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Ausflugstipp
02. Oktober 2018

Dem Himmel näher im „Himugüegli“

Der Hof der Familie Zaugg mit dem sorgfältig eingerichteten Rastplatz. Fotos: Mathias Rellstab
Der Hof der Familie Zaugg mit dem sorgfältig eingerichteten Rastplatz. Fotos: Mathias Rellstab
Seit 20 Jahren lädt auf dem Hof Ober Altgfähl auf der Risisegg, rund 300 Meter über dem Dorf Trub,
das "Himugüegli" müde Wanderer und Velofahrer zur aussichtsreichen Rast ein. Von Mathias Rellstab

"Himugüegeli" oder "Himugüegli" ist das berndeutsche Wort für Marienkäfer, und als Alice Zaugg einst beim Wandern im Diemtigtal einen rot bemalten Stein mit schwarzen Punkten erblickte, war ihr klar: So soll unser Hofbeizli heissen. Schon in jungen Jahren hatten Alice und ihr Mann Hans über ein solches Projekt nachgedacht. Eines Sonntags im Jahr 1998, die beiden fuhren gerade vom Gottesdienst nach Hause, machten sie Nägel mit Köpfen: Kurzerhand wurden zwei Stühle, ein Tisch und eine Kaffeekanne vor dem Hof aufgestellt. Würde an diesem Nachmittag jemand einkehren, wollten sie dies zum Zeichen nehmen, das Vorhaben voranzutreiben. Und tatsächlich blieben die Stühle nicht lange leer. Erstaunlich ist das nicht, denn ein Wanderweg führt mitten durch das Hofareal.

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"Es soll den Leuten wohl sein!"

In kleinen Schritten bauten die Zauggs das Angebot aus, seit 2009 beherbergt ein Blockhaus die Theke und den prall gefüllten Kühlschrank mit Getränken, kleinen Snacks, selbstgemachtem Kuchen, Guetsli und Käse. Preise sind bei den meisten Produkten keine angeschrieben. Der Gedanke dahinter: Dem einen Gast wären 2 Franken für einen Kaffee, den er sich selber zubereiten muss, schon zu viel, der andere gibt gerne 3 oder gar 4 Franken. Wenn jeder selber entscheidet, wie viel er zahlen möchte, seien alle zufrieden, so Alice Zaugg - und das ist ihr und ihrem Mann wichtig: "Es soll den Leuten wohl sein!" Diesen Wunsch spürt man überall: Für Kinder liegen Spiele bereit, die Grillstelle ist perfekt ausgestattet. Nur die Wurst muss man selber mitbringen.

Zuckersäckli von der Agentur C

Wegen der vielen Arbeit auf dem Hof können sich die beiden Bauersleute meist nicht selber um die Gäste kümmern, es gilt Selbstbedienung. Wenn es aber die Zeit erlaubt, schaut vor allem Hans bei einkehrenden Gästen gerne auf einen Schwatz vorbei. Alice ist es zum Anliegen geworden, für den Ort oder - meist im Stillen - auch für die Gäste zu beten. An die grosse Glocke hängen Zauggs, die eine Alttäufergemeinde besuchen, ihren Glauben nicht, aber die Zuckersäckli der Agentur C und ein kleines Plakat im Blockhaus zeugen davon. Und so kommt es vor, dass ihnen ab und zu jemand ein persönliches Anliegen anvertraut.

Auch ein Freiluftgottesdienst hat auf dem Hof schon stattgefunden, und zur Adventszeit vor einigen Jahren verwandelte sich das Blockhaus in eine Weihnachtskrippe, samt leuchtendem Stern auf dem Dach. Familie und Bekannte spielten die Weihnachtsgeschichte im Massstab 1:1, Nachbarn und Freunde wurden eingeladen. Es sei ihr schwergefallen, diese Aktion "anzureissen", sagt die eher zurückhaltende Alice Zaugg, aber sie habe überdeutlich gespürt, dass dies "dran" sei. Es wurde für alle ein unvergessliches Erlebnis. 

Hof Ober Altgfähl und das Himugüegli

Der Hof Ober Altgfähl mit dem Himugüegli liegt rund einen Kilometer westlich des Turner auf 1100 Meter über Meer. Er ist ab Trub, Trubschachen und Escholzmatt auf einfach zu begehenden, aber steilen Wanderwegen zu erreichen. Das Selbstbedienungs-Hofbeizli mit Grillstelle ist von Mai bis Oktober bei gutem Wetter täglich geöffnet. Mit dem Auto sind es ab Trubschachen 6,5 km (Hauptstrasse bei der Kambly-Fabrik verlassen.)
Kontakt: Familie Zaugg, 034 495 58 56

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