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Militäroffensive
22. Oktober 2019

Kurden kritisieren Kirchen: Im Konflikt um Nordsyrien „abgetaucht“

Die türkische Militäroffensive hatte am 9. Oktober begonnen, um die kurdische Miliz YPG aus der Region an der Grenze zur Türkei zu vertreiben. Foto: picture-alliance/dpa
Die türkische Militäroffensive hatte am 9. Oktober begonnen, um die kurdische Miliz YPG aus der Region an der Grenze zur Türkei zu vertreiben. Foto: picture-alliance/dpa

Gießen/Hannover (idea) – Die Kurdische Gemeinde Deutschland hat den beiden großen Kirchen vorgeworfen, zum „völkerrechtswidrigen Angriffs- und Vernichtungskrieg“ der Türkei in Nordsyrien „weitgehend“ zu schweigen. Die Militäroffensive hatte am 9. Oktober begonnen, um die kurdische Miliz YPG aus der Region an der Grenze zur Türkei zu vertreiben.

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Der Generalsekretär der Kurdischen Gemeinde, Cahit Basar (Gießen), erklärte am 22. Oktober: „Bis auf einzelne mahnende Stimmen geben sich beide Kirchen sehr bedeckt. Dass Hunderttausende Zivilisten, darunter viele Christen, auf der Flucht sind, ist offensichtlich keine Stellungnahme wert.“ In die kurdisch kontrollierten und selbstverwalteten Provinzen seien in den letzten Jahren Zehntausende Angehörige religiöser Minderheiten vor Gewalt und Verfolgung geflüchtet.

Basar: „Diese Invasion bedeutet die Zerstörung der letzten jesidischen und christlichen Gemeinden in Syrien und das Ende einer über 2.000 Jahre existierenden religiösen Vielfalt.“ Es sei beschämend zu sehen, „in welcher Schockstarre sich die EU befindet und die Kirchen in diesem Konflikt abgetaucht sind“.

EKD: Präses Rekowski hat sich geäußert

Auf Anfrage der Evangelischen Nachrichtenagentur idea zu der Kritik erinnerte eine EKD-Sprecherin in Hannover daran, dass sich der Vorsitzende der EKD-Kammer für Migration und Integration, Präses Manfred Rekowski (Düsseldorf), am 16. Oktober bereits zu dem Angriff auf Nordsyrien geäußert habe.

Er sagte: „Notwendig sind diplomatische Bemühungen um ein rasches Ende der Kampfhandlungen.“ Christen seien allerdings auch in diesem Konflikt keine politischen Akteure. „Christen beten zu Gott um Einsicht der Mächtigen, um ein Ende der Gewalt und um Schonung der Zivilbevölkerung“, so Rekowski.