13. August 2019

Bedeutung alttestamentlicher Gesetze für Christen

Leben mit dem Gesetz?

Bild: idea/David Gysel
Bild: idea/David Gysel

Gesetzlichkeit gilt unter Christen nicht als löbliche Charaktereigenschaft. Gesetzlich ist, wer meint, durch seine guten Werke in den Himmel zu kommen. Demgegenüber lehrt das Neue Testament den Glauben, nicht die Werke als Weg zu Gott. So fällt es vielen Christen schwer, mit dem alttestamentlichen Gesetz heute noch etwas anzufangen. Dass man gemäss 3. Mose 19,18 den Nächsten lieben soll wie sich selbst, leuchtet ja ein, aber warum soll man wie in 5. Mose 22,11 verordnet kein Kleid anziehen dürfen, in welchem Wolle und Leinen gemischt sind? Was ist die bleibende Bedeutung des alttestamentlichen Gesetzes für uns Christen?

Das Gesetz schafft nicht Leben

Ein neutestamentlicher Schlüsseltext dazu findet sich in Galater 3,15-26. Paulus argumentiert, dass Abraham schon vor dem mosaischen Gesetz aufgrund seines Glaubens die Verheissung Gottes empfangen hat (1. Mose 12,1-3). Diese Verheissung beinhaltet einen Nachkommen und Landbesitz. Das mosaische Gesetz ist erst später gegeben worden, nicht um Leben zu schaffen, sondern um der menschlichen Sünde willen, bis sich die Abrahamsverheissung in Christus erfüllt. Weil dies nun in Christus geschehen ist, sind wir nicht mehr unter dem Gesetz.

Um die Bedeutung des Gesetzes im Alten Testament recht zu verstehen, ist es wichtig, zu sehen, an welcher Stelle in der Geschichte Gottes mit Israel das mosaische Gesetz eigentlich gegeben wird. Der Schöpfungssegen aus 1. Mose 1,28 („Seid fruchtbar und mehret euch …“) beginnt sich an Israel inmitten der Sklaverei in Ägypten zu erfüllen (2. Mose 1,7). Doch aufgrund dieses Segens beginnen die Ägypter, Israel noch stärker zu bedrücken. Gott aber hört ihr Schreien und beginnt, den Bund mit Abraham zu erfüllen (2. Mose 2,24). Wichtig: In Ägypten haben die Israeliten kein Gesetz. Sie sind entrechtet.

Das Gesetz setzt die Befreiung voraus

Bis Gott Israel dann am Sinai das Gesetz gibt, geschieht einiges: Gott befreit Israel aus der Sklaverei, er entreisst sie der Hand des Pharao, führt sie durchs Schilfmeer und begegnet schliesslich seinem Volk am Sinai, um mit ihm einen Bund zu schliessen. Das Gesetz ist Bestandteil dieses Bundesschlusses. An den Anfang werden die Zehn Gebote gesetzt. Man könnte es vergleichen mit Verfassung und Gesetz: Die Zehn Gebote formulieren die Grundsätze des Bundes und diese werden dann in Fallbeispielen konkretisiert. Über den Zehn Geboten als Bundesverfassung steht eine Präambel: „Ich bin der HERR, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland aus der Knechtschaft geführt habe“ (2. Mose 20,2).

Diese Ereignisabfolge macht zwei Dinge deutlich: Erstens ist das Gesetz von Anfang an keine Voraussetzung dafür, dass Gott sein Volk befreit. Er sagt nicht: Haltet zuerst einmal das Gesetz, und wenn ihr das perfekt schafft, dann hole ich euch aus Ägypten. Sondern er errettet Israel und gibt erst dann das Gesetz. Das bedeutet zweitens auch: Das Gesetz ist kein Gegensatz zu Freiheit. Vielmehr setzt das Gesetz die Befreiung aus Knechtschaft voraus. Es verhindert Versklavung und Unterdrückung durch fremde Herrscher, denn es schützt die Schwachen vor Gewalt und Unterdrückung durch die Mächtigen (2. Mose 22,20-26; 23,1-9). (Autor: Benjamin Kilchör)

Den vollständigen Artikel, auch zum Zusammenhang des Gesetzes mit der neuen Schöpfung Gottes, die in Jesus seinen Anfang nahm, finden Sie im ideaSpektrum 33.2019.