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Leadership
11. Oktober 2018

Bevollmächtigen

Überlastete Leiter werden müde, vernachlässigen strategische Kernaufgaben und damit die Unternehmens­entwicklung. Das führt zum Verdruss der Mitarbeitenden.

Eine zentrale Bedingung für Balance und Stabilität ist es, Fähigkeiten weiterzuvermitteln und breit zu verteilen. In 2. Timotheus 3,14-17 lesen wir von "anvertrauen", "unterweisen", "zurechtweisen", um "zu gutem Werk geschickt" zu sein. Dies soll die Urteilsfähigkeit bei Mitarbeitenden multiplizieren und fähige Entscheidungsträger hervorbringen. In Hesekiel 34,4 wird der Führungs-Elite vorgeworfen, das Schwache nicht zu stärken. Wir sollen also Menschen stärken, damit sie Mitträger in wachsenden Unternehmen sein können und kein Einzelner erdrückt wird. Dies kann nur geschehen, wenn Menschen die Vollmacht erhalten, Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig wird dadurch die Abhängigkeit von einzelnen Mitarbeitern reduziert und allfällige Abgänge bringen die Unternehmung nicht aus dem Gleichgewicht.

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In 2. Mose 18,13-27 beobachtet Jitro, wie sein Schwiegersohn Mose den ganzen Tag Recht spricht, dabei müde wird, und wie auch das Volk des langen Anstehens überdrüssig wird. Moses vernachlässigt durch die umfangreiche operative Tätigkeit seine Kernaufgaben, die Fürbitte und die Aufgabe als Sprachrohr Gottes. Jitro rät ihm, redliche Menschen auf unterschiedlichen operativen Verantwortungsebenen einzusetzen, damit Mose bestehen und das Volk in Frieden heimkehren kann. Es geht hier sowohl um eine Entlastung und Freisetzung für Mose als auch um eine Befreiung des Volkes vom endlosen Warten! Wo in Ihren Unternehmungen wird "das Volk" des endlosen Wartens überdrüssig? Wo können Sie Bereiche abgeben und Menschen entsprechende Entscheidungsbefugnisse erteilen?

In der Apostelgeschichte gibt es ein ähnliches Beispiel: Die Gemeinde wächst und die Jünger kommen vor lauter operativen Aufgaben nicht mehr dazu, ihren Kernauftrag, das Wort Gottes zu lehren, wahrzunehmen. Die Jünger übertragen einzelne Aufgaben auf ausgewählte Personen. Nun sind sie wieder frei für ihre Hauptaufgabe und "das Wort breitet sich aus und die Zahl der Jünger wird sehr gross".

Können Sie in Ihrer Unternehmung Ihre strategische Schlüssel-rolle wahrnehmen oder sind Sie zugedeckt mit operativen Aufgaben? Welche Verantwortungsbereiche geben Sie weiter? 

Jürgen Gerber ist Unternehmensberater und Trainer bei www.vitaperspektiv.ch in Heimberg.

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