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Charismatische Charaktere: Wahlen, Chevallaz, Ritschard
04. Dezember 2018

Wenn Bundesräte glauben

Charismatische Bundesräte:
Chevallaz, Wahlen,
Ritschard. Foto: Kotte-Autographs; CfC; zvg
Charismatische Bundesräte: Chevallaz, Wahlen, Ritschard. Foto: Kotte-Autographs; CfC; zvg

Bern (idea) - In Sachen Glauben fallen drei ehemalige Bundesräte besonders auf: Traugott Wahlen, Willi Ritschard und Georges-André Chevallaz. Der Agronom und Sohn eines Predigers, Friedrich Traugott Wahlen (1899-1985), arbeitete schon in den 1930er-Jahren an einem Konzept zur Selbstversorgung der Schweiz. Während des Zweiten Weltkrieges führte er die „Anbauschlacht“, den „Plan Wahlen“, mit grossem Engagement durch. Sogar in Städten wurden Kartoffeln und Zuckerrüben gepflanzt. Im Bundesrat war Traugott Wahlen von 1958 bis 1965. Bis zu seinem Heimgang war er Mitglied im Patronatskomitee des christlichen Gross-Kongresses Explo. Überhaupt setzt er seinen Namen mehr und mehr auch dafür ein, christliche Bemühungen zu unterstützen.

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Willi Ritschard

Der Sozialdemokrat Willi Ritschard (1918–1983) wurde auf den Tag genau vor 45 Jahren – am 5. Dezember 1973 – in den Bundesrat gewählt. Er war von Beruf Heizungsmonteur. Von 1974 bis 1979 stand er dem Verkehrs- und Energiewirtschaftsdepartement vor, von 1980 bis 1983 dem Finanzdepartement. Am 3. Oktober 1983 gab er seinen Rücktritt per 31. Dezember bekannt. Wenige Tage später, am 16. Oktober, starb er völlig überraschend auf einer Wanderung an Herzversagen. Einer, der immer interessiert war am Leben von Politikerinnen und Politikern, ist Hanspeter Nüesch. Der ehemalige Leiter von Campus für Christus sagt über Willi Ritschard: „Er war weit mehr als ein Sprücheklopfer!“ Bundesrat Ritschard sei ein „echter Religiös-Sozialer“ gewesen. Bei den Besinnungen im Bundeshaus war er regelmässiger Teilnehmer. Der SonntagsBlick vom 25. Oktober 1983 zitierte Ritschard: „Wir haben zwar eine Bundesverfassung, nach der wir uns richten können, aber wir spüren fast überall, dass es eigentlich viel besser und klüger ist, nach christlichen Grundgesetzen zu handeln.“ Und ein andermal sagte er: „Ich habe immer Bedenken gegenüber politischen und technischen Erlösern, weil ich den Eindruck habe, es gehe ihnen meist mehr um den Erlös als um die Erlösung.” Willi Ritschard bekannte, er glaube an Gott und bete zu ihm. Man dürfe sich seine Glaubens-Überzeugung „nicht durch böse Erlebnisse oder dumme Menschen kaputt machen lassen”.

Georges-André Chevallaz

Georges-André Chevallaz (1915–2002) wurde am 5. Dezember 1973 zusammen mit Willi Ritschard in den Bundesrat gewählt. Chevallaz leitete das Finanzdepartement (1974–1979) und von 1980 bis 1983 das Militärdepartement. Am 31. Dezember 1983 trat er zurück. 1987 war er Gast an einem Leitertreffen von Campus für Christus (CfC) in Lausanne. Sein dort gehaltenes Referat wurde später von CfC veröffentlicht. Dem Historiker war das Thema gestellt worden „Auf der Schwelle ins 3. Jahrtausend: worin besteht unsere Hoffnung?“ Hanspeter Nüeschs Erinnerungen an den Auftritt von Chevallaz sind noch überaus lebendig: „Seine Aussagen waren unglaublich stark, geradezu prophetisch.“ So fragte Chevallaz: „Welche Überzeugung wird (…) gesucht, wenn wir den faschistischen oder kommunistischen Totalitarismen und den Gleichschritt von unzähligen Fanatikern ablehnen?“ Es sei eine Überzeugung mit zeitlosen Prinzipien gefordert.
„Man muss weiter und höher suchen, um den Sinn, für den es sich zu leben und zu kämpfen lohnt, zu finden“, sagte Chevallaz. Die immer grösser werdende Gleichgültigkeit sei gefährlicher als der militante Haltung früherer Zeiten. Der Bundesrat schloss seinen Vortrag mit Worten, die aufhorchen lassen: „Die wesentlichen Elemente des Evangeliums, der Glaube, die Hoffnung und die Nächstenliebe, müssen gemeinsam gesucht und bezeugt werden. Das Heil, der Geist und die Natur des 21. Jahrhunderts werden nicht spontan aus der Masse, dem Zufall oder gar der Vorsehung heraus geboren. Es handelt sich vielmehr darum, in diesem zu Ende gehenden 20. Jahrhundert die kleine Zahl von Menschen zu finden, die den Mut und die Entschlossenheit aufbringen, zu Zeugen und Verantwortlichen zu werden, die gegen den Strom schwimmen und sich der Bequemlichkeit und der Resignation entgegenstellen.”

Grussworte von Bundesräten
Immer wieder gab und gibt es Bundesräte, die explizit christliche Anlässe und Publikationen mit Grussworten unterstützen. Dazu gehören Adolf Ogi, Alphons Egli, Arnold Koller und Flavio Cotti. Dieser schrieb den Organisatoren der Explo 91: „Ich schätze das Ziel der EXPLO 91 sehr (...) Ich bin der Meinung, dass wir unser Leben nur im festen Glauben an Gott bestehen können.” Aktuell ein Vorwort in der Verteilzeitung "Viertelstunde für den Glauben" verfasst, hat Bundesrat Ignazio Cassis. (Autor: Rolf Höneisen, ideaSpektrum)

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