13. Februar 2020

Pro und Kontra

Kinder aus dem überfüllten Flüchtlingslager Moria aufnehmen?

Im Lager Moria leben über 20.000 Flüchtlinge unter verheerenden sanitären Verhältnissen. Foto: Uwe Heimowski
Im Lager Moria leben über 20.000 Flüchtlinge unter verheerenden sanitären Verhältnissen. Foto: Uwe Heimowski

Wetzlar (idea) – Das Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Mittelmeerinsel Lesbos ist völlig überfüllt. Über 20.000 Flüchtlinge leben dort unter katastrophalen Verhältnissen. Der Vorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, Robert Habeck, hat deshalb vorgeschlagen, bis zu 4.000 Kinder aus dem Lager nach Deutschland zu holen. Ist das eine gute Idee? Dazu äußern sich zwei evangelische Bundestagsabgeordnete in einem Pro und Kontra.

Pro: „Wenn wir noch länger zögern, werden noch mehr Kinder traumatisiert“

Für eine Aufnahme von Flüchtlingskindern plädiert der CDU-Parlamentarier Frank Heinrich (Chemnitz), der das Lager Ende Januar besucht hat. Er sei sich dort vorgekommen wie in einem Slum in der Dritten Welt. Dort gebe es knöcheltiefen Schlamm, zerrissene Zelte bei nachts nahe null Grad und so gut wie keine medizinische Versorgung: „Unglaublich, dass wir solche Zustände auf dem Boden der EU zulassen!“

Heinrich appelliert an die griechischen Behörden, die geflossenen EU-Mittel in vollem Umfang für die Unterbringung vor allem von besonders Schutzbedürftigen einzusetzen. Deutschland solle noch deutlicher klarstellen: „Wir sind Teil einer Lösung, wenn sich auch andere EU-Länder beteiligen.“

Der Politiker plädiert für kreative (Kontingent-)Lösungen, wie es Baden-Württemberg bei der Aufnahme von Jesidinnen vorgemacht habe. Heinrich: „Wenn wir noch länger zögern, werden noch mehr Kinder und Jugendliche traumatisiert.“ Der 56-jährige ehemalige Heilsarmee-Offizier (Pastor) gehört auch zum Hauptvorstand der Deutschen Evangelischen Allianz.

Kontra: Aufnahme von Flüchtlingskindern ist keine dauerhafte Lösung

Die Gegenposition vertritt der FDP-Abgeordnete Pascal Kober (Reutlingen). Nach seinen Worten wäre die Aufnahme von Kindern aus dem Lager keine dauerhafte Lösung: „Sie würde davon ablenken, dass die Zustände für alle dort lebenden Menschen eine Katastrophe sind.“ Das gelte für Kinder genauso wie für Erwachsene. Es könne nicht sein, „dass sich eine so reiche Europäische Union erlaubt, solch menschenunwürdiges Leben zu dulden“.

Die bloße Aufnahme von Kindern gliche aber einem Freikauf aus dieser Pflicht. Ein solcher Schritt wäre laut Kober auch nur die Bekämpfung von Symptomen und führte dazu, dass weitere Menschen den gefährlichen Weg über das Mittelmeer oder durch Kriegs- und Krisengebiete auf sich nehmen. Für eine nachhaltige Lösung müsse man die Migration besser steuern, „denn am Ende werden wir nicht jeden aufnehmen können, der aus welchen Gründen auch immer nach Europa will“.

Kober zufolge müsste es möglich sein, einen Antrag auf Asyl im jeweiligen Herkunftsland oder zumindest vor der gefährlichen Überquerung des Mittelmeers zu stellen. Der 48-jährige Kober ist Pfarrer der württembergischen Landeskirche und war Militärseelsorger.