15. November 2017

1517 auseinander, 2017 zueinander

Pfarrer, Priester und Pastoren reichen sich die Hände

Priester, Pfarrer, Pastoren: Gemeinsamer Gottesdienst in Winterthur. Foto: zvg
Priester, Pfarrer, Pastoren: Gemeinsamer Gottesdienst in Winterthur. Foto: zvg

Winterthur (idea) - So etwas hat es in Winterthur - ja vielleicht in keiner anderen Stadt der Schweiz - jemals zuvor gegeben. 45 Vertreter aller christlichen Kirchen und Gemeinschaften reichten sich am 14. November im Rahmen eines Gottesdienstes in der reformierten Kirche Veltheim die Hände. Wie Andi Kleeli von der Evangelischen Allianz, sagt, seien es bewegende Momente gewesen. Am Ende des Gottesdienstes, zu dem Seelsorgerinnen und Seelsorger, Pfarrer und Pastoren eingeladen worden waren, standen die Repräsentanten der unterschiedlichen Denominationen und Konfessionen im Kreis um den Taufstein, beteten für die Stadt, sprachen einander Segen zu und brachen das sogenannte "Friedensbrot" miteinander. Diese Brote hatten die Form einer Traube, sodass die "Frucht" gemeinsam genossen werden konnte.

Gegenseitig Vergebung und Annahme zugesprochen

Im ersten Teil des Gottesdienstes hatte je ein Vertreter der beiden Grosskirchen sowie der Freikirchen die anderen Konfessionen um Vergebung gebeten für Spaltungen, Gewaltanwendung, Arroganz und Verurteilungen in der Vergangenheit. Dabei wurde betont, dass alle christlichen Kirchen in Jesus Christus das gleiche Zentrum haben und sich im "Essen vom Brot des Lebens" immer wieder treffen. Mit einem gemeinsamen Mittagessen im Anschluss wurde der partnerschaftliche Austausch weiter gefestigt. Dieser Gottesdienst der kirchlichen Mitarbeitenden war ein Markstein in einem längeren Prozess der gegenseitigen Annäherung. Dies im Blick auf den ökumenischen Stadtgottesdienst, der am Bettag 2018 durchgeführt werden soll.

SEA und die Zusammenarbeit mit Katholiken

Im Mai dieses Jahres veröffentlichte die Schweizerische Evangelische Allianz das Arbeitspapier "Das Verhältnis der SEA zur römisch-katholischen Kirche". Das Papier dient als Diskussionsgrundlage und Handreichung dafür, wie die Zusammenarbeit der SEA-Mitgliedkirchen mit lokalen römisch-katholischen Pfarreien gestaltet werden kann, zumal die bestehenden Lehrunterschiede doch erheblich sind. Die SEA empfiehlt ihren Sektionen, auf lokaler Ebene das Miteinander aller christlichen Kirchen zu suchen und Beziehungen zu pflegen. In welcher Intensität die Zusammenarbeit gesucht wird, sieht die SEA als abhängig von der lokalen Situation. Eine äusserlich sichtbare und strukturelle Einheit müsse aus der inneren geistlich-theologischen Einheit erwachsen. Und diese benötige Räume, in denen sie erlebt und gepflegt werden könne. Inwieweit aus solchen Beziehungen gemeinsames Gebet, Aktionen oder Projekte entstehen, müsse aus der gegebenen Situation heraus von den jeweiligen Leitungspersonen entschieden werden.

Winterthurer Kirchen bauen neue Plattform auf

In Winterthur ist man in dieser Hinsicht schon weit. Es geht hier nicht um die Aufnahme von katholischen Pfarreien in die Evangelische Allianz, sondern um die Gestaltung einer neuen Organisationsform. Als Nächstes wird die "Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen Winterthur" reorganisiert. Sie soll in Zukunft die gemeinsame Plattform für gesamtstädtische ökumenische Anlässe und Initiativen bilden. Bereits geplant sind ein Auftritt an der "Wintimäss", das Friedensgebet im Januar und ein Openair-Gottesdienst am Bettag 2018. Noch einmal Andi Kleeli: "Entscheidend ist der Boden der Vergebung und des Vertrauens, den wir mehr und mehr festigen wollen."