Montag • 16. September
Zentralrat der Juden
18. August 2019

AfD ist mit Rechtsextremismus verwoben

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster. Foto: Zentralrat der Juden/Thomas Lohnes
Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster. Foto: Zentralrat der Juden/Thomas Lohnes

Würzburg/Berlin (idea) – Die AfD ist viel enger mit dem Rechtsextremismus verwoben, als sie es nach außen darstellt. Diese Ansicht vertrat der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster (Würzburg), in einem Interview mit der Zeitung Welt am Sonntag (Berlin, Ausgabe vom 18. August). Die Partei entwickele sich „immer mehr ins Völkische hinein“. Ihre innerparteilichen Debatten legten die Befürchtung nahe: „Es wird nicht gemäßigter, eher schlimmer werden.“ Bei einigen Teilen der AfD stelle sich die Frage, ob sie den Boden des Grundgesetzes nicht schon verlassen hätten. „Es ist ja kein Zufall, dass der Verfassungsschutz bestimmte Parteigliederungen zum Verdachtsfall und die Partei insgesamt zum Prüffall erklärt hat“, so Schuster. Er warnte davor, die AfD nach den Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg am 1. September an der Bildung von Landesregierungen zu beteiligen. Wenn sich in einem der Länder etwa eine Minderheitsregierung von der AfD tolerieren lassen würde, bedeute das, dass „sie bei ihren Entscheidungen immer auch nach rechts schielen müsste, um zu überleben“. Er würde darin einen „Vorboten“ dafür sehen, dass es über kurz oder lang eine Koalition zwischen einer demokratischen Partei und der AfD geben würde.

ANZEIGE

Zunehmender Antisemitismus keine Folge der Flüchtlingswelle

Schuster sagte in dem Interview außerdem, rechtsextremistisch motivierter Antisemitismus sei eine größere Gefahr für Deutschland und die Juden als islamistisch motivierter Judenhass. Anders als von der AfD häufig behauptet, sei die Zunahme der Judenfeindlichkeit in Deutschland keine Folge der Flüchtlingswelle von 2015. Schon vorher habe es zahlreiche israelfeindliche Demonstrationen gegeben, bei denen Parolen wie „Hamas, Hamas, Juden ins Gas“ gerufen worden seien. Schuster warf der AfD vor, die Zunahme von antisemitischen Vorfällen in Deutschland mit populistischer Propaganda zu verbinden und „generell gegen Minderheiten zu hetzen“. Damit schüre sie „ein Klima letztlich auch gegen Juden“.

Diskutieren

Die Kommentarfunktion für diesen Beitrag ist geschlossen. Nach dem Erscheinen eines Artikels kann dieser 48 Stunden kommentiert werden.

59 Kommentare
Kommentare sind ausgeblendet.
Zum Einblenden der Kommentare hier klicken.