Sonntag • 21. April
Neuenburger Pastor von Staatsanwaltschaft angehört
12. April 2019

Unterstützung für Norbert Valley

Norbert Valley vor dem Denkmal des Neuenburger Reformators Wilhelm Farel. Bild: Serge Carrel/lafree.info
Norbert Valley vor dem Denkmal des Neuenburger Reformators Wilhelm Farel. Bild: Serge Carrel/lafree.info

Neuenurg (idea/dg) – Norbert Valley (63), Pastor des Westschweizer Gemeindeverbandes FREE, war am 11. April von der Neuenburger Staatsanwaltschaft angehört worden. Er wehrt sich gegen eine Busse von 1000 Franken, die am August 2018 gegen ihn ausgesprochen worden war. Er hatte einem abgewiesenen Asylbewerber Unterschlupf gewährt. Nun wird ihm die Förderung illegalen Aufenthalts vorgeworfen. Die Polizei hat ihn während eines Gottesdienstes aufgesucht.  

ANZEIGE

„Ich habe den Eindruck, dass ich gehört wurde“, meinte Norbert Valley gegenüber lafree.info nach der Anhörung durch die Staatsanwaltschaft. Das Verfahren müsste jetzt eingestellt werden, erklärte sein Anwalt Olivier Bigler. Man müsse aber drei bis vier Wochen warten. Falls das Verfahren nicht eingestellt wird, ist Norbert Valley gewillt, durch alle Instanzen bis an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte zu gehen, um zu zeigen, dass die Nächstenliebe eines Pastors und Bürgers normal und legal sei. 

Unterstützungsdemo von Amnesty International

Amnesty International organisierte vor der Anhörung eine Solidaritätsaktion beim Denkmal des Reformators Wilhelm Farel. Rund 80 Personen nahmen teil. Norbert Valley berief sich bei der Manifestation auf die Reformatoren, welche die Religions- und Gewissensfreiheit eingeführt hätten. „Heute Menschen zu verurteilen, die handeln, um das Gute zu tun, heisst sie zu hindern, nach ihrem eigenen Gewissen zu handeln.“ Die Nächstenliebe gehöre zu den Grundwerten Jesu. Norbert Valley berief sich bei der Manifestation auch auf die Bundesverfassung, die zur Hilfe für den anhält, der „in Not gerät und nicht in der Lage ist, für sich zu sorgen“. Das neue Ausländer-Gesetz hindere, die Verfassung auszuführen und sei deshalb verfassungswidrig. „Der Prophet Jesaja kündigte Zeiten an, in denen das Böse gut und das Gute böse genannt würde. Wir sind jetzt da. Wir müssen kämpfen.“ Er sei nur das Symptom eines grösseren Übels, das hunderte von verurteilten Personen betreffe. Er sei auch in ihrem Namen da.

Untergetauchter Asylbewerber am Rand der Demonstration

Am Rande der Manifestation tauchte auch der Togolese auf, dessen Beherbung das Strafverfahren ausgelöst hatte. „Ich fühle mich schuldig für alles, was dem Pastor begegnet“, meinte er gegenüber lafree.fr. „Wenn ich noch am Leben bin, ist es, weil mich die evangelische Freikirche von Le Locle mich aufgenommen hat.“ Der Togolese ist untergetaucht und lebt weiterhin in der Schweiz. Er befürchtet, bei einer allfälligen Rückkehr in den Togo umgebracht zu werden.

Diskutieren

Die Kommentarfunktion für diesen Beitrag ist geschlossen. Nach dem Erscheinen eines Artikels kann dieser 48 Stunden kommentiert werden.