Sonntag • 29. November
Alt Bundesrat Christoph Blocher ganz persönlich
10. November 2020

"Bei elf Kindern mussten die Gebete kurz sein"

Alt Bundesrat Blocher:
Alt Bundesrat Blocher: "Habe viel Blödsinn gemacht; aber vieles ist auch gelungen." Foto: Andrea Vonlanthen

Herrliberg (idea) - Christoph Blocher (80) ist überzeugt, dass er mit seinem politischen Einsatz "eine enorme Fehlentwicklung" habe verhindern können. "Nicht alleine, aber massgeblich." Das sagte er in einem Interview mit dem Wochenmagazin ideaSpektrum. Dabei relativierte der Alt Bundesrat die eigene Leistung. Er sage nicht, er habe "es geschafft", sondern "es ist gelungen". Ob etwas Wichtiges gelinge, sei auch Zufall, Glück und nicht zuletzt Gnade Gottes. Rückblickend bereue er - der als Nein-Sager gilt - "zu wenig Nein" gesagt zu haben. Als Beispiel nennt er die Bilateralen Verträge. Blocher: "Heute werden wir damit von der EU erpresst. Es wäre besser herausgekommen, wenn wir Nein gesagt hätten."

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"Erlöst, weil Jesus auferstanden ist"

Nach seinem Befinden befragt, antwortete der Alt Bundesrat: "Alles hat seine Bedeutung, auch das Alter." Dass Sterben und Tod in unserer Gesellschaft Tabu-Themen sind, bedauert Christoph Blocher. Dabei müsse doch alles einmal sterben. Im idea-Interview verweist er auf ein biblisches Bild: "Das Samenkorn muss zuerst sterben, aber daraus wächst wieder etwas Neues. Das ist die biblische Botschaft: Wir sterben, aber wir sind erlöst, weil Jesus auferstanden ist." Angst vor dem Tod hat Christoph Blocher nicht. Weil sein Vater Pfarrer war, habe er schon als Kind einen natürlichen Bezug zum Sterben bekommen. Den herrschenden "Corona-Alarmismus" bedaure er sehr.

Ruhe-Gehalt besser sofort beziehen

Ausführlich geht Christoph Blocher ein auf die Verwerfungen wegen des nachträglich bezogenen Bundesrats-Ruhegehalts. Dabei habe er stets betont, auf eine jährliche Auszahlung zu verzichten, nicht aber auf den Anspruch auf das Ruhegehalt. In diesem Jahr habe er sich entschieden, das Geld zu beziehen. Dies sei ihm nun aus "politischen Gründen" streitig gemacht worden. Im Nachhinein sei es von ihm "nicht gerade weise gewesen, das Geld nicht sofort zu beziehen". Allerdings habe er stets an die ihm zugesicherte rechtliche Verpflichtung des Staates geglaubt.

Zuversichtlich bis in den Tod

Auf die Frage, wie intensiv er sich auf den Tod vorbereitet habe, antwortet der ehemalige Bundesrat: "Nicht gross. Der Tod wird kommen, und ich habe die Gewissheit, dass ich dann nicht verloren bin." Intensiv vorbereitet habe er sich aber in Bezug auf sein Unternehmen: "Da geht es um 3500 Mitarbeiter mit ihren Familien. Es muss weitergehen. Sie sollen nicht um ihren Lohn bangen." Persönlich halte er es wie der Apostel Paulus. Zwar gehe er zugrunde, "aber ich bin nicht verloren". Er könne zuversichtlich leben und sterben.

Von der Mutter beten gelernt

Die Mutter habe die elf Blocher-Kinder beten gelehrt, verrät Christoph Blocher: "Die Gebete mussten kurz sein, weil elf Gebete sonst zu lange gedauert hätten. So hat jedes einzelne gebetet: 'Ich danke dir für den heutigen Tag und dass du uns behütet hast. Amen'" Es stimme ihn dankbar, schon 80 Jahre leben zu dürfen, sagte der Politiker und Unternehmer im idea-Interview. Zwar habe er "viel Blödsinn gemacht", sei aber trotzdem gut durchs Leben gekommen; vieles sei gelungen. Für seine Familie sei er dankbar. Jeden Abend mache er es wie damals seine betende Mutter: "Der Dank an Gott steht im Mittelpunkt."

Im ausführlichen Interview im Wochenmagazin ideaSpektrum 46-20 geht es ausserdem um das Gleichnis vom Kamel und dem Nadelöhr, um Arme und Reiche, um das Verhältnis zu Jean Ziegler, Karl Barth, Ernst Sieber und darum, was gute Führung ist.