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Kommentar
12. Februar 2017

Wir brauchen dringend eine grundsätzliche Debatte über Abtreibungen!

Thomas Börner wird die Capio-Elbe-Jeetzel-Klinik in Dannenberg verlassen. Fotos: picture-alliance/Philipp Schulze/dpa; Privat
Thomas Börner wird die Capio-Elbe-Jeetzel-Klinik in Dannenberg verlassen. Fotos: picture-alliance/Philipp Schulze/dpa; Privat

Der Chefarzt in einem norddeutschen Krankenhaus hatte entschieden, dass in seiner Abteilung keine Abtreibungen vorgenommen werden – weder von ihm noch von den anderen Ärzten der Abteilung. Letzteres stieß in den Medien, bei Verbänden wie „Pro Familia“ und der Politik auf Kritik. Auch die Konzernleitung lehnte dies ab. Deswegen wird der bekennende Christ Thomas Börner die Capio-Elbe-Jeetzel-Klinik in Dannenberg (Niedersachsen) verlassen. Aus diesem Anlass ein Kommentar von Daniela Städter.

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Das Bundesverwaltungsgericht hat vor wenigen Tagen die geplante Vertiefung der Elbe bis auf Weiteres verboten. Der Grund: Es hält die Schutzmaßnahmen für den Schierlings-Wasserfenchel (eine vom Aussterben bedrohte Pflanzenart) für nicht ausreichend. In Limburg stört sich eine Veganerin an dem Lied „Fuchs, du hast die Gans gestohlen“ – die Stadt streicht es aus dem Glockenspiel des Rathauses. Und dann ist da ein Chefarzt, der sagt: Ich will keine Ungeborenen töten und lege diese ethische Richtlinie auch für meine Abteilung fest. Er wird durch die Medienmangel gedreht, die Politik droht, der Konzern verweigert die Rückendeckung – was rein rechtlich betrachtet nicht zu beanstanden ist – und der Arzt verlässt die Klinik, weil es bei Fragen um Leben und Tod für ihn keine Kompromisse gibt. Stimmen hier die ethischen Maßstäbe? Schierlings-Wasserfenchel schützen, Embryonen nicht?

Und trotzdem geht kein Aufschrei durch das Land

100.000 Embryonen werden jedes Jahr offiziellen Statistiken zufolge abgetrieben – die Dunkelziffer dürfte viel höher sein. Mehr als 90 Prozent aller ungeborenen Kinder mit Downsyndrom werden getötet. Weil die werdenden Eltern kein behindertes Kind wollen und es ausselektieren; weil eine Gesellschaft, die sonst so viel daran setzt, inklusiv zu sein, den Mutterleib und Embryonen davon ausnimmt. Und trotzdem geht kein Aufschrei durch das Land. Embryonen haben keine Lobby. Aber genau die brauchen wir. Dringend nötig ist eine breite Debatte über den Beginn des Lebens und den Wert ungeborener Kinder. Auch die evangelische Kirche und die meisten evangelischen Freikirchen schweigen dazu.

Es gibt kein Recht auf Abtreibung

Die Fakten müssen zurück in das gesellschaftliche Bewusstsein: Abtreibung ist in Deutschland rechtswidrig; es gibt kein Recht darauf; stattdessen hat das Ungeborene ein Recht auf Leben. Das Bundesverfassungsgericht hat am 28. Mai 1993 zudem entschieden, dass der Staat erkennbar für den Schutz ungeborener Kinder eintreten muss und dass öffentlich-rechtlicher wie privater Rundfunk eine Schutzaufgabe gegenüber dem ungeborenen Leben haben.

Diese Haltung verdient höchsten Respekt

Das Urteil interessierte den NDR in der Börner-Debatte aber nicht. Statt etwa einen Lebensschützer zu Wort kommen zu lassen, fabulierten eine Pro-Familia-Vertreterin und ein NDR-Moderator vom Recht auf Abtreibung. In einer Meldung vom 7. Februar auf seiner Internetseite bezieht der NDR klar Position und nennt es eine „für die betroffenen Frauen erfreuliche Entwicklung“, dass in Bremerhaven in einer neuen kommunalen Klinik nun nicht mehr die katholische Kirche entscheidet und somit jetzt Abtreibungen möglich sind. Wie passt das mit dem Programmauftrag zusammen, objektiv zu berichten? Gar nicht. Es ist darum höchste Zeit, aktiv zu werden: Unterstützen Sie Organisationen, die Schwangere beraten und ihnen konkrete Hilfe für sie und ihr Kind anbieten; bitten Sie Ihre Bundes- und Landtagsabgeordneten, sich des Themas anzunehmen und teilen Sie dem NDR Ihre Kritik mit. Gut, dass es so mutige und standhafte Menschen wie Thomas Börner gibt. Seine Haltung verdient höchsten Respekt.

(Die Autorin, Daniela Städter, ist Redaktionsleiterin der Evangelischen Nachrichtenagentur idea (Wetzlar).)

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