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Islamabad
29. Januar 2019

Pakistan: Oberstes Gericht bestätigt Freispruch Asia Bibis

Die Katholikin Asia Bibi. Archivfoto: Asianews
Die Katholikin Asia Bibi. Archivfoto: Asianews

Islamabad (idea) – In Pakistan hat das Oberste Gericht in Islamabad in einem Anhörungstermin den Berufungsantrag gegen den Freispruch Asia Bibis für unzulässig erklärt. Das bestätigte die Anwältin und Leiterin einer Partnerorganisation der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM/Frankfurt am Main), Aneeqa Anthony (Lahore), gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. Die Katholikin war 2010 in Pakistan zum Tode verurteilt worden. Die Mutter von fünf Kindern soll als „Ungläubige“ durch Berührung eines Gefäßes das Wasser für muslimische Feldarbeiterinnen verunreinigt und sich im Streit beleidigend über den Propheten Mohammed geäußert haben. Das Oberste Gericht hob das Urteil im Oktober 2018 mit der Begründung auf, die Vorwürfe gegen sie seien juristisch schwach begründet. Die Entscheidung löste gewalttätige Proteste radikaler Muslime aus. Es kommt immer wieder zu Demonstrationen, bei denen Teilnehmer Plakate mit der Aufschrift „Hängt Asia“ tragen. Die Menschenrechtlerin Anthony glaubt nicht an erneut ausbrechende Proteste nach der Anhörung: „Die pakistanische Regierung kontrolliert die Lage sehr streng. Es wird also keine Unruhen mehr geben.“ Bibi und ihr Mann Ashiq mussten sich nach dem ersten Urteil versteckt halten und durften nicht ausreisen. Laut Anthony sollte sich das bald ändern: „Es gibt Gerüchte, dass Asia jetzt nach Kanada gehen wird. Wir werden sehen, in welche Richtung der Wind weht.“ Neben Kanada haben auch Deutschland, Frankreich und Italien sich bereiterklärt, Bibi aufzunehmen.

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Prozess war immer wieder vertagt worden

Der Fall Bibi hatte international Aufsehen erregt. 2011 war der Gouverneur der Provinz Punjab, Salman Taseer, von seinem Leibwächter Mumtaz Qadri erschossen worden, weil er sich für die Begnadigung von Bibi und eine Reform des Blasphemiegesetzes eingesetzt hatte. Der Attentäter wurde zwar zum Tode verurteilt und gehängt, wird aber seitdem verehrt. Eine 2014 gebaute Moschee trägt nach IGFM-Informationen seinen Namen. Der Richter, der Qadri zum Tode verurteilt hatte, musste laut IGFM aufgrund der Bedrohung durch Extremisten mit seiner Familie ins Exil nach Saudi-Arabien gehen. Seit das Oberste Gericht Pakistans im Juli 2015 eine Berufung gegen das Urteil zuließ, war der Prozess immer wieder vertagt worden. Von den 174 Millionen Einwohnern Pakistans sind etwa 95 Prozent Muslime, zwei Prozent Christen sowie zwei Prozent Hindus.

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