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Imran Khan
02. August 2018

Wahlausgang in Pakistan: Christen und Menschenrechtler besorgt

Der neue Ministerpräsident Pakistans, Imran Khan. Foto: picture-alliance/ZUMA Press
Der neue Ministerpräsident Pakistans, Imran Khan. Foto: picture-alliance/ZUMA Press

Islamabad/Kelkheim/Göttingen (idea) – Christen in Pakistan und Menschenrechtsorganisationen befürchten nach dem Ausgang der dortigen Parlamentswahl, dass sich die Lage religiöser Minderheiten weiter verschärfen könnte. Neuer Ministerpräsident wird der ehemalige Cricket-Star Imran Khan. Er erklärte nach der Wahl in einer Ansprache an die Nation, seine bevorzugte Regierungsform sei „der islamische Staat, wie er vom Propheten Mohammed in Medina gegründet wurde“. Zuvor hatte Khan wiederholt geäußert, dass er die Blasphemiegesetzgebung unterstütze. Sie sieht bei abwertenden Äußerungen über den Islam oder dessen Propheten Mohammed lebenslange Haft oder die Todesstrafe vor. Vor allem Islamisten nutzen die Regelung, um Andersdenkende und Angehörige religiöser Minderheiten – etwa Christen – zu tyrannisieren. Open Doors Deutschland (Kelkheim bei Frankfurt am Main) veröffentlichte am 1. August Stellungnahmen christlicher Repräsentanten in Pakistan zum Wahlausgang, nannte aber aus Sicherheitsgründen nicht ihre Namen. Ein leitender Vertreter erklärte: „Es hat schon immer Schwierigkeiten gegeben. Aber während vergangene Regierungen die Mullahs mit Samthandschuhen anfassten, streckt ihnen die jetzige beide Hände entgegen.“ Der Direktor eines Partnerwerkes von Open Doors äußerte: „Jetzt ist ein Mann an der Macht, der tief verwurzelt ist in genau dem Extremismus, der die Christen seit Jahrzehnten quält. Und doch hat Gott es zugelassen. So kann es die Kirche nur voranbringen.“ Im Vorfeld der Wahl hatte es Drohungen gegen Christen gegeben. Laut Open Doors erhielten sie über die sozialen Medien Nachrichten wie: „Ihr täuscht die Menschen mit euren falschen christlichen Lehren. Wir werden euch nicht dulden. Wir werden euch fertigmachen.“

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Menschenrechtler: Unter Khan kein Schutz für Christen vor islamistischer Gewalt

Laut der Gesellschaft für bedrohte Völker (Göttingen) strebt Khan einen islamischen Wohlfahrtsstaat an, in dem religiöse Minderheiten nur geduldet seien. Sie und auch ethnische Minoritäten hätten nichts Gutes zu erwarten. „Mit diesem neuen Ministerpräsidenten wird es keine Liberalisierung der drakonischen Blasphemievorschriften und keinen wirksamen Schutz von Christen vor islamistischer Gewalt geben“, sagte der Direktor der Menschenrechtsorganisation, Ulrich Delius. Der frühere Playboy sei in den vergangenen Jahren immer religiöser geworden und stehe heute streng islamischen Parteien nahe. Von den 208 Millionen Einwohnern Pakistans sind etwa 95 Prozent Muslime, zwei Prozent Christen sowie zwei Prozent Hindus.

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