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Früherer ARD-Korrespondent
08. Oktober 2018

Linke Parteien sind unkritisch im Umgang mit dem Islam

Der frühere ARD-Korrespondent in Algerien, Samuel Schirmbeck. Foto: picture-alliance/Eventpress
Der frühere ARD-Korrespondent in Algerien, Samuel Schirmbeck. Foto: picture-alliance/Eventpress

Köln (idea) – Einen unkritischen Umgang mit dem Islam hat der frühere ARD-Korrespondent in Algerien, Samuel Schirmbeck (Berlin), linksorientierten Parteien in Deutschland vorgeworfen. Der Autor des Buches „Gefährliche Toleranz. Der fatale Umgang der Linken mit dem Islam“ (Orell Füssli Verlag/Zürich) meint damit SPD, Bündnis 90/Die Grünen und „Die Linke“. Kritik am Christentum habe bei den Linken und den Grünen immer dazugehört. „Sobald das Wort ‚Islam‘ fällt, hört das auf“, sagte Schirmbeck dem Deutschlandfunk (Köln). Aus seiner Sicht gibt es bei den Linken keine Kritik am Frauenbild im Islam, am Umgang mit Homosexualität, keine Auseinandersetzung mit muslimischen Parallelgesellschaften oder der Gewaltfrage. Im Gegenteil: Sie hofierten konservative Islamvertreter. Wenn man kritische Fragen in Bezug auf den Islam stelle, sprächen Grüne und Linke von Rassismus: „Damit ist die Diskussion gekillt.“ Schirmbeck bezieht seinen Vorwurf auch auf viele Medien. So habe er über den Islamkritiker Hamed Abdel-Samad, der wegen Todesdrohungen unter Polizeischutz stehe, noch nie etwas Gutes in linken Blättern wie „tageszeitung“ (taz), Süddeutsche Zeitung und „Die Zeit“ gelesen. Laut Schirmbeck sind liberale Muslime in Europa und islamischen Ländern von den europäischen Linken enttäuscht. Die Linke lasse sie im Stich, anstatt sie als natürliche Verbündete im Kampf für Freiheit und Menschenrechte zu unterstützen, zitiert der Journalist die marokkanische Bloggerin Myriam Ibn Arabi.

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Cem Özdemir ist „eine absolute Ausnahme“

Schirmbeck zufolge hat es 15 Jahre gedauert, bis 2015 der damalige Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir gesagt habe, er könne es nicht mehr hören, wenn man behaupte, Islam und Islamismus hätten nichts miteinander zu tun. Das habe er nach den „furchtbaren Massakern“ in Paris geäußert. Dabei hatten islamistische Terroristen 130 Menschen ermordet. Schirmbeck zufolge ist Özdemir mit seiner Haltung „eine absolute Ausnahme“ bei den Grünen und in der ganzen Linken. Sie hat aus seiner Sicht den notwendigen Diskurs über den Islam verweigert und ist daher mitverantwortlich für das Erstarken der Rechten.

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