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Aufforderung an den Bundesrat
01. Mai 2020

Erich von Siebenthal: "Gottesdienste möglich machen"

Erich von Siebenthal will sofortige Öffnung der Gottesdienste. Bild: zvg
Erich von Siebenthal will sofortige Öffnung der Gottesdienste. Bild: zvg

Gstaad (idea/dg) - Der Bundesrat hat für Sport und zahlreiche andere Bereiche Lockerungen des Corona-Lockdowns beschlossen. Über Kirchenaktivitäten will er später gesondert entscheiden. Diese Rückstellung der Kirchen wird nicht von allen gutgeheissen. Es sei jetzt dringend an der Zeit, dass nicht nur Läden und Restaurants, sondern auch Kirchen ihre Tore wieder öffnen dürfen, schreibt der Berner SVP-Nationalrat Erich von Siebenthal am 30. April im Namen seiner Partei. Gerade in Krisenzeiten leide oft die Seele. Auch in der modernen Zeit biete die Kirche vielen Menschen Halt, Geborgenheit und Trost.

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Hoffnung, Kraft und Frieden aus der Bibel schöpfen

„In der Schweiz gibt es immer noch sehr viele Menschen, die im Stillen für sich, oder in einer christlichen Gemeinschaft beten“, erklärt der Berner Oberländer, selber Mitglied der evangelisch-methodistischen Kirche. Nebst dem Gebet für persönliche Sorgen und Freuden sei nicht zu unterschätzen, welche Kraft diese Gebete auch für die Schweiz und dessen Gemeinschaft bedeuteten. Dies vor allem in der Zeit, da Corona-Pandemie klar aufzeige, dass die Menschen nicht alles im Griff hätten. „Die Schweiz tut gut daran, auch zukünftig auf den Namen Gottes zu Vertrauen, auf die Bundesverfassung wie auch auf den Schweizerpsalm, der aufruft: ‚Betet, freie Schweizer, betet‘“, ist Erich von Siebenthal überzeugt. Die Kirchen in unserem Land hülfen mit, dass die Worte der Bibel auch in der heutigen Zeit verständlich gemacht und so Hoffnung, Kraft und Frieden für alle Menschen erlebbar werden. Ausserdem sei die beim Gottesdienst erlebte Gemeinschaft wertvoll. Über längere Zeit könne ein Gottesdienst über digitale Kanäle die persönlichen Begegnungen nicht ersetzen.

Bundesrat soll Gespräche mit Kirchenvertretern führen

„Der Auftrag und die Leistungen der Kirche sind nicht wie bei der Wirtschaft in Franken und Rappen messbar“, gibt Erich von Siebenthal zu bedenken, der selber als Betriebsleiter einer Bergbahn auch die finanziellen Konsequenzen des Lockdown bestens kennt. Bergbahnen dürfen laut Bundesratsbeschluss weiterhin den Betrieb nicht aufnehmen. Erich von Siebenthal erklärt, „dass das Mittragen, das Teilen, die Anteilnahme an Sorgen und Nöten des Nächsten, wie es die kirchliche Gemeinschaft und der Gottesdienst ermöglichen, von unschätzbarem Wert“ seien. Daher fordert er den Bundesrat auf, Gottesdienste ab sofort wieder zu ermöglichen und mit den Kirchenvertretern über mögliche Hygiene- und Schutzmassnahmen zu sprechen, wie er es schon mit anderen Branchen getan habe. „Da, wo es zu wenig Platz hat, wäre es ja möglich zweimal Gottesdienst zu halten“, schlägt er als eine konkrete Massnahme vor.

Gottfried Locher für „baldige“ Gottesdienste

Gottfried Locher, Präsident der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz EKS schrieb am 20. April auf Twitter, er habe sich mit Bundesrätin Karin Keller-Sutter getroffen und sie gebeten, an die Kirchen zu denken. „Wir freuen uns auf bald wieder mögliche Gottesdienste“, liess er verlauten. In einem französischen Interview auf reformes.ch vom 28. April spricht er sich für eine „baldige“ Öffnung der Gottesdienste aus. Die Vertreter der anderen Landeskirchen haben laut Gottfried Locher sein Anliegen unterstützt. Er habe aber auch darauf hinweisen wollen, dass die Kirchen für die persönliche Besinnung offen sein müssten.