23. Juli 2019

Beruf

Die Zukunft der Arbeit: Der Sinn wird wichtiger

Für immer mehr Menschen möchten, dass ihre Arbeit einen Sinn ergibt und sie bei der Arbeitsgestaltung mitbestimmen können. Symbolfoto: pixabay.com
Für immer mehr Menschen möchten, dass ihre Arbeit einen Sinn ergibt und sie bei der Arbeitsgestaltung mitbestimmen können. Symbolfoto: pixabay.com

Frankfurt am Main (idea) – Das Verhältnis der Menschen zur Arbeit verändert sich. Viele wollen ihr Leben nicht mehr der Arbeit unterordnen. Das geht aus dem 52-seitigen Verlagsspezial „New Work. Die Zukunft der Arbeit“ der Frankfurter Allgemeinen Zeitung hervor. In einem Beitrag unter dem Titel „Neue Arbeitswelt: Wir haben die Freiheit“ schreibt der Journalist Birk Grüling, dass regulierte Arbeitsstrukturen und starre Hierarchien immer mehr zu Relikten würden. Der Professor für Organisationspsychologie an der Technischen Universität Chemnitz, Bertolt Meyer, beobachtet einen Wertewandel: „Der Sinn von Arbeit wird wichtiger.“ Dazu gehöre auch der Wunsch nach Mitbestimmung und Autonomie bei der Arbeitsgestaltung.

Es müssen Wege aus der „digitalen Dauerkommunikation“ gefunden werden

Gleichzeitig nähmen psychische Erkrankungen zu. Es müsse in Unternehmen darum mehr in die Gesundheitsprävention investiert werden, so Meyer: „Nur gesund können die Menschen lange und erfüllt arbeiten.“ Dazu gehöre auch, Wege aus einer „digitalen Dauerkommunikation“ und der ständigen Erreichbarkeit zu finden: „Wenn Privatleben und Arbeit ständig konkurrieren, steigt der psychische Druck. Ich kann vielleicht Homeoffice machen, trotzdem gehe ich mit dem schlechten Gefühl ins Bett, mehr arbeiten zu müssen.“ In den letzten zehn Jahren hat sich dem Beitrag zufolge die Zahl der Krankentage wegen psychischer Probleme verdoppelt. Dadurch seien der Wirtschaft Ausfallkosten von jährlich 33,9 Milliarden Euro entstanden.

Gefestigte Persönlichkeiten können Antworten auf die großen Lebensfragen geben

Der Jesuit und Philosophieprofessor Michael Bordt (München) sagte in einem Interview in dem Spezial, dass die Methoden des Jesuitenordens aktueller denn je seien. Es gehe darum, sich in einer volatilen, unsicheren, komplexen und mehrdeutigen Umgebung, der sogenannten VUCA-Welt, zurechtzufinden. Diese beeinflusse die Persönlichkeit des Menschen: „Dem Standhalten und Agieren kann nur, wer über eine gefestigte Persönlichkeit verfügt.“ An dem Punkt setze er bei der Beratung von Führungskräften an. Dazu gehöre, Antworten auf die großen Lebensfragen geben zu können: „Warum lebe ich hier auf Erden? Warum tue ich das, was ich tue?“ Wer diese Fragen für sich beantworten könne, „hat den nötigen Fokus, um sich in der VUCA-Welt erfolgreich zu bewegen“. Als Leiter im digitalen Zeitalter sei geeignet, wer mit sich selbst im Reinen sei und über ein hohes Maß an Selbstreflektion verfüge, so Bordt.