Dienstag • 27. Juni
Kirchentag
28. Mai 2017

Bischof für palästinensischen Staat mit Jerusalem als Hauptstadt

Der frühere Präsident des Lutherischen Weltbundes, der palästinensische Bischof Munib A. Younan. Foto: idea/kwerk.eu
Der frühere Präsident des Lutherischen Weltbundes, der palästinensische Bischof Munib A. Younan. Foto: idea/kwerk.eu

Berlin (idea) – Europa soll sich stärker für Gerechtigkeit, Frieden und Versöhnung im Heiligen Land engagieren. Dafür hat sich der frühere Präsident des Lutherischen Weltbundes, der palästinensische Bischof Munib A. Younan (Jerusalem), beim Deutschen Evangelischen Kirchentag in Berlin ausgesprochen. Wer Waffen an Israel liefere, könne auf das Land auch politischen Druck ausüben, um die Besatzung Palästinas zu beenden und einen palästinensischen Staat mit Jerusalem als Hauptstadt durchzusetzen. Damit widersprach der Geistliche dem früheren Leiter des ARD-Studios in Tel Aviv, Richard C. Schneider (jetzt Rom). Seiner Ansicht nach können nur die USA einen dauerhaften Frieden durchsetzen. Europa werde von den meisten Israelis mit Judenverfolgung, Holocaust, Antisemitismus und Unzuverlässigkeit verbunden. Für die israelische Politik sei nicht die europäische Überzeugung „Nie wieder Krieg“ maßgeblich, sondern die Notwendigkeit „Nie wieder in der Opferrolle“.

ANZEIGE

In Schulen des Gazastreifens wird zur Zerstörung Israels aufgerufen

Aufgrund einer Frage aus dem Publikum bestätigte Schneider, dass in Schulen des Gazastreifens zur Zerstörung Israels aufgerufen werde. Dort regiert die radikalislamische Hamas, die von vielen Ländern als Terrororganisation angesehen wird. Allerdings wünschten auch manche radikalen jüdischen Siedler den Tod von Palästinensern, so Schneider. Zuvor hatte Younan gesagt, dass in palästinensischen Schulen keine antijüdischen Lieder gesungen würden. Er sei schockiert, solche Behauptungen von Schneider zu hören. Bei der Beurteilung der derzeitigen Situation komme es nicht auf die Gründe für die Entstehung von Konflikten an, sondern darauf, was die Menschen heute empfinden.

Soziologin: Juden und Palästinenser leiden an traumatischen Erfahrungen

Die jüdische Soziologin Prof. Eva Illouz (Jerusalem), erklärte, Juden und Palästinenser litten an ähnlichen Erfahrungen. Für Palästinenser sei die Erinnerung an den Verlust ihres Landes nach der Ausrufung der israelischen Unabhängigkeit 1947 ebenso traumatisch wie für die Juden der Holocaust. Beide Ereignisse würden von Politikern benutzt, um einen gerechten Frieden im Nahen Osten zu verhindern. Illouz rief dazu auf, regierungskritische Bewegungen in beiden Bevölkerungsgruppen zu unterstützen, die sich für ein Ende der Besatzung des Westjordanlandes einsetzten.

Prof. Perthes zur Syrien-Krise: Christliche Flüchtlinge nicht bevorzugen

In einer anderen Kirchentagsveranstaltung sagte der Leiter der Stiftung Wissenschaft und Politik, Prof. Volker Perthes (Berlin), dass die israelisch-palästinensischen Spannungen nicht mehr das wichtigste Thema im Nahen Osten seien. Der Konflikt werde von der Rivalität zwischen Saudi-Arabien und dem Iran und ihrem Stellvertreterkrieg in Syrien überlagert. Bei der Flüchtlingshilfe dürften Christen nicht bevorzugt werden. Sie würden sonst als Agenten des Westens angesehen. Auch dürfe man die Gegensätze zwischen den Religionsgemeinschaften nicht verstärken. Der UN-Sondergesandte Staffan de Mistura (Genf) äußerte die Ansicht, dass sich trotz zahlreicher Konferenzen und Waffenstillstandsabkommen keine Lösung des Syrien-Konflikts abzeichne. Es handele sich um eine der komplexesten Krisen in den vergangenen 50 Jahren. Mehr als zehn Staaten seien aktiv beteiligt. Alle Regeln der Menschlichkeit würden missachtet, indem beispielsweise Krankenhäuser angegriffen würden.

Diskutieren

Die Kommentarfunktion für diesen Beitrag ist geschlossen. Nach dem Erscheinen eines Artikels kann dieser sieben Tage kommentiert werden.

10 Kommentare
Kommentare sind ausgeblendet.
Zum Einblenden der Kommentare hier klicken.