Freitag • 18. Januar
Jair Bolsonaro
01. Januar 2019

Amtsantritt: Katholik mit Nähe zu Evangelikalen

Der neue Präsident Brasiliens, Jair Bolsonaro. Foto: picture-alliance/NurPhoto
Der neue Präsident Brasiliens, Jair Bolsonaro. Foto: picture-alliance/NurPhoto

Brasilia (idea) – Der neue Präsident Brasiliens, Jair Bolsonaro, der enge Beziehungen zu den Evangelikalen pflegt, hat am 1. Januar sein Amt angetreten. Der 63-Jährige ist zwar Mitglied der katholischen Kirche, hatte sich aber 2016 von einem pfingstkirchlichen Pastor im Jordan erneut taufen lassen. Seine Ehefrau gehört einer baptistischen Freikirche an, die er zehn Jahre lang selbst besucht hat. Seinen ersten Auftritt nach seiner Wahl hatte er Ende Oktober bei der Pfingstkirche „Vitoria em Cristo“ (Sieg mit Christus) in Rio de Janeiro. Dabei sagte deren Pastor Silas Malafaia laut einem Bericht der Katholischen Nachrichten-Agentur (kna): „Gott wird das Schicksal dieses Volkes zum Besseren lenken. Armut, Gewalt, Arbeitslosigkeit, Korruption – all diese Erscheinungen der Hölle – weg mit euch, im Namen Jesu!“ Medienberichten zufolge soll Bolsonaro seinen Wahlsieg vor allem den Evangelikalen verdanken. Sie sind eine stark wachsende Bewegung in Brasilien. Von den knapp 210 Millionen Einwohnern des einst katholisch dominierten Landes sollen inzwischen 30 Prozent Evangelikale sein. Laut dem Religionsforscher Reginaldo Prandi hat zwar ein Großteil der Evangelikalen Bolsonaro die Stimme gegeben, sie hätten aber nicht den Ausschlag für seinen Wahlsieg gegeben. Dafür hätten vielmehr Bürger gesorgt, die die Arbeiterpartei „nicht mehr an der Macht haben wollten“. Sie ist in zahlreiche Korruptionsskandale verstrickt. Bolsonaro hat angekündigt, Korruption und Kriminalität bekämpfen sowie die Wirtschaft ankurbeln zu wollen. Zu seinem Kabinett gehört der Anti-Korruptionsermittler Sergio Moro. Die Gewalt im größten Land Südamerikas hat ein riesiges Ausmaß: 2017 wurden über 63.000 Menschen getötet. Zum Vergleich: In Deutschland gibt es jährlich 730 Tötungsdelikte.

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Familienministerin lehnt Abtreibung und Gender-Ideologie strikt ab

Ministerin für Frauen, Familien und Menschenrechte ist die evangelikale Pastorin Damares Alves. Sie gilt als strikte Gegnerin der Abtreibung und der Gender-Ideologie. Deutsche Medien warnen massiv vor Bolsonaro. Sie sehen in ihm eine Gefahr für die Demokratie und werfen ihm vor, rechtsextrem, frauen- und homosexuellenfeindlich zu sein. Die Süddeutsche Zeitung bezeichnete die Ministerriege als „Gruselkabinett“. Bolsonaro hatte nach seiner Wahl angekündigt: „Meine Regierung wird die Verfassung, die Demokratie und die Freiheit verteidigen. Dies ist ein Versprechen und ein Schwur vor Gott.“

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