Montag • 21. Oktober
Editorial
06. Oktober 2019

Ein Klima ohne Demut

Das Klima ist nicht Wind, nicht Regen, nicht Sonne und auch nicht Temperatur.

Das Klima ist nicht Wind, nicht Regen, nicht Sonne und auch nicht Temperatur. Meteorologisch betrachtet ist es ein Durchschnitt aller erfassten dynamischen Prozesse in der Atmosphäre. Es gibt kaum etwas Komplexeres als unser Klima.

ANZEIGE

Aus der Erdgeschichte wissen wir um grosse klimatische Umwälzungen. Unsere geliebten Gletscher sind die Überreste aus einer Zeit, in der weite Teile Europas im Kälteschock unter einem Eisdeckel erstickten. Erdöl ist der chemisch verwandelte Rest organischer Stoffe, entstanden durch gigantische Naturkatastrophen. Das Verbrennen dieser fossilen "Massengräber" ist in den natürlichen Kreisläufen nicht eingeplant. Hier beginnt die Klimadebatte. Das Industriezeitalter verlieh der westlichen Welt einen Entwicklungsschub. Im Boom wurde zu wenig auf Nachhaltigkeit geachtet. Das wissen wir doch! Warum fällt denn die Politik plötzlich aus allen Wolken, wenn Schüler fürs Klima streiken? Die Warnungen der 16-jährigen Greta haben den Klang alttestamentlicher Prophetensprache. Aber bei ihr schwingen Panik und Wut mit: "Unser Haus steht in Flammen ..., wir stehen am Anfang einer Massenausrottung ..." Vergangene Woche trugen schwarz gekleidete Jugendliche in Zürich eine Erdkugel zu Grabe. Wohin führt diese radikale Sprache, wenn die Erwartungen nicht rasch erfüllt werden? Was tun Menschen, die existenzielle Angst haben und zu wissen meinen, wie man den Kopf aus der Schlinge zieht, mit den anderen - den Verweigerern und Abweichlern?

Die Klimademos sind ein Anstoss zum Nachdenken, zum Umdenken. Dann aber sind Politik und Wirtschaft gefragt, Lösungen zu erarbeiten und nicht von Angst getrieben das ganze System über den Haufen zu werfen und mit Zwang neue Ungerechtigkeiten zu schaffen. Übrigens: Im Schatten der Klimadebatte wird enorm aufgerüstet; der Kampf um die Vormacht in der Welt und um Wasser, Nahrung und Bodenschätze ist in vollem Gang.

Zehntausende marschierten an der Klimademo in Bern mit. Ich nicht. Aber ich denke angstfrei mit, wenn es ums Vermindern des CO₂-Ausstosses geht. Ohne Konsumverzicht geht das nicht. Es geht auch nicht in der Meinung, die aus dem Lot geratene Schöpfung zu "retten". Das Hauptproblem ist unser Herz mit seinem falschen Denken über Gott, den Schöpfer von Himmel und Erde. In der aktuellen Debatte fehlt es auf allen Seiten an Demut. Und es fehlt der Aufruf zur Umkehr zum Schöpfer. 

Rolf Höneisen, idea-Chefredaktor 

Diese Woche lesen Sie
  • Chrischona 1000 Chrischonesen in italienischem Feriendorf
  • Porträt Patrick Richter entwickelt neuartige Windturbinen
  • Singletreff Essen, trinken, kennenlernen
  • Medien Wie ERF Deutschland den Weg in die Zukunft plant
  • mehr ...