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Pakistan
18. Mai 2017

Christ gegen Zahlung einer Kaution freigelassen

Die Familie von Mukhtar Masih (nicht im Bild) ist froh über seine Freilassung auf Kaution. Foto: Michaela Koller
Die Familie von Mukhtar Masih (nicht im Bild) ist froh über seine Freilassung auf Kaution. Foto: Michaela Koller

Frankfurt am Main/Wetzlar (idea) – In Pakistan hat es bei zwei wegen angeblicher Gotteslästerung inhaftierten Christen unterschiedliche Entwicklungen gegeben. Während der eine gegen Kaution freikam, muss der andere weiterhin in Gefangenschaft auf sein Verfahren warten. Der 69-jährige Mukhtar Masih wurde am 16. Mai aus dem Gujaranwala Distrikt Gefängnis entlassen. Das Verfahren läuft allerdings weiter. Die nächste Anhörung ist für den 20. Mai angesetzt. Masih wurde wegen angeblicher Blasphemie angezeigt. Hintergrund ist ein Konflikt um Landeigentum, der zwischen einigen Männern und dem Familienvater schwelt. Außergewöhnlich in dem Fall ist, dass die Polizei selbst Anzeige auf der Grundlage von Aussagen dieser Männer erstattet hat. Derzufolge habe Masih in zwei Briefen sowohl Mohammed als auch den Koran beleidigt. Keiner der vermeintlichen Zeugen kann jedoch etwas Konkretes dazu aussagen, ob der Christ einen derartigen Brief tatsächlich verfasst hat. Masih droht die Todesstrafe. Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM/Frankfurt am Main) und die Evangelische Nachrichtenagentur idea (Wetzlar) hatten ihn als „Gefangenen des Monats März“ benannt und zu seiner Unterstützung aufgerufen.

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Freilassung eines 16-jährigen Christen auf Kaution erneut abgelehnt

Weiterhin im Gefängnis befindet sich der 16-jährige Nabeel Masih. Der Jugendliche, dessen Mutter schon verstorben ist, war im September 2016 ebenfalls wegen Blasphemieverdachts verhaftet worden. Der Antrag, ihn auf Kaution freizulassen, wurde zum zweiten Mal abgelehnt. Ein Bezirksrichter, Naveeb Iqbal, entschied, Masih habe eine „abscheuliche und verhasste Handlung begangen, indem er die religiösen Gefühle der Muslime und ihre heilige Kultstätte geschändet hat“. Masih drohen zwischen zehn Jahren und lebenslanger Haft. Am 18. September verbreitete sich im Dorf des Fabrikarbeiters in der Provinz Punjab die Nachricht, er habe ein manipuliertes Bild von der heiligsten Stätte der Muslime, der Kaaba in Mekka, auf Facebook geteilt. Sein muslimischer Facebook-Freund Akhtar Ali warf dem Christen vor, die Kaaba verunglimpft zu haben, und erstattete Anzeige. Was an der Darstellung herabwürdigend gewesen sein soll, ist nicht bekannt. Masih ist „Gefangener des Monats Oktober 2016“. Richter Iqbal hatte bereits 2010 die Katholikin Asia Bibi aufgrund des Blasphemiegesetzes zum Tode durch den Strang verurteilt, weil sie den Islam beleidigt haben soll. Sie sitzt seitdem im Gefängnis. Im Juli 2015 hatte das Oberste Gericht eine Berufung gegen das Urteil zugelassen. Die Anhörung wurde verschoben, weil einer der drei Richter an Pakistans Oberstem Gericht Ende Oktober seinen Rücktritt verkündet hatte. Nach Informationen der IGFM wird mit dem Fortgang des Verfahrens im Juni gerechnet. Von den 174 Millionen Einwohnern Pakistans sind etwa 95 Prozent Muslime, zwei Prozent Christen sowie zwei Prozent Hindus.

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