Samstag • 25. März
Hans-Ulrich Bigler
08. März 2017

„Bin konsequent, nicht polemisch“

Hans-Ulrich Bigler:
Hans-Ulrich Bigler: "Konsequente Interessenvertretung." Foto: Andrea Vonlanthen

idea: Wie erleben Sie den neuen US-Präsidenten Donald Trump?
Hans-Ulrich Bigler: Vom politischen Auftritt her kann ich ihn schwer einordnen. In seiner letzten Rede zur Lage der Nation vor dem Kongress wirkte er nun plötzlich recht staatsmännisch. Ich hoffe, das sei der neue Trend bei ihm.

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Genau wie Sie liebt der neue amerikanische Präsident ja markige Provokationen.
Ich kann diesen Vergleich mit Trump nicht nachvollziehen.

Doch, auch Sie pflegen oft einen provokativen, manchmal auch polemischen Stil.
Das ist eine Fehleinschätzung. Mein Auftritt ist weder polemisch noch provokativ! Mein Auftritt ist konsequent auf die Interessen der KMU ausgerichtet. Wer, wenn nicht der grösste Dachverband der Schweizer Wirtschaft, soll denn die starke Stimme für die KMU in unserm Land wahrnehmen? Ein KMU-Betrieb allein hat in der Öffentlichkeit kaum Gehör, dies ganz im Gegensatz zu einem Grosskonzern. Wir haben als Verband einen Strategieauftrag, den uns der Gewerbekongress - unsere Basis - mit gegen 800 Teilnehmern erteilt hat. Dass man bei einer konsequenten Interessenvertretung, wie ich sie praktiziere, manchmal als Reizfigur wahrgenommen werden kann, liegt in der Natur der Sache.

Bei gewissen Vorlagen wie beim Radio- und Fernsehgesetz wird Ihnen vorgeworfen, Sie würden sich mit medienwirksamen Auftritten auf Nebenschauplätzen verzetteln und vor allem Ihr eigenes Image pflegen.
Dazu ist schlicht zu sagen, dass das Kerngeschäft des Schweizerischen Gewerbeverbandes der Kampf gegen neue und ungerechtfertigte Steuern, Gebühren und Abgaben ist. Bei der Billag-Vorlage ging es um eine neue Steuer. Sie führt nun zu einer Doppelbelastung der Unternehmungen, die ein Ausmass von bis zu 40 000 Franken pro Jahr erreichen kann, je nach Grösse des Betriebes. Dabei bezahlen die Arbeitnehmer bereits privat Gebühren. Wesentlicher Punkt war wahrscheinlich, dass wir mit der SRG ein Tabu-Thema aufgegriffen haben.
Interessant ist ja, dass während der Abstimmungskampagne die SRG, die Swisscom und Ringier hinter den Kulissen mit dem Segen des Bundesrates ihre Geschäftsinteressen wahrgenommen und eine neue Werbegesellschaft konzipiert haben, die zu Wettbewerbsverzerrungen im Medienmarkt führen wird. Letztlich wird damit die Medienvielfalt weiter in Frage gestellt. Das ist ein staatspolitisches Problem, das mir mit Blick auf unsere demokratische Meinungsbildung Sorge bereitet.

Dies ist ein Auszug aus einem Interview im Wochenmagazin ideaSpektrum Nr. 10-2017.

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