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Zentralafrikanische Republik
23. November 2018

Nach Massaker an Christen: Menschenrechtler kritisieren UN-Truppe

Bei einem Angriff der islamistischen Miliz UPC auf eine Kathedrale und ein Flüchtlingslager in der Stadt Alindao waren mindestens 60 Menschen getötet worden. Foto: pixabay.com
Bei einem Angriff der islamistischen Miliz UPC auf eine Kathedrale und ein Flüchtlingslager in der Stadt Alindao waren mindestens 60 Menschen getötet worden. Foto: pixabay.com

Göttingen/Alindao (idea) – Nach einem Massaker an Christen in der Zentralafrikanischen Republik hat die Gesellschaft für bedrohte Völker (Göttingen) Kritik am Verhalten der UN-Friedenstruppe MINUSCA geübt und eine unabhängige Untersuchung des Falls gefordert. Bei einem Angriff der islamistischen Miliz UPC auf eine Kathedrale und ein Flüchtlingslager in der Stadt Alindao waren am 15. November nach Angaben der Menschenrechtsorganisation mindestens 60 Menschen getötet worden. „Wenn Blauhelmsoldaten ihren Auftrag nicht erfüllen und Zivilisten nicht wirksam vor Gewalt schützen, dann muss sich der Weltsicherheitsrat mit dem Versagen der UN-Friedenstruppe beschäftigen“, erklärte der Direktor der Gesellschaft für bedrohte Völker, Ulrich Delius. Augenzeugen werfen den UN-Soldaten vor, bei dem Überfall nicht eingegriffen zu haben. Gemäß dem Mandat der MINUSCA, das der Weltsicherheitsrat am 15. November 2017 erteilte, hat der Schutz der Zivilbevölkerung absoluten Vorrang. Die Vereinten Nationen bestreiten hingegen ein Nichteingreifen der Truppe. Wie ein Sprecher mitteilte, sind die 50 Blauhelme jedoch den zahlreichen Angreifern zahlenmäßig so unterlegen gewesen, dass sie Zivilisten nicht hätten schützen können. Delius forderte, die Zahl der Blauhelmsoldaten in der Zentralafrikanischen Republik „dringend“ zu erhöhen.

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Etwa 20.000 Flüchtlinge verließen Alinda nach dem Massaker

Der Angriff richtete sich gegen rund 27.000 christliche Flüchtlinge aus umkämpften ländlichen Gebieten, die in der Umgebung der Kathedrale Zuflucht gefunden hatten. Bei dem Überfall starben auch zwei katholische Geistliche, der Generalvikar Blaise Mada und Pfarrer Celestine Ngoumbango. Die Angreifer setzten die Kirche und angrenzende Gebäude in Brand. Insgesamt haben rund 40.000 Flüchtlinge in Alindao Schutz gesucht. Nach dem Massaker verließ etwa die Hälfte von ihnen die Stadt, weil sie dem Schutz der MINUSCA nicht mehr vertrauen. Für Delius bedeutet das für die UN-Friedenstruppe im Land auch einen massiven Verlust an Glaubwürdigkeit. Die Blauhelmsoldaten schritten meist nicht rechtzeitig genug ein, um Gewalt einzudämmen. Die Vereinten Nationen dürften nicht länger tatenlos zusehen, sondern müssten die Initiative ergreifen. Momentan sind 10.758 Blauhelmsoldaten mit dem Schutz der Zivilisten in der Zentralafrikanischen Republik betraut. Mit einer Fläche von 623.000 Quadratkilometern ist die Zentralafrikanische Republik knapp doppelt so groß wie Deutschland. 79 Prozent der 794.000 Einwohner gehören Kirchen an, zehn Prozent sind Muslime. Zudem gibt es Anhänger von animistischen Religionen.

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