Mittwoch • 19. September
Kritik von Lebensrechtlern
29. August 2018

„Evangelische Frauen“ solidarisieren sich mit Abtreibungsärztinnen

Die Vorsitzende des Bundesverbandes Lebensrecht, Alexandra Maria Linder. Foto: Privat
Die Vorsitzende des Bundesverbandes Lebensrecht, Alexandra Maria Linder. Foto: Privat

Hannover (idea) – Der Dachverband „Evangelische Frauen in Deutschland“ hat sich mit Ärztinnen „solidarisiert“, die wegen Verstoßes gegen den Paragrafen 219a StGB angeklagt sind. Dieser verbietet Werbung für Abtreibungen. Demnach macht sich strafbar, wer „seines Vermögensvorteils wegen (...) Dienste zur Vornahme eines Schwangerschaftsabbruchs (...) anbietet, ankündigt oder anpreist“. Der Verband erneuerte am 29. August zugleich seine Forderung, den Paragrafen 219a zu streichen. Frauen müsse es möglich sein, sich in Schwangerschaftskonflikten sachlich über medizinische Methoden und Ärztinnen zu informieren, die Schwangerschaftsabbrüche durchführen, heißt es in einer Mitteilung. Dies verhindere der Paragraf 219a, der nach Ansicht der „Evangelischen Frauen in Deutschland“ nicht mit dem Grundgesetz vereinbar sei. Denn er schränke das Selbstbestimmungsrecht und das Recht auf freie Arztwahl ein.

ANZEIGE

Prozess gegen zwei Ärztinnen in Kassel

Anlass für die Stellungnahme ist ein Prozess gegen zwei Frauenärztinnen. Nora Szász und Natascha Nicklaus müssen sich seit dem 29. August vor dem Amtsgericht Kassel wegen Verstoßes gegen den Paragrafen 219a verantworten. Sie werben auf ihrer Internetseite unter der Rubrik „Ambulante Operationen“ für Abtreibungen mit dem Text: „Schwangerschaftsabbruch, operativ oder medikamentös mit Mifegyne.“ Im November war die Frauenärztin Kristina Hänel vom Amtsgericht Gießen zu einer Geldstrafe von 6.000 Euro verurteilt worden, weil sie auf der Internetseite ihrer Praxis über Abtreibungen informiert und dafür geworben hatte. Die für den 6. September angesetzte Berufungsverhandlung vor dem Landgericht Gießen ist inzwischen verschoben worden. Ein neuer Termin steht noch nicht fest. Zum Verband „Evangelische Frauen in Deutschland“ mit Sitz in Hannover gehören 39 Organisationen mit rund drei Millionen Mitgliedern. Vorsitzende ist die frühere Direktorin des Diakonischen Werkes Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Susanne Kahl-Passoth (Berlin).

Linder: „Evangelische Frauen“ reden wie Leute, die Abtreibung als Frauenrecht fordern

Scharfe Kritik an der Stellungnahme der „Evangelischen Frauen“ übt der Bundesverband Lebensrecht. Dessen Vorsitzende, Alexandra Maria Linder (Weuspert/Sauerland), erklärte gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea: „Es ist erstaunlich, wie Frauen in der evangelischen Kirche, die in der ‚heutigen Welt als Christinnen leben‘ möchten, in exakt dasselbe Horn stoßen, wie Leute, die ‚Abtreibung als Frauenrecht‘ fordern und denen der Tod der Kinder und die Not der Schwangeren vollkommen egal sind.“ Christen sollten sich aber unter anderem dadurch auszeichnen, „dass sie keiner Ideologie erliegen, die bestimmten Menschen ihr Menschsein absprechen will, sondern ausnahmslos jeden Menschen als Person respektieren und schützen“. Diese christliche Grundüberzeugung werde preisgegeben, wenn man stattdessen „hinter einer falsch verstandenen Emanzipation herläuft und damit den Tod von Millionen vor der Geburt und Leid von Millionen von Frauen nach Abtreibung billigend in Kauf nimmt“. Abtreibung sei nicht mit dem Grundgesetz vereinbar, „außer man versucht, Kinder vor der Geburt zu entmenschlichen und ihnen damit ihre Menschenwürde abzusprechen“. Der Bundesverband Lebensrecht veranstaltet am 22. September in Berlin den „Marsch für das Leben“, der für ein Europa ohne Abtreibung und Euthanasie eintritt. Im vergangenen Jahr lag die Teilnehmerzahl bei 7.500.

Diskutieren

Die Kommentarfunktion für diesen Beitrag ist geschlossen. Nach dem Erscheinen eines Artikels kann dieser 48 Stunden kommentiert werden.

21 Kommentare
Kommentare sind ausgeblendet.
Zum Einblenden der Kommentare hier klicken.