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Ist das Christentum friedlicher als der Islam?
27. März 2019

Asylgesuch aufgrund von Bibelversen abgelehnt

Auszug aus dem Brief der britischen Asylbehörde. Bild: Twitter von Nathan Stevens
Auszug aus dem Brief der britischen Asylbehörde. Bild: Twitter von Nathan Stevens

London (idea/dg) – Eine britische Asylbehörde begründete mit Bibelzitaten, dass das Christentum keine friedliche Religion sei. Ein iranischer Asylsuchender hatte in seinem Gesuch angegeben, sich aus dem Islam dem Christentum zugewendet zu haben. Darin hatte er angegeben: „Im Islam ist Gewalt, Wut und Rache. Dagegen spricht man im Christentum von Friede, Vergebung und Freundlichkeit.“ Teile einer Kopie des Briefes wurden durch Nathan Stevens, einem Mitarbeiter der National Secular Society NSS, veröffentlicht.

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Lehrt die Bibel Gewalt?

Der Behördenbrief zitiert Verse aus dem Alten und Neuen Testament:

  • aus Levitikus 26 „Ihr sollt eure Feinde jagen, und sie sollen vor euch her dem Schwert verfallen …“)
  • aus Matthäus 10 („Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert.“)
  • aus Exodus 34 („ Hüte dich, einen Bund zu schliessen mit den Bewohnern des Landes, in das du kommst, damit sie dir nicht zum Fallstrick werden in deiner Mitte; sondern ihre Altäre sollst du umstürzen und ihre Steinmale zerbrechen und ihre heiligen Pfähle umhauen.“)
  • Offenbarung 2,22-23 und 9,3ff

Diese biblischen Beispiele stimmten nicht mit der Behauptung des Asylsuchenden überein, sich einer friedvollen Religion zugewandt zu haben, schrieb die Behörde.

Kritik von säkularer Gesellschaft

Die National Secular Society kritisiert den Brief der Behörden scharf. „Krass und total unangebracht“ sei es, wenn theologische Argumente zur Ablehnung eines Asylgesuchs verwendet würden, zitiert die NSS ihren Direktor Stephan Evans. Die Behörden brauchen ein gutes Verständnis der geopolitischen Situation in der Herkunftsgegend der Asylsuchenden. Aber Aufrufe zu einem besseren Verständnis der aktuellen christlichen Main-Stream-Theologie verfehlen den Punkt. Theologie sollte kein Faktor in Asylentscheiden sein.“
Laut der Zeitschrift Church Times hatte der anglikanische Bischof von Durham, Paul Butler, die Unkenntnis biblischer Inhalte beklagt. Er sei extrem beunruhigt, dass ein Regierungsdepartement über die Zukunft eines Menschen aufgrund eines derart tiefen Missverständnisses von Texten und Praktiken von Glaubensgemeinschaften entscheiden könne.
Ein Sprecher des Departements reagierte laut Church Times: „Dieser Brief entspricht nicht unseren Regeln, wie wir Anträgen umgehen, die auf religiöser Verfolgung basieren, was auch die Bekehrung zu einer bestimmten Religion betrifft.“

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