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Chinas Kommunisten
24. November 2020

Propagandazentren in Kirchengebäuden eröffnet

In der rund 1,4 Mi lliarden Einwohner zählenden Volksrepublik China leben nach Schätzungen bis zu 130 Millionen Christen. Foto: pixabay.com
In der rund 1,4 Mi lliarden Einwohner zählenden Volksrepublik China leben nach Schätzungen bis zu 130 Millionen Christen. Foto: pixabay.com

Peking (idea) – In China errichtet die Kommunistische Partei immer mehr Kultur- und Propagandazentren. Dafür werden auch Kirchengebäude beschlagnahmt. Das berichtet das Internetmagazin „Bitter Winter“ (Turin). In den Zentren sollen die ideologischen Positionen der Partei vermittelt und Religionen auf diese Weise verdrängt werden.

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Dem Magazin zufolge sind allein in den ländlichen Gebieten der Provinz Zhejiang zwischen 2013 und 2020 über 10.000 solcher Kulturzentren eröffnet worden. Beim Bau eines solchen Zentrums in Sanjie direkt neben einer Kirche habe ein Beamter erklärt, dass die Kommunistische Partei die Dorfbevölkerung von sich überzeugen müsse.

Da ein offenes Vorgehen gegen Religionen ein negatives Bild erzeuge, müsse man sich bemühen, „den Raum für Religion zu verkleinern“. Einem Christen aus Sanjie zufolge ziehen mittlerweile einige Bewohner die Kulturzentren dem Kirchenbesuch vor, um dort Filme zu schauen oder zu tanzen.

Kirchen müssen Propagandamaterial in ihren Räumen aufhängen

Wie „Bitter Winter“ außerdem berichtet, werden Gemeinden immer wieder dazu gezwungen, Kirchenräume für Propagandazentren zur Verfügung zu stellen. Erst am 6. November sei ein solches Zentrum mit über 100 Plakaten kommunistischer Führer Chinas im zweiten Stock einer Drei-Selbst-Kirche in Daitou (Provinz Fujian) eingeweiht worden.

100 Regierungsvertreter nahmen daran teil. Der Geistliche sei gezwungen worden, Geschichten über den früheren chinesischen Staatspräsidenten Tse-tung (1893–1976) in seine Predigt zu integrieren. Ein Gemeindemitglied sagte „Bitter Winter“ dazu: „Wir wagen es nicht, diese Propagandamaterialien abzulehnen. Aus Angst, dass die Regierung unsere Versammlungen verbieten wird.“

Kirchen werden laut dem Magazin öfter dazu gezwungen, Propagandamaterial in ihren Räumlichkeiten aufzuhängen – etwa ein Porträt des Staatspräsidenten Xi Jinping, Flaggen oder Banner mit kommunistischen Grundsätzen.

In der rund 1,4 Milliarden Einwohner zählenden Volksrepublik China leben nach Schätzungen bis zu 130 Millionen Christen. Davon trifft sich ein großer Teil in staatlich nichtregistrierten Gemeinden. Zum Vergleich: Die Kommunistische Partei hat 83 Millionen Mitglieder.