfolgen zu knüpfen. Warum wurde hier trotzdem ohne Umschweife gelebter Glaube als Ausschlussgrund angegeben? Hätte dieser Affront nicht die Frommen im Lande, sondern mediengewandte Interessengruppen betroffen, wären die Schlagzeilen gemacht gewesen. Aber so blieb es weitgehend still. Die strittigen Urteile wurden nicht diskutiert. Jetzt werden sie zugedeckt. Es lohnt sich, Stellungnahmen wie die des VFG (im aktuellen ideaSpektrum) zu lesen.

Rolf Höneisen, Chefredaktor ideaSpektrum und ideaschweiz.ch.

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