09. Februar 2019

Publicon

Ex-Bundespräsident Wulff: Die Digitalisierung spaltet die Gesellschaft

Der frühere Bundespräsident Christian Wulff bei der Medientagung Publicon. Foto: Jonathan Steinert/Christliches Medienmagazin pro
Der frühere Bundespräsident Christian Wulff bei der Medientagung Publicon. Foto: Jonathan Steinert/Christliches Medienmagazin pro

Kassel (idea) - Eine zunehmende Spaltung der Gesellschaft beobachtet der frühere Bundespräsident Christian Wulff. „Ich mache mir Sorgen über das Missverhältnis der objektiv wirtschaftlich sehr guten Lage und den subjektiven Untergangsszenarien“, sagte er am 9. Februar in Kassel bei der Medientagung Publicon. Einen Grund dafür sieht Wulff in der Digitalisierung. Sie habe es ermöglicht, dass über digitale Kanäle mitunter gezielte Desinformationen gestreut würden. Eine umso größere Bedeutung komme den klassischen Medien zu: „Die gedruckte Zeitung wird auch in Zukunft Relevanz haben.“ Allerdings müsse dafür in der Gesellschaft das Bewusstsein wachsen, dass Qualitätsjournalismus etwas kostet. Printprodukte seien nicht nur glaubwürdiger als Nachrichten aus Sozialen Medien. Studien hätten auch ergeben, dass Leser Texte besser behielten und deren Wortschatz profitiere, wenn sie gedruckte Zeitungen lesen.

Wunsch an die Medien: Kritik ja, aber bitte keine Häme!

Sorgen bereitet Wulff eine schwindende Wertschätzung der Medien für Personen in öffentlicher Verantwortung. Wer sich klar positioniere, habe „eine Garantie, in der heute-show versemmelt, aber nicht im heute-journal gelobt zu werden“. Mitunter kritisierten Journalisten Amtsträger geradezu hämisch, so Wulff. Dabei gelte Artikel 1 des Grundgesetzes, wonach die Würde des Menschen unantastbar ist, auch für Politiker. Wenn er sich etwas wünschen dürfte, dann, dass in möglichst vielen Redaktionen neben Artikel 1 des Grundgesetzes auch der Satz Jesu aufgehängt wäre „Wer von euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein“.

„Multikulti ist gescheitert“

Wulff warb für eine offene und bunte Gesellschaft. Vielfalt habe Deutschland stark gemacht. Allerdings brauche es dafür klare Bedingungen und Regeln. Ein reines Nebeneinander funktioniere nicht: „Dieses Multikulti ist nach meiner Überzeugung gescheitert.“ Für den Umgang mit Zuwanderern führte Wulff das Gleichnis vom Barmherzigen Samariter an: „Natürlich muss ich mich immer fragen, was es mich an Zeit und Geld kostet, einem anderen zu helfen. Aber ich muss auch fragen, was es für den anderen bedeutet, wenn ich ihm nicht helfe.“ Ferner plädierte der ehemalige Bundespräsident für einen gesunden Patriotismus. Die Heimat als etwas Schützenswertes und als notwendigen Anker zu verteidigen, habe er selbst lange unterschätzt. Vaterlandsliebe sei aber etwas anderes als Nationalismus: „Das ist etwas Brandgefährliches.“ In Europa brauche es Kompromisse statt einer Mentalität „des ich, ich, ich“. Veranstalter der Publicon war der Christliche Medienverbund KEP (Wetzlar).