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Nationalrat schränkt Zugang zur Armeeseelsorge nicht ein
15. März 2019

Welche Religion braucht es für Armeeseelsorge?

Wer soll Schweizer Soldaten seelsorgerlich beistehen können? Bild: Wikipedia/Edelweiss-Raid
Wer soll Schweizer Soldaten seelsorgerlich beistehen können? Bild: Wikipedia/Edelweiss-Raid

Bern (idea/dg) – Soll die Schweiz islamische Armeeseelsorger haben? Der Nationalrat will diese Möglichkeit mit einem Entscheid vom 13. März 2019 weiter offen halten. Bis Ende 2017 war dies aufgrund des vom Bundesrat verordneten „Dienstreglement der Schweizer Armee“ nicht möglich. „Die seelsorgerische Betreuung obliegt den evangelisch-reformierten und römisch-katholischen Armeeseelsorgern“, hiess es in Artikel 64. Seit 1. Januar 2018 formuliert das Dienstreglement die Armeeseelsorge offener: „Die seelsorgerische Betreuung liegt in der Verantwortung der Armeeseelsorger.“ Diese werden nicht weiter nach Religionszugehörigkeit definiert.

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Vielerorts bestehen Ängste vor einer Islamisierung in der Armee. Unterschiedliche Ansichten herrschen, wie der Reglementssatz: „Die Angehörigen der Armee haben das Recht auf seelsorgerische Betreuung“ nicht-diskriminierend umgesetzt werden kann. Aktuell werden nur Armeeseelsorger aus den Landeskirchen rekrutiert.

Islamistischen Proselytismus verhindern

Der Walliser Nationalrat Jean-Luc Addor scheiterte nun im Nationalrat mit seiner parlamentarische Initiative „Keine muslimischen Armeeseelsorger in unserer Armee“. Die steigende Zahl muslimischer Armeeangehöriger sowie verunsichernde Aussagen des Armeechefs und des Chefs der Armeeseelsorge hätten ihn zu diesem Vorstoss geführt, begründete er in der Debatte seinen Vorstoss. Die Änderung im Dienstreglement habe seine Befürchtung noch bestärkt. Er wolle nur den Ist-Zustand im Gesetz festschreiben, dass die Armeeseelsorge den Landeskirchen vorbehalten sei. Es gehe darum, die Wurzeln und Traditionen des Landes zu bekräftigen. Der Bundesrat habe auf eine frühere Anfrage hin nicht gesagt, wie man sich der Loyalität von islamischen Seelsorgern versichern könne und wie man die Entwicklung von Herden eines islamistischen Proselytismus verhindern könne.

Der Berner Nationalrat Erich von Siebenthal verwies auf die Veränderungen durch die Migration, in der Schweiz wie in Deutschland. „Die Armeeseelsorger der herkömmlichen Kirchen haben als Grundlage die Bibel, und diese hat nicht dieselbe Zielsetzung wie der Koran“, mahnte er. Das Ziel des Islams sei klar die Weltherrschaft, mit seinem Rechtssystem, auch wenn man das nicht gerne höre. Was weltweit an zahlreichen Beispielen sichtbar sei, könne auch in der Armee schleichend stattfinden. Diese Risiken seien mit weiteren Abklärungen zu prüfen und deshalb sei der Vorlage zuzustimmen.

Diskriminierung verhindern

Die französischsprachige Kommissionssprecherin Lisa Mazzone sah jedoch im Vorstoss von Jean-Luc Addor eine Botschaft des Ausschlusses anderer Religionsangehöriger. Es gebe keine Unterkategorien von Armeeangehörigen. Die Initiative gebe zu verstehen, dass gewisse Soldaten legitimer seien als andere. Die Bundesverfassung lasse aber keine Diskriminierung aufgrund der Religion zu. Die Armee arbeite für Angehörige anderer Religionen aktuell mit externen Personen zusammen. Länder wie Österreich, Frankreich und Grossbritannien hätten aber bereits Rabbiner und Imame in ihrem Seelsorgedienst. Beat Flach fügte ebenfalls im Namen der Kommission hinzu: „In der Begründung wird zwar nur auf den Islam verwiesen, aber natürlich wären auch alle anderen Religionen betroffen, so z. B. jüdische Angehörige unserer Armee“. Es sei „unerheblich, welchen religiösen Hintergrund ein Armeeseelsorger hat. Vielmehr muss er ein Mensch sein, der in der Lage ist, zuzuhören und mit dem Angehörigen der Armee zu sprechen.“

Mit 102 zu 67 Stimmen bei neun Enthaltungen lehnte der Rat die Initiative Addors ab. Die beiden EVP-Vertreter Nik Gugger und Marianne Streif sowie der Methodist Philipp Hadorn (SP) stimmten gegen die Vorlage. Der andere Methodist, Eric Nussbaumer (SP), war abwesend.

Die Stimme des höchsten Armeeseelsorgers

Der höchste Armeeseelsorger Stefan Junger hatte sich schon 2017 in einem NZZ-Interview offen für eine Öffnung der Armeeseelsorge für islamische Geistliche geäussert. „Diese Geistlichen müssen aber einen Schweizer Pass haben, damit wir sie in Uniform stecken können“, schränkte er aber ein. „Wir wollen Leute, die selber eine militärische Ausbildung durchlaufen haben. Ohne diese Erfahrungen können sie den Soldaten kaum helfen. Weiter sollten solche Geistliche mit Vorteil in der Schweiz theologisch geschult worden sein und vor allem mit den hiesigen Gebräuchen vertraut sein. Sie müssen auch in einer völlig offenen Form mit allen Armeeangehörigen zusammenarbeiten wollen.“

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